Sie riechen, bellen – und suchen nach infizierten Wildschweinen
Reportage Afrikanische Schweinepest
Sie riechen, bellen – und suchen nach infizierten Wildschweinen
Von
Riccardo Wittig
Zwei schwarze Hunde laufen durch einen Wald südlich von Schwedt in der Uckermark. Sie gehen durch das Dickicht, über umgekippte Bäume, halten an, wedeln mit dem Schwanz – und riechen. Die Hunde Otto – ein großer Drahthaar – und Chaya – eine kleine Münsterländerin – durchkämmen das Gelände auf der Suche nach kranken und toten Wildschweinen. Ihr Auftrag: Die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) in der Uckermark zu verhindern.
"Otto war da hinten schon gewesen", sagt einer von zwei Männern, die die Hunde begleiten. Die Hundeführer Axel Nitschke und Göran Müller bilden eins der erfahrensten Suchteams in der Region. Und sie haben aktuell viel zu tun: Insgesamt neun Fälle von infiziertem Schwarzwild sind in den vergangenen Wochen im Unteren Odertal nachgewiesen worden, nachdem die Uckermark ein Jahr lang frei von der Tierseuche war.
"Wichtig ist, der Seuche vorauszukommen"
Nitschke und Müller vermuten hinter dem erneuten Ausbruch menschliches Versagen: "Offen gelassene Tore im Nationalpark, sodass die Seuche aus Polen wieder reingekommen ist", sagt Müller.
In der Uckermark sowie in weiteren Kreisen gibt es eine Sperrzone westlich der Oder, die Schutzkorridor genannt wird. Dort wurden die neuesten Fälle der ASP festgestellt. Nun kontrollieren die Suchteams gezielt auch die Gebiete außerhalb des Korridors.
"Wichtig ist, der Seuche voraus zukommen, das ist die Erfahrung, die notgedrungenerweise Brandenburg machen musste", sagt Hundeführer Axel Nitschke. "Unser Auftrag ist es, außerhalb des Schutzkorridors in den Randzonen zu gucken, wie weit die Pest ist."
»
Unser Auftrag ist es, außerhalb des Schutzkorridors in den Randzonen zu gucken, wie weit die Pest ist.
«
Hundeführer Axel Nitschke
Findet das Team hier infiziertes Schwarzwild, müsste der Landkreis die Sperrzone erweitern. Mit ihrer Arbeit hilft das Team nicht nur gegen die Ausbreitung in Brandenburg – es schützt auch eine der größten Schweinehaltungsregionen Europas. "Niedersachsen zum Beispiel, da ist ja die Hochburg der Schweinemast", sagt Hundeführer Müller. Würde die ASP die dortigen Betriebe erreichen, seien viele Arbeitsplätze bedroht.
Die Uckermark habe eine besondere Verantwortung, dass sich die Afrikanische Schweinepest nicht nach Westen ausbreitet, sagt auch der uckermärkische Amtstierarzt Henry Strathmann. Er vermutet, dass in Polen infizierte Tiere die Oder durchschwommen haben. "Sie verenden dann im Nationalpark, und von da an beginnt die Infektionskette." Deshalb werde der ASP-Schutzzaun im Nationalpark Unteres Odertal nun erweitert. Ein neuer Zaun soll zwischen Schwedt und Flemsdorf gebaut werden.
Otto und Chaya reagieren auf jede frische Spur
Im uckermärkischen Wald geht die Suche nach Wildschweinen weiter. Für Mensch und Hund ist die Arbeit mühsam. Müller und Nitschke müssen gebeugt unter Ästen, an stacheligen Brombeeren vorbei und zwischen dichten Jungbäumen laufen. Die Hunde kommen etwas schneller voran. "Ich glaube, für sie sind die Zecken das größte Problem", sagt Nitschke.
Plötzlich nimmt Hündin Chaya Witterung auf. Sie ist aufgeregt, läuft eng an Nitschke und folgt der Spur. "Hier riechen wir es", sagt Nitschke. Es sind Wildschweine. "Schwarzwild nach links." Doch die Tiere sind weggelaufen.
Die Hunde Otto und Chaya reagieren auf jede frische Spur. Sie tragen einen Tracker am Körper. "Das ist das Sender-Halsband, das zeichnet die Laufwege des Hundes auf, zeigt uns an, wie schnell er ist er, was er gerade macht, ob er verbellt, das heißt also ein Stück irgendwie bedrängt."
Die Daten helfen später bei der weiteren Fallwildsuche. "Wenn wir jetzt was finden, wird der Standort erfasst, ein Foto gemacht und sofort eine Meldung an die Einsatzleitung geschickt", sagt Göran Müller. "Die schicken uns dann ein Bergeteam raus, mit der Bergung selbst haben wir nichts zu tun."
2020 wurde in Brandenburg der erste Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest bei deutschem Schwarzwild festgestellt. Ein Jahr später wurde die Seuche erstmalig in Hausschweinbeständen nachgewiesen. Mithilfe von Schutzzäunen und Sperrzonen wurde die Ausbreitung der ASP nach weiteren Ausbrüchen kontrolliert und zwischenzeitlich auch eingedämmt.
Ob infolge des aktuellen Ausbruchs weitere mit ASP infizierte Tiere gefunden werden, ist noch unklar. An diesem Tag bleibt die Suche in der Uckermark ohne Fund – für die Hundeführer ist das aber die beste Nachricht.
Sendung: rbb24 Brandenburg aktuell, 23.07.2026, 19:30 Uhr
Video: rbb24 Brandenburg aktuell, 23.07.2026, Riccardo Wittig
Mehr bei rbb|24