Stadtverwaltung setzt Beschluss nicht um: Neue Tagesstube für Obdachlose in Saarbrücker City – deshalb stockt die Umsetzung


Stadtverwaltung setzt Beschluss nicht um Neue Tagesstube für Obdachlose in Saarbrücker City – deshalb stockt die Umsetzung

Saarbrücken · Vor zwei Jahren hat der Stadtrat beschlossen, eine zweite Tageseinrichtung für Obdachlose in Saarbrücken zu schaffen. Passiert ist bisher nichts – obwohl ein geeignetes Ladenlokal bereitstünde. Jetzt soll der Sozialausschuss Druck machen.

18.08.2026 , 20:00 Uhr

Im Haus Berlin an der Kohlwaagstrasse steht ebenerdig ein Ladenlokal leer. Ein möglicher Standort für die von Stadtrat beschlossene zweite Tagesstube für Obdachlose?

Im Haus Berlin an der Kohlwaagstrasse steht ebenerdig ein Ladenlokal leer. Ein möglicher Standort für die von Stadtrat beschlossene zweite Tagesstube für Obdachlose?

Foto: Dietmar Klostermann

Seit gut 30 Jahren gibt es die Tageseinrichtung für Menschen ohne Wohnung und in prekärer Lage in der Trierer Straße in der Saarbrücker City. In der Wärmestube bekommen die Obdachlosen für 50 Cent ein Frühstück, für einen Euro ein Mittagessen, bekommen kostenlos Getränke, können sich kostenlos duschen und ihre Wäsche waschen. Doch die Zahl der vom sozialen Abstieg Betroffenen ist seitdem auch in Saarbrücken enorm gestiegen.

Circa 150 Menschen leben auf der Straße

„Es gibt jetzt rund 150 Menschen, die auf der Straße leben“, sagt Wärmestuben-Geschäftsführer Hermann Schell. Das seien aktuelle Zahlen der Saarbrücker Wohnungslosenhilfe, in der die betreuenden Sozialeinrichtungen zusammenkommen. Damit liege die Zahl der Betroffenen weitaus höher als die von der Stadtverwaltung angenommenen 80 Personen.

Vor zwei Jahren bereits hatte der Stadtrat Saarbrücken den Beschluss gefasst, neben der von den beiden großen christlichen Kirchen getragenen Wärmestube eine weitere Tageseinrichtung für Obdachlose anzubieten. Die diesen im Gegensatz zu dem sogenannten offenen hölzernen „Pavillon“ an der Richard-Wagner-Straße mehr Schutz vor den Wetterauswüchsen und auch mehr Komfort bieten sollte. Doch auf die Umsetzung dieses Beschlusses warten die Ratsfraktionen und die Obdachlosen in Saarbrücken bis heute.

Stadtverwaltung könnte in Zugzwang kommen

Deshalb hat der grüne Stadtrat Thomas Brass für die Sitzung des Sozialausschusses an diesem Mittwoch, 19. August, um 16 Uhr im Rathaus, einen Antrag eingebracht. Der Inhalt: Die Verwaltung soll mitteilen, was aus dem Ratsbeschluss vom 3. Dezember 2024 zur „Einrichtung eines barrierefreien, niedrigschwelligen Tagesaufenthalts in Innenstadtnähe“ geworden ist. Brass will wissen, was die Standort- und Immobiliensuche macht und wie der Stand bei der Trägersuche ist.

Zudem geht aus Brass‘ Frage zu „gegebenenfalls bestehenden Hemmnissen“ hervor, dass nicht nur dem Grünen etwas schwant. Nämlich, dass die Stadtverwaltung den mit 150.000 Euro Haushaltsmitteln ausgestatteten Beschluss für die Tagesstube nicht in letzter Konsequenz verfolgt. Sozialdezernent Tobias Raab (SPD) soll nun bis spätestens 23. September den Ratsmitgliedern erklären, woran es hapert. Wenn Brass’ Antrag im Ausschuss eine Mehrheit findet, könnte die Stadtverwaltung in Zugzwang kommen.

Möglichkeit mit leerstehendem Ladenlokal im Haus Berlin besteht

Wie die Saarbrücker Zeitung aus gut unterrichteten Kreisen erfahren hat, besteht derzeit noch die Möglichkeit, ein leerstehendes Ladenlokal im Haus Berlin an der Kohlwaagstraße für die Tagesstube zu mieten. Das Haus Berlin gehört der städtischen Immobiliengruppe Saarbrücken, die besser bekannt ist unter ihrem traditionellen Namen Siedlungsgesellschaft. Im Haus Berlin sind unter anderem mehrere städtische Behörden ansässig, darunter auch die Streetworker, die Sozialarbeiter also, die sich um die Belange der Obdachlosen beruflich kümmern. Eine Vermietung des leerstehenden Ladenlokals als Tagesstube wäre also in den Augen von Experten eine Situation, die für alle Beteiligten nutzbringend wäre.

Doch es gebe im Rathaus Kräfte, die dagegen seien, heißt es. Grund demnach: Die im Beschluss genannte „Innenstadtnähe“ sei nicht klar definiert. Und die Kohlwaagstraße manchen im Rathaus, mit Verweis auf die nahe Bahnhofstraße, zu nah. Jetzt könnte es an Sozialdezernent Raab sein, Licht ins Dunkel um die Tagesstube zu bringen. Wenn die Sozialausschussmehrheit das so will. (loz/ole)