Strand, Kultur oder Wandern? Welche Art von Urlaub am erholsamsten ist
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Strand, Kultur oder Wandern? Welche Art von Urlaub am erholsamsten ist
Im Urlaub ist es manchmal gar nicht so einfach, abzuschalten. Der Psychiater Frank Wassmuth erklärt, was Körper und Gehirn brauchen, um wirklich zu regenerieren
Davina Brunnbauer
Endlich Urlaub! Man liegt gemütlich am Strand oder Pool, den Arbeitsstress hat man (scheinbar) zuhause gelassen, aber die Erholung will sich irgendwie nicht einstellen. Auf die Sommerlektüre kann man sich nicht konzentrieren, ständig schaut man reflexhaft aufs Handy, die Museumsführung sollte man noch buchen, und dann nerven womöglich auch noch Familienmitglieder oder Freunde, weil sie ganz andere Vorstellungen von Urlaub haben. Spätestens jetzt beginnen die Gedanken zu kreisen: Ich muss mich doch eigentlich entspannen?!
Das Abschalten auf Knopfdruck fällt vielen Menschen schwer. Kein Wunder, sagt der Psychiater und Psychotherapeut Frank Wassmuth: "Wir glauben häufig, dass wir uns erholen, obwohl wir unser Gehirn eigentlich weiterhin belasten." In seinem neuen Buch Die spinnen, die Neuronen beschäftigt sich der Facharzt für Neurologie und funktionelle Medizin mit der Frage, warum Erschöpfung für viele Menschen zum Dauerzustand geworden ist – und weshalb Regeneration oft ganz anders funktioniert, als wir denken.
Gedanken auf Durchzug?
Denn auch im Alltag erholen wir uns völlig verkehrt. Nach einem anstrengenden Tag bleibt oft nicht mehr viel Energie, deswegen entspannen die meisten am liebsten auf der Couch, um sich etwas im Fernsehen anzusehen oder am Handy zu scrollen. So schaltet das Gehirn auf Durchzug und wird nicht mehr gefordert, glauben viele – doch das ist ein Irrtum.
"Das Gehirn muss jede Information verarbeiten, unabhängig davon, ob ich eine E-Mail lese, ein Buch oder mir TikTok-Videos anschaue", sagt Wassmuth. Während wir also glauben, dabei nichts leisten zu müssen, erhält unser Gehirn pausenlos neue Eindrücke. Das kostet Energie, besonders wenn auch der Arbeitsalltag vor dem Bildschirm stattfindet.
Ruhe und aktive Erholung
Denn Erholung ist stark abhängig davon, wie wir unsere Tage in der Regel verbringen. "Ein Profifußballer wird nach einem Spiel nicht noch mehr Fußball spielen, weil sich sein Körper sonst nicht regeneriert. Stattdessen kann er abends fernsehen, lesen, Karten spielen oder sich unterhalten und dadurch seinen Kopf anregen." Für Menschen mit einem Bürojob ist es genau umgekehrt. "Wenn ich viel sitze und mit anderen reden, ist es eher überfordernd, wenn ich auch abends noch soziale Kontakte pflege und damit dieselben Gehirnregionen fordere."
Wer täglich stundenlang vor Bildschirmen sitzt, Informationen verarbeitet und viele Gespräche führt, erholt sich demnach am besten durch Ruhe, Natur und Bewegung und eben nicht mit weiterer Bildschirmzeit oder einer dicht gefüllten Städtereise.
Wassmuth empfiehlt Menschen in dieser Situation lange Wanderungen ohne Smartphone und am besten auch ohne Begleitung, also alleine. "Nicht ohne Grund ist das Wandern auf dem Jakobsweg seit Hunderten Jahren eine gängige Behandlung von Überlastungszuständen." Natürlich muss es nicht gleich eine mehrwöchige Wanderung sein, wichtig sind jedoch körperliche Aktivität, wenn sie ansonsten im Alltag fehlt, und dabei möglichst viel Ruhe ohne Ablenkung.
Auch das Meer ist ein idealer Ort, um herunterzukommen. Denn das gleichmäßige Rauschen liefert keine neuen Informationen und überdeckt andere Geräusche.
Langeweile zulassen
Doch gerade diese Art von Entspannungsurlaub fällt vielen Menschen schwer. "Nur am Strand sitzen und aufs Meer schauen ist langweilig und macht keinen Spaß", sagt Wassmuth. "Für viele ist das schwer auszuhalten." Denn wir orientieren uns an kurzfristiger Belohnung und streben nach Dingen, die sofort guttun. "Um langfristig gesund zu bleiben, müssen wir aber manchmal Dinge tun, die keinen Spaß machen", betont der Psychiater.
Außerdem sind wir es nicht mehr gewohnt, uns zu langweilen. Sobald ein Leerlauf entsteht, zücken wir aus Gewohnheit das Handy. Dabei wäre es wichtig, auch mal Langeweile aufkommen zu lassen. "Echte Regeneration fühlt sich eben nicht besonders produktiv oder unterhaltsam an."
Das grundlegende Problem ist, dass viele Menschen glauben, ihre geistige Energie stünde ihnen unbegrenzt zur Verfügung – "bis sie dann das erste Mal an ihre Grenzen stoßen". Dabei ist Erholung kein Luxusproblem und man sollte sie nicht auf die leichte Schulter nehmen. Denn fehlende Regeneration ist ein Grund, warum psychische Belastungen zunehmen. "Das fühlt sich nicht nur so an, weil wir dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken", sagt Wassmuth. Internationale Studien deuten darauf hin, dass Depressionen und Angststörungen seit Jahren immer häufiger auftreten. Das zeigt: "Erschöpfung ist kein Individualphänomen."
Die Ursachen dafür sind vielfältig: eine verdichtete Arbeitswelt, wirtschaftliche Unsicherheit, weniger soziale Gemeinschaften, schlechterer Schlaf und eine permanente Beschallung und Erreichbarkeit. "Auch soziale Medien spielen eine Rolle, sind aber nicht die alleinige Ursache", meint der Psychiater. Vielmehr ist das Problem, dass sich da Menschen durchscrollen, deren Stresssystem ohnehin bereits sehr beansprucht ist.
Auf das Energiekonto achten
Hilfreich ist oft der Vergleich mit einem Bankkonto, sagt Wassmuth. Wenn man dauerhaft mehr ausgibt, als wieder reinkommt, rutscht man irgendwann ins Minus. "Wer wartet, bis gar nichts mehr geht, hat es deutlich schwerer, die eigenen Reserven wieder aufzufüllen. Vor allem, wenn man nebenher arbeiten muss."
Deswegen beginnt Erholung eigentlich lange vor dem Urlaub. Auch im Alltag sollte man das Handy am Abend weglegen, nicht jede E-Mail sofort beantworten, regelmäßig Bewegung einplanen und genügend schlafen. So gibt man dem Gehirn wertvolle Pausen. Kleine Veränderungen bewirken dabei oft mehr als radikale Auszeiten oder sorgen dafür, dass man diese gar nicht erst dringend braucht. Umso mehr darf man den Urlaub dann auch so richtig genießen – vor allem wenn man weiß, wie er am meisten nützt. (Davina Brunnbauer, 23.7.2026)
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