Streit um E-Ladesäulen: München muss Vergabeverfahren ändern – „Fangen wieder von vorne an“
Stand: 18.08.2026, 20:00 Uhr
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Ein Gericht hat die bisherige Vergabepraxis als nicht diskriminierungsfrei eingestuft. Die Stadt muss nun ein neues Verfahren entwickeln – mit möglichen Folgen für die bislang von den Stadtwerken betriebenen öffentlichen Ladesäulen.
München – In München fahren immer mehr Elektroautos, doch der Ausbau öffentlicher Ladesäulen stagniert. Seit 2017 stieg die Zahl der E-Autos von 2278 auf über 57.235. Dennoch gibt es nur etwa 1200 öffentliche Ladepunkte. Fast alle betreiben die Stadtwerke München (SWM) – private Anbieter kamen im öffentlichen Raum bisher kaum zum Zug.
Ein Grund: mehrere Verzögerungen beim Aufstellen eines geeigneten Vergabeverfahrens. Jetzt plant das Mobilitätsreferat einen neuen Anlauf: Heute stimmt der Feriensenat im Stadtrat über eine Beschlussvorlage ab. Das Referat schlägt vor, die Vergabe künftig über ein neues Verfahren zu regeln. Details dazu sind noch offen.
Dieser Schritt erfolgt nicht ganz freiwillig, denn es gibt eine Vorgeschichte: Ursprünglich plante das Referat, neue öffentliche Ladepunkte über ein Verteilverfahren zu vergeben. Das Verfahren begann 2025 – die Auswahl sollte 2026 abgeschlossen sein. Gleichzeitig schwelte schon länger ein Rechtsstreit mit dem privaten E-Säulen-Anbieter Qwello, der diese Vergabepraxis der Stadt anfocht. Er wollte über Sondernutzungen eigene E-Ladesäulen aufstellen. Das lehnte die Stadt mit Verweis auf das damals laufende Vergabeverfahren jedoch ab.
Das Verwaltungsgericht München gab der Stadt heuer zwar in vielen Punkten Recht, bemängelte jedoch, dass das Verfahren „nicht diskriminierungsfrei“ sei. Im Kern geht es darum, dass die öffentliche Ladeinfrastruktur mit rund 600 Ladesäulen und 1200 Ladepunkten bisher fast ausschließlich den Stadtwerken gehört. Sie würden dadurch bevorzugt. Zum Vergleich: In ganz München liegt die Zahl der Ladepunkte privater Anbieter im niedrigen zweistelligen Bereich. Wichtig: Es geht dabei nicht um private Flächen, hier liegt die Zahl deutlich höher.
Dass die Stadtwerke so viele Säulen betreiben, führte das Mobilitätsreferat auf eine historische „Mangellage“ zurück: „Vor zehn Jahren gab es noch keinen Wettbewerb am Markt“, sagt Sabine Effner, stellvertretende Leiterin des Mobilitätsreferats. Deshalb seien die Stadtwerke damals mit dem Aufbau der Infrastruktur betraut worden. Qwello behauptet jedoch: Schon 2017 habe man sich am Aufbau der Ladeinfrastruktur beteiligen wollen.
Nun könnte das neue Verfahren die bisherige Verteilung verändern: Die Stadt muss die bestehenden Ladesäulen der SWM künftig ebenfalls „wettbewerblich“ vergeben. Die Stadtwerke wollen abwarten, wie sich das Verfahren ausgestaltet, so ein Sprecher.
Und neue Ladesäulen? Einst plante das Referat 750 Standorte mit rund 1500 Punkten. Im neuen Verfahren müssen die Bedarfe neu analysiert werden – die Zahl könnte sich am ursprünglichen Plan orientieren. Der Ausbau wird sich durch ein Neu-Verfahren erneut verzögern: „Jetzt fangen wir wieder von vorne an“, so Effner. Die Durchführung könnte sechs Monate dauern.
Ladebüchse im Bordstein
Während es in München um klassische Ladesäulen geht, testen andere Städte weitere Systeme: So erprobt Bamberg sogenannte Ladebordsteine für E-Autos. Wie Steckdosen befinden sich die Anschlüsse am Bordsteinrand. Die Stadtwerke wollten insgesamt 28 solcher Ladepunkte installieren. Zunächst ist es ein Pilotprojekt. In Nordrhein-Westfalen gibt es solche Systeme etwa in Düsseldorf und Köln bereits.
Daneben gibt es weitere Ladesysteme, etwa die private Wallbox, die das Laden zu Hause ermöglicht. Diese gibt es inzwischen auch als mobile Variante: Ein Adapter ermöglicht das Laden so auch in anderen Haushalten.