Streit um Kosten für Claude-Nutzung: Start-up zwischen Microsoft- und Anthropic-Support gefangen - Golem.de
Über ein Förderprogramm hat ein Unternehmen Azure-Guthaben von Microsoft erhalten und steht nun vor einer unbezahlten Claude-Rechnung.
9. Oktober 2026 um 14:02 Uhr / Mike Faust
Das norwegische Start-up Vegalabs AS ist von einer bürokratischen Auseinandersetzung zwischen den Supportteams von Microsoft und Anthropic betroffen. Wie The Register berichtet(öffnet im neuen Fenster), erhielt Vegalabs über das Förderprogramm Microsoft for Startups Azure-Guthaben im Wert von 25.060 US-Dollar und nutzte dieses im August 2026 für die Bereitstellung des KI-Modells Claude in Microsoft Foundry für seine Analyse-Workloads.
Das Unternehmen ging davon aus, dass die Nutzungskosten vollständig durch das vorhandene Sponsoring-Guthaben gedeckt würden. Gemäß den Richtlinien von Microsoft sind Anthropic-Modelle, die über den Azure Marketplace bezogen werden, jedoch von der Deckung durch Sponsoring-Guthaben ausgeschlossen.
Während das Start-up das Sponsoring-Portal überwachte, welches weiterhin das verfügbare Guthaben anzeigte, liefen im Hintergrund separate Marketplace-Kosten auf. Infolgedessen versuchte Microsoft, 16.500 US-Dollar von der hinterlegten Kreditkarte abzubuchen. Die Gesamtrechnung hatte letztlich eine Höhe von 17.600 US-Dollar.
Ausschlussklauseln nicht gelesen
Unmittelbar nach der Entdeckung der Belastungen löschte Vegalabs die Bereitstellung von Claude. Das Kreditkartenunternehmen lehnte die Abbuchung wegen Betrugsverdachts ab, und am 8. September 2026 verfielen 21.168 US-Dollar des ungenutzten Förderguthabens.
Vegalabs räumte zwar ein, die Ausschlussklauseln nicht gelesen und keinen Budget-Alarm eingerichtet zu haben, kritisierte jedoch, dass die Benutzeroberfläche bei der Bereitstellung von Claude die separate Abrechnung nicht klar kenntlich gemacht habe.
Der Versuch des Start-ups, einen Erlass der Kosten zu erwirken, mündete in einem bürokratischen Hin und Her zwischen den Supportteams beider Konzerne. Microsoft verwies an Anthropic mit der Begründung, dass Marketplace-Transaktionen über eine separate Abrechnungsschiene des Drittanbieters liefen und der Azure-Support keine Gebühren erlassen könne, solange Anthropic keine Erstattung autorisiere.
Anthropic-Support widerspricht mit KI-generierten Antworten
Der Support von Anthropic widersprach dem jedoch und betonte, dass Microsoft für eine Rückerstattung keinerlei Autorisierung des Claude-Anbieters benötige, und verwies Vegalabs zurück an Microsoft. Hinzu kam, dass laut Vegalabs vier der sieben erhaltenen Antworten, darunter beide Rückmeldungen von Anthropic, KI-generiert waren und das Konto fälschlicherweise als Azure Student Sponsorship einstuften.
Nach entsprechenden Anfragen von The Register verwies Microsoft erneut auf Anthropic, während dieses gar nicht reagierte. Bislang bleibt das Start-up auf der unbezahlten Rechnung sitzen, während beide Anbieter die Verantwortung gegenseitig von sich weisen.
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