Umspannwerke: Ermittler finden sechs Abschussvorrichtungen
Stromnetz-Sabotage: Ermittler finden sechs Abschussvorrichtungen
Nach dem Kurzschluss in einem Umspannwerk bei Köln ermittelt die Polizei wegen Sabotage. Die Ermittler hoffen nun, über vor Ort gesicherte Beweise auf die Spur der Täter zu kommen.
Wasserdampf steigt aus den Kühltürmen des Kraftwerks Jänschwalde. Nach der Sabotage am Stromnetz in Südbrandenburg sucht die Polizei weiter nach Spuren. Foto: Frank Hammerschmidt/dpa
Die Kölner Staatsanwaltschaft stuft den Vorfall an einem Umspannwerk in Nordrhein-Westfalen als Anschlag ein und ermittelt wegen verfassungsfeindlicher Sabotage. Zudem werde ein Zusammenhang mit einem ähnlichen Vorfall in Brandenburg vom Dienstag geprüft, teilten die Behörden am Mittwoch in Köln mit. Man nehme den Vorfall „äußerst ernst“, da durch die Abschaltung von Kraftwerksblöcken die lebenswichtige Versorgung der Bevölkerung bedroht gewesen sei, sagte der Kölner Staatsanwalt Ulrich Bremer. Man ermittele wegen des Anfangsverdachts der verfassungsfeindlichen Sabotage und der Störung öffentlicher Betriebe. „Wir stufen die Tat als Anschlag auf die kritische Infrastruktur ein“, sagte Michael Esser vom Polizeipräsidium Köln. „Natürlich prüfen wir auch die Zusammenhänge zu den jüngsten Taten in Brandenburg.“
Nach Angaben der Polizei hatten Unbekannte am Dienstagabend gegen 20.00 Uhr in einem Umspannwerk im Ortsteil Rheydt einen Kurzschluss verursacht. Dazu sei vermutlich ein Draht über eine Hochspannungsleitung geworfen und an einem Zaun befestigt worden, was zu einer Erdung führte. „Der Draht, der vermutlich darüber gezogen worden ist, ist verglüht und hat auch den Zaun beschädigt“, erläuterte Esser. In der Folge wurden die Kraftwerke in Niederaußem und Neurath technisch abgeschaltet. Die Energieversorgung sei jedoch sicher und die Netze stabil geblieben, sagte Esser. Es habe keine nennenswerten Stromausfälle gegeben.
In Brandenburg am Kraftwerk Jänschwalde hatte es am Dienstagmorgen einen ähnlichen Anschlag gegeben. Es war ebenfalls ein Kurzschluss ausgelöst worden, und ein Kraftwerksblock musste vom Netz gehen. Im Zuge der Ermittlungen in Nordrhein-Westfalen fanden die Beamten in einem angrenzenden Maisfeld sechs Abschussvorrichtungen. „Es ist davon auszugehen, dass die Vorrichtungen so gebaut waren, dass pyrotechnische Gegenstände vermutlich einen Draht in die Höhe transportieren konnten“, erklärte Esser. In Brandenburg wurde ganz ähnlich vorgegangen, auch hier wurden vermutlich selbstgebastelte Raketen in großer Zahl gefunden.

50Hertz und Amprion
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Die Motivation der Täter sei noch unklar, die Ermittlungen liefen in alle Richtungen, teilten die Behörden weiter mit. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen habe den Schutz vergleichbarer Objekte landesweit intensiviert.
Kraftwerksblöcke von RWE infolge der Störung vom Netz
Als Folge der Störung am Umspannwerk gingen fünf Braunkohle-Kraftwerksblöcke von RWE an den zwei Standorten Bergheim und Grevenbroich vom Netz. Mittlerweile hat der Energiekonzern die ersten betroffenen Anlagen wieder ans Netz gebracht. Die Kraftwerksblöcke Neurath G und Niederaußem H seien wie geplant am Vormittag wieder ans Netz gegangen, teilte der größte deutsche Stromerzeuger am Mittwoch mit. Der Block Neurath F solle bis zum Abend folgen. Mit der Wiederinbetriebnahme der Kraftwerksblöcke Niederaußem G und K sei weiter im Laufe des Wochenendes zu rechnen.
Entfallen die von RWE eingespeisten Mengen im Stromnetz für die Versorgung, können diese vom Übertragungsnetzbetreiber Amprion aus anderen Bereichen herangezogen werden. Die Stromversorgung war daher nicht beeinträchtigt.
In den vergangenen Monaten hatte es weitere Taten gegen die Strominfrastruktur gegeben. So zündeten im Januar mutmaßlich Linksextreme Starkstromleitungen nahe einem Kraftwerk im Südwesten Berlins an. Umspannwerke sind zentral für die Stromversorgung und gehören zu den empfindlichsten Punkten im Stromnetz.

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