194 Jahre alt und doch erstaunlich jung in den Zellen: Was Forscher bei Schildkröte Jonathan fanden
Studie über 194 Jahre alte Riesenschildkröte Jonathan zeigt Hinweise auf ungewöhnlich langsame Zellalterung
Stand: 08.10.2026, 14:04 Uhr
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Eine Studie untersucht, warum Riesenschildkröte Jonathan bereits 194 Jahre alt ist. Hinweise in seinen Zellen und Genen könnten eine Rolle spielen.
Nashville – Die Riesenschildkröte Jonathan ist schätzungsweise 194 Jahre alt und lebt auf der Insel St. Helena. Obwohl das Tier fast zwei Jahrhunderte überstanden hat, weisen bestimmte Bereiche seiner Zellen noch Merkmale auf, die sonst mit einem deutlich jüngeren Alter verbunden sind. Das zeigt laut EurekAlert! eine neue Studie, die im Fachjournal Science Advances veröffentlicht wurde.
Forscher der Vanderbilt University in Nashville, USA, untersuchten, wie Jonathans Gene reguliert werden und wie gut die für die Energieversorgung der Zellen wichtigen Mitochondrien funktionieren. Dabei fanden sie ungewöhnlich stabile Muster, die möglicherweise erklären könnten, warum die Schildkröte so außergewöhnlich alt geworden ist.
Zellen erstaunlich gut erhalten
Im Mittelpunkt der Untersuchung stand das sogenannte Epigenom. Dazu gehören chemische Markierungen auf der DNA, die beeinflussen, welche Gene aktiv sind, ohne die eigentliche Erbinformation zu verändern. Die Forscher untersuchten insbesondere, wie geordnet diese Markierungen in bestimmten DNA-Abschnitten angeordnet sind. Bei Jonathan waren laut Axios Bereiche, die an der Energieproduktion und der Verarbeitung genetischer Informationen beteiligt sind, ungewöhnlich gut erhalten.
Auch seine Mitochondrien, die Energie für die Zellen bereitstellen, zeigten eine Effizienz, die der eines 5-jährigen Tieres seiner Art entsprechen soll. Die Wissenschaftler vermuten, dass eine stabile Energieversorgung dazu beitragen könnte, wichtige Reparaturprozesse in den Zellen selbst im hohen Alter aufrechtzuerhalten.
287 besondere Genvarianten
Für die Studie verglich das Forschungsteam Jonathans Erbgut mit dem von vier weiteren Aldabra-Riesenschildkröten unterschiedlichen Alters. Darunter befand sich auch ein etwa 5-jähriges Jungtier. Die Forscher identifizierten bei Jonathan 287 besondere Genvarianten. Mehrere davon stehen mit Vorgängen in Verbindung, die für gesundes Altern wichtig sind. Dazu gehören die Reparatur beschädigter DNA, die Regulierung von Entzündungen, die Insulinsteuerung und die Abwehr von Krebs.
Außerdem besitzt Jonathan zusätzliche Kopien bestimmter Gene, die mit der Immunabwehr und der Beseitigung geschädigter oder ungewöhnlicher Zellen zusammenhängen. Zwölf seiner Genvarianten stimmen mit Einträgen in Datenbanken überein, die bereits mit außergewöhnlicher Langlebigkeit in Verbindung gebracht wurden.
DNA aus einem Wangenabstrich
Um Jonathans Erbgut zu untersuchen, mussten die Forscher eine schonende Methode finden. Eine Blutentnahme war bei dem alten Tier nicht erlaubt. Der Tierarzt Joe Hollins und seine Kollegen lockten die Schildkröte deshalb mit Futter an. Anschließend entnahmen sie mit einem Wattestäbchen vorsichtig Zellen aus ihrem Maul. Das gewonnene Material reichte aus, um sowohl das Erbgut als auch die chemischen Markierungen auf der DNA zu untersuchen.
Jonathan soll im Jahr 1832 geschlüpft sein. Als er 1882 von den Seychellen auf die Atlantikinsel St. Helena gebracht wurde, war er bereits ausgewachsen. Seit 144 Jahren lebt die Schildkröte auf der Insel. Heute befindet sich ihr Gehege beim Plantation House, der Residenz des Gouverneurs. Guinness World Records führt Jonathan als ältestes bekanntes Landtier der Welt. Seine geschätzten 194 Jahre liegen weit über der durchschnittlichen Lebenserwartung von Aldabra-Riesenschildkröten, die laut den Angaben bei etwa 80 Jahren liegt.
Jonathan hat inzwischen Katarakte und ist blind. Sein Gehör ist nach Angaben seiner Betreuer jedoch weiterhin ausgezeichnet. Insgesamt gilt er trotz seines hohen Alters als gesund. (Redaktion)