Studie zu KI am Arbeitsplatz: Wissensarbeiter durch Mehrarbeit belastet


Eine Umfrage zeigt: Viele Wissensarbeiter wünschen sich die Zeit vor KI zurück, da fehlerhafte Ergebnisse oft Mehrarbeit verursachen.

31. Juli 2026 um 08:31 Uhr / Nils Matthiesen

Wissensarbeiter leiden unter KI-Müdigkeit. (Symbolbild) (Bild: Tima Miroshnichenko / Pexels)

Wissensarbeiter leiden unter KI-Müdigkeit. (Symbolbild) Bild: Tima Miroshnichenko / Pexels

Akademische Berufe wie Ärzte, Ingenieure, Anwälte und Redakteure stehen vor Veränderungen durch den Einsatz künstlicher Intelligenz. Selbst Anthropic-Chef Dario Amodei warnt vor dem Verlust(öffnet im neuen Fenster) von Millionen gut bezahlten Arbeitsplätzen und prognostiziert eine mögliche Arbeitslosenquote von 10 bis 20 Prozent durch KI. Beschäftigte, die Werkzeuge wie ChatGPT bereits regelmäßig nutzen, äußern sich ebenfalls oft kritisch über diese Entwicklung(öffnet im neuen Fenster).

Verschiebung von Aufgabenbereichen

In einer Untersuchung wertete OpenAI(öffnet im neuen Fenster) mehr als 800.000 Nutzernachrichten aus. Die Daten belegen, dass Angestellte insbesondere in kleineren Betrieben zunehmend Tätigkeiten übernehmen, die außerhalb ihres eigentlichen Fachgebiets liegen.

Diese Verschiebung betrifft vorrangig den Kundendienst sowie den Designbereich, zeigt sich aber ebenso in den Abteilungen Personalwesen, Marketing und Recht. Die Forscher stellen fest, dass diese Veränderungen in den Nutzerdaten sichtbar würden, bevor sie in Stellenanzeigen auftauchten.

Eine Erhebung des Technologieberatungsunternehmens Adaptavist unter 2.500 Wissensarbeitern in mehreren Ländern, darunter 500 Personen aus Deutschland, verdeutlicht die Vorbehalte gegen KI(öffnet im neuen Fenster). Fast drei Viertel der deutschen Befragten wünschen sich die Zeit vor der breiten Verbreitung generativer KI zurück. 41 Prozent würden generative KI-Werkzeuge am liebsten komplett abschaffen.

Als Hauptursache nennen 45 Prozent der Teilnehmer den Aufwand mit minderwertigen KI-Ergebnissen, der die eigene Tätigkeit weniger sinnvoll und eher repetitiv erscheinen lässt. 37 Prozent beklagen einen Rückgang ihrer Motivation, während 25 Prozent Einschränkungen der eigenen Kreativität wahrnehmen.

Mehraufwand bremst Teams aus

Die versprochene Steigerung der Produktivität tritt im Arbeitsalltag häufig nicht ein; stattdessen führt der Einsatz der Programme oft zu Zusatzarbeit. In Deutschland wenden 39 Prozent der Befragten mehr Zeit für die Kontrolle und Überarbeitung von KI-Inhalten auf, als sie durch deren Nutzung einsparen. 42 Prozent berichten von einer Verzögerung ihrer Projekte durch fehlerhafte Ergebnisse, und 49 Prozent sehen die Gesamteffizienz ihres Teams beeinträchtigt. Gleichzeitig wächst der Leistungsdruck im maschinell unterstützten Arbeitsumfeld.

Obwohl viele Beschäftigte Symptome einer KI-Müdigkeit zeigen, lehnen sie die Technologie nicht durchgehend ab. So sprechen sich 67 Prozent der Befragten für einen erweiterten Einsatz von KI in ihrem Unternehmen aus. Neal Riley, AI Innovation Lead bei Adaptavist, führt diese Widersprüche auf ein Versäumnis der Firmen zurück: Viele Unternehmen erfassten vor allem reine Nutzungskennzahlen, anstatt die konkreten Auswirkungen auf die Arbeitsprozesse zu bewerten.