Mit Tarifvertrag: In diesen Branchen erhalten Auszubildende die höchste Vergütung
Die tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen steigen weiter, im Ausbildungsjahr 2025/26 um knapp 4 Prozent. Entsprechend gibt es nur noch sehr wenige Branchen, in denen Auszubildende im ersten Jahr laut Tarifvertrag weniger als 1000 Euro im Monat erhalten. Dies zeigt eine aktuelle Auswertung über 20 ausgewählte Tarifbranchen des Tarifarchivs des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung.
»Damit übertreffen die Ausbildungsvergütungen in den meisten Tarifbranchen den Bafög-Höchstsatz für Studierende«, sagt der Autor der Studie und Leiter des WSI-Tarifarchivs, Thorsten Schulten.
Schwieriger ist die Situation für die etwa 45 Prozent der Auszubildenden, die ihre Ausbildung in Betrieben ohne Tarifvertrag absolvieren. »Ohne Tarifvertrag erhalten Auszubildende oft deutlich niedrigere Vergütungen und müssen mitunter sogar mit der völlig unzureichenden Mindestausbildungsvergütung von derzeit 724 Euro im Monat auskommen«, so Schulten.
Die Ausbildungsvergütungen werden normalerweise im Rahmen der regulären Tarifverhandlungen zusammen mit den Entgelten der Beschäftigten verhandelt. Je nach Branche, Region und Ausbildungsjahr zeigen sich bei den tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen große Niveauunterschiede.
So liegen in den meisten der untersuchten Tarifbranchen die Vergütungen mittlerweile teils deutlich über 1000 Euro pro Monat. Lediglich in drei Tarifbranchen werden im ersten Ausbildungsjahr noch Vergütungen unterhalb dieser Grenze gezahlt. Dies betrifft die Landwirtschaft in den Bezirken Nordrhein (890 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (930 Euro), die Floristik in Westdeutschland (900 Euro) sowie das Friseurhandwerk in Nordrhein-Westfalen (785 Euro).
So viel verdienen Auszubildende je nach Branche
Die höchsten monatlichen Ausbildungsvergütungen von über 1200 Euro werden im ersten Ausbildungsjahr in den folgenden Branchen gezahlt:
Pflegeberufe im Tarifbereich des öffentlichen Dienstes bei Bund und Gemeinden mit bundeseinheitlich 1491 Euro und bei den Ländern mit 1441 Euro
Versicherungsgewerbe mit bundeseinheitlich 1455 Euro
Privates Bankgewerbe mit bundeseinheitlich 1400 Euro
Öffentlicher Dienst bei Bund und Gemeinden mit bundeseinheitlich 1368 Euro und bei den Ländern mit 1297 Euro
Deutsche Bahn AG mit bundeseinheitlich 1325 Euro
Metall- und Elektroindustrie in Baden-Württemberg mit 1304 Euro und in Sachsen mit 1272 Euro
Süßwarenindustrie in Ostdeutschland mit 1277 Euro und in Nordrhein-Westfalen mit 1201 Euro
Textilindustrie in Baden-Württemberg mit 1270 Euro
Kfz-Handwerk in Baden-Württemberg mit 1218 Euro
Chemische Industrie im Tarifbezirk Nordrhein mit 1204 Euro
In etwa der Hälfte der hier untersuchten Tarifbranchen liegt die Ausbildungsvergütung zwischen 1000 und 1200 Euro pro Monat. Dazu zählen das Backhandwerk, das Bauhauptgewerbe, die Druckindustrie, der Einzelhandel, das Gastgewerbe, die Gebäudereinigung, die Holz- und Kunststoffverarbeitende Industrie und das private Verkehrsgewerbe. Hinzu kommen die ostdeutschen Tarifgebiete der chemischen Industrie, der Textilindustrie und des Kfz-Handwerks.
Im Laufe des Ausbildungsjahres 2025/26 sind die untersuchten tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen im ersten Ausbildungsjahr um 3,9 Prozent gestiegen. Gegenüber dem vorherigen Ausbildungsjahr sind die Zuwächse in diesem Jahr wieder geringer ausgefallen. Die Ausbildungsvergütungen steigen aber weiterhin schneller als die regulären Tarifvergütungen der Beschäftigten.
Tarifliche Ausbildungsvergütungen stiegen deutlich schneller als Tariflöhne
In den vergangenen zehn Jahren sind die tariflichen Ausbildungsvergütungen in der Regel deutlich schneller gestiegen als die Tariflöhne. Während die Tariflöhne zwischen 2015 und 2025 um 35 Prozent zunahmen, erhöhten sich die durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen im gleichen Zeitraum um 47 Prozent. Im Jahr 2025 war die Diskrepanz besonders groß: Mit 6,7 Prozent verzeichneten die Ausbildungsvergütungen den stärksten Zuwachs der vergangenen 10 Jahre. Die Steigerung der Tariflöhne fiel mit 2,6 Prozent im selben Jahr deutlich geringer aus.