Taliban inszenieren fünften Jahrestag ihrer Machtübernahme


In Afghanistan haben die radikalislamischen Taliban den fünften Jahrestag ihrer erneuten Machtübernahme gefeiert. Zahlreiche Menschen versammelten sich in der Hauptstadt Kabul auf einem Platz neben der ehemaligen US-Botschaft. Sie schwenkten dabei die weißen Flaggen des Taliban-Regimes. Männer mit Stirnbändern fuhren auf Dutzenden dekorierten Fahrzeugen und Motorrädern um den Platz, während Sicherheitskräfte mit Sturmgewehren in der Menge standen.

Militärhubschrauber überflogen Kabul und warfen Blumen ab, wie in einem TV-Bericht zu sehen war. In einem Konvoi wurden einige von ausländischen Streitkräften zurückgelassene Fahrzeuge präsentiert. Medienberichte zeigten auch Zeremonien und Autokorsos in anderen Landesteilen.

Afghanistan Kabul 2026 | Zahlreiche Delegierte in der Großen Versammlungshalle
In der Großen Versammlungshalle von Kabul kamen am Samstag zahlreiche Delegierte zusammen - ausschließlich MännerBild: Siddiqullah Alizai/AP Photo/picture alliance

"Heute sind die Weltanschauungen und Werte der afghanischen Regierung und der Nation miteinander im Einklang", erklärte Außenminister Amir Khan Muttaki. Regierungssprecher Sabihullah Mudschahid meinte, der Tag der Machtübernahme 2021 werde "mit goldenen Zeilen in der Geschichte Afghanistans geschrieben werden."

Auf neuen Wandbildern in Kabul ist zu lesen: "Unabhängigkeit ist ein Zeichen von Würde, Stolz und Identität."

Drakonische Gesetze im Namen des Islam

Nach jahrelanger westlicher Militärpräsenz hatten die Taliban am 15. August 2021 die Macht in Afghanistan zurückerobert und ein "Islamisches Emirat" ausgerufen. Seither setzen sie ihre strenge Auslegung des Islam mit drakonischen Gesetzen durch.

Frauen treffen diese besonders hart: Sie müssen sich außerhalb des Hauses nahezu vollständig verhüllen und haben keinen Zugang zu vielen öffentlichen Orten. Mädchen dürfen nur bis zum Alter von zwölf Jahren zur Schule gehen.

Afghanistan Kabul 2023 | Frauen warten auf Lebensmittelverteilung unter Taliban-Bewachung
Afghanische Frauen - hier an einer Verteilstelle für Lebensmittel 2023 - wurden weitgehend entrechtetBild: Ebrahim Noroozi/AP Photo/picture alliance

Zuvor hatte nach den Anschlägen der Terrorgruppe Al-Kaida vom 11. September 2001 eine internationale Koalition Krieg gegen die Taliban geführt, die damals zum ersten Mal das Land beherrschten. Ihnen wurde vorgeworfen, Al-Kaida-Kämpfer zu beherbergen.

Allein die Streitkräfte der USA verloren in den Jahren bis 2021 am Hindukusch mehr als 2300 Soldaten. Die Bundeswehr beklagte insgesamt 59 Opfer. Schätzungen gehen davon aus, dass in dem knapp zwanzigjährigen Krieg mehr als 46.000 Zivilisten und fast 70.000 afghanische Sicherheitskräfte getötet wurden.

"Dramatische Situation" in Afghanistan

Afghanistan durchläuft heute eine schwere humanitäre Krise - der Zugang zu internationalen Hilfsmitteln ist auch wegen der Taliban-Herrschaft stark begrenzt. Nach Angaben der Deutschen Welthungerhilfe ist fast die Hälfte der Bevölkerung dringend auf humanitäre Unterstützung angewiesen.

Fast 17 Millionen Menschen litten unter akutem Hunger, darunter 3,7 Millionen Kinder, sagte die Regionaldirektorin der Welthungerhilfe für Asien, Elke Gottschalk. "Die Situation ist wirklich dramatisch." 

Belgien Brüssel 2026 | Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan
Will den Menschen in Afghanistan helfen: Bundesministerin Reem Alabali Radovan (SPD)Bild: Michael Brandt/dpa/picture alliance

Bundesentwicklungsministerin Reem Alabali Radovan versicherte: "Wir lassen die Menschen in Afghanistan nicht allein." Deutschland helfe "sehr gezielt dort, wo unsere Unterstützung die Menschen auch wirklich erreicht, besonders Frauen und Mädchen." Die Sozialdemokratin schränkte allerdings ein, "dass eine normale Entwicklungszusammenarbeit unter der Herrschaft der Taliban nicht möglich ist".

Die deutsche Regierung erkennt die Taliban-Regierung zwar nicht an, unterhält aber "technische Kontakte" zu ihr, um Menschen nach Afghanistan abschieben zu können. Berlin lasse "Schutzsuchende im Stich und hofiere ein radikalislamistisches Regime, um Abschiebungen um jeden menschenrechtlichen Preis durchzusetzen", kritisierte die Menschenrechtsorganisation Pro Asyl.

wa/haz (afp, dpa, epd)

Afghanistan: Ex-Botschafterin kämpft weiter für Frauenrechte

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