Deutschland zahlt drauf: Warum der Sprit in den Nachbarländern viel günstiger ist
Tanken in Nachbarländern viel billiger: Warum deutsche Autofahrer beim Sprit draufzahlen
Stand: 18.09.2026, 22:17 Uhr
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Die Spritpreise in Deutschland erreichen Rekordwerte. In Luxemburg und Belgien tanken Autofahrer deutlich günstiger. Ein Grenzstopp kann sich lohnen.
Berlin – Wer in diesen Tagen in Deutschland tanken muss, schaut meist zweimal auf die Anzeige an der Zapfsäule. Der Iran-Krieg und die damit verbundenen Spannungen rund um die Straße von Hormus, eine der wichtigsten Öltransportrouten der Welt, haben die weltweite Kraftstoffversorgung ins Wanken gebracht. Das bekommen Autofahrer nun direkt an der Tankstelle zu spüren.

Am 14. September 2026 kostete ein Liter Super E5 im bundesweiten Tagesdurchschnitt 2,36 Euro, wie das Statistische Bundesamt unter Berufung auf Zahlen der Europäischen Kommission mitteilt. Das waren 1,3 Prozent mehr als in der Woche zuvor. Beim Diesel fiel der Anstieg mit 4,3 Prozent noch deutlicher aus, der Literpreis lag bei 2,43 Euro. Wer in einer Grenzregion wohnt oder ohnehin oft ins Ausland fährt, findet derzeit an anderer Stelle spürbar günstigere Preise.
Spritpreise im Europavergleich: Luxemburg zeigt den größten Preisunterschied
Unter den direkten Nachbarländern Deutschlands ist Luxemburg am günstigsten. Mit 1,79 Euro pro Liter Benzin fällt der Preisvorteil, mit einem Abstand von mehr als 50 Cent zum deutschen Preis, deutlich aus. Grund dafür ist keine geheime Preispolitik. Der luxemburgische Staat legt alle paar Wochen einen einheitlichen Höchstpreis fest, praktisch alle Tankstellen im Land verlangen dann exakt diesen Preis.
Im Grenzort Wasserbillig, direkt gegenüber von Rheinland-Pfalz, reiht sich eine Tankstelle an die nächste. Diesel kostete dort zuletzt rund 2,12 Euro pro Liter, E10 etwa 1,79 Euro, rund zehn Kilometer weiter in Trier lagen die Preise teils mehr als 40 Cent pro Liter höher. Für Pendler und Urlauber, die ohnehin durch Luxemburg fahren, kann sich ein kurzer Tankstopp also spürbar lohnen, zumal auch geringere Steuern auf Kraftstoff im Großherzogtum den niedrigen Preis mit erklären.
Auch in Belgien begrenzt ein staatlicher Mechanismus die Preise. Anders als in Luxemburg wird der Höchstpreis dort täglich neu berechnet, und zwar von der Generaldirektion Energie des belgischen Wirtschaftsministeriums auf Basis internationaler Marktpreise. Benzin ist in Belgien aktuell oft 20 bis 30 Cent pro Liter günstiger als in Deutschland. Auch die Zahlen des Statistischen Bundesamts bestätigen das Bild: Dort liegt der Dieselpreis in Belgien am 14. September bei 2,29 Euro. Die Regelung Belgiens hat Tradition, sie wurde bereits 1974 nach der ersten Ölkrise eingeführt.
Der Iran-Krieg als Preistreiber: Frankreich setzt auf einen freiwilligen Deckel
In Frankreich gibt es keinen staatlich festgelegten Höchstpreis für Benzin oder Diesel, Tankstellen bestimmen ihre Preise grundsätzlich frei. Trotzdem existiert auch dort ein Preisdeckel, allerdings nur bei einem großen Anbieter. Der Mineralölkonzern TotalEnergies begrenzt seine Preise derzeit freiwillig auf 1,99 Euro pro Liter Benzin und 2,25 Euro pro Liter Diesel. In Grenzregionen wie dem Elsass und dem Département Moselle ist Sprit häufig etwas günstiger als auf deutscher Seite, wer aber nur zum Tanken über die Grenze fährt, verliert den Vorteil schnell durch zusätzliche Kilometer.
Warum die Preise gerade jetzt so hoch sind, erklärt eine Kurzstudie des Fraunhofer-Instituts. Demnach hat die Iran-Hormus-Krise 2026 zum bislang größten globalen Ausfall der Ölversorgung geführt. Die Förderkürzungen der Golfstaaten stiegen laut den Autoren im Mai auf mehr als 14 Millionen Barrel pro Tag. Trotz dieser Zuspitzung liegen die heutigen Rohölpreise real deutlich unter den Extremwerten der Ölpreisschocks der 1970er- und 1980er-Jahre. Eine von der Internationalen Energieagentur koordinierte Freigabe strategischer Ölreserven habe zur Marktberuhigung beigetragen, auf Deutschland entfiel dabei ein Anteil von 19,51 Millionen Barrel. Experten sind sich aber einig, dass die hohen Energiepreise sich erst bis Ende 2027 beruhigen könnten.
Deutschland gibt im EU-Vergleich wenig für Entlastung aus
Die EU-Mitgliedstaaten reagierten mit Krisenmaßnahmen im Umfang von über 11 Milliarden Euro. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt gab Deutschland dabei mit 0,04 Prozent deutlich weniger aus als der EU-Durchschnitt von 0,13 Prozent. Zentrales deutsches Instrument war der befristete Tankrabatt, eine Absenkung der Energiesteuer um 14,04 Cent je Liter, die zusammen mit Effekten auf die Umsatzsteuer eine Gesamtentlastung von rund 16,7 Cent je Liter ergab. Laut einer Studie des ifo-Instituts wurde diese Steuersenkung überwiegend, aber nicht vollständig weitergegeben. Im Mai 2026 kamen im Schnitt 16 Cent je Liter Super E5 und 12 Cent je Liter Diesel bei den Verbrauchern an.
Neben dem Tankrabatt gilt seit dem 1. April 2026 in Deutschland das Kraftstoffanpassungsgesetz mit seiner sogenannten 12-Uhr-Regel. Sie beschränkt Preiserhöhungen an Tankstellen auf einen einzigen täglichen Zeitpunkt, während Preissenkungen jederzeit möglich bleiben. Laut einer Auswertung des Bundeskartellamts wurde das Transparenzziel erreicht. Tankstellen passten ihre Preise vor der Reform bis zu 20-mal täglich an, danach blieb nur noch ein Anpassungszeitpunkt übrig. (Quellen: Statistisches Bundesamt, Fraunhofer Institut, ifo-Institut, Bundeskartellamt, Eurostat, Deutscher Bundestag)(ls)