Täuschung und Überdosierung beim Vitamindrink: Die „dreisteste Werbelüge“ des Jahres 2026


Täuschung und Überdosierung: Verbraucherschützer küren „dreisteste Werbelüge“

Stand: 14.07.2026, 21:45 Uhr

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Nahrungsergänzung boomt: Ein „Saubertrank“ für 100 Euro pro Liter gewinnt den Goldenen Windbeutel 2026. Was der Hersteller verspricht – und was Verbraucherschützer bemängeln.

Berlin/Landshut – Ein Getränk, das „fit fürs Leben“ machen soll, aber vor allem den Umsatz stärkt: Für sein Mikronährstoffkonzentrat LaVita kassiert ein bayerisches Unternehmen nun den „Goldenen Windbeutel“ 2026. Der Preis pro Liter: beeindruckende 100 Euro – gesünder wird dabei offenbar vor allem die Marge.

„Gewinner“ des diesjährigen „Goldenen Windbeutels“: das Vitamingetränk des Herstellers LaVita

„Gewinner“ des diesjährigen „Goldenen Windbeutels“: das Vitamingetränk des Herstellers LaVita. © Foodwatch/Hannes Rolfs/Imago; Bildmontage: IPPEN.MEDIA

In einer Onlineabstimmung von Foodwatch stimmten 39 Prozent von gut 66.000 Teilnehmenden dafür, LaVita zur „dreistesten Werbelüge“ des Jahres zu küren. Der Negativpreis zeigt nach Angaben der Verbraucherorganisation, wie leicht sich Gesundheitsversprechen in bares Geld verwandeln – solange es bei der Aufsicht Defizite gibt.

Goldener Windbeutel 2026: LaVita als teurer Saubertrank

Laut Foodwatch besteht LaVita zu etwa 70 Prozent aus Fruchtsaftkonzentrat, dazu kommen 26 isolierte Vitamine und Nährstoffe, die „teilweise überdosiert“ sind. Trotzdem preist LaVita das Konzentrat als „Saubertrank“, „Naturprodukt“ und „tägliche Basis unserer Gesundheit“ an. Nun bekommen die Macher für das Produkt den „Goldenen Windbeutel“ des Jahres 2026 serviert.

Für eine Halbliterflasche werden rund 50 Euro fällig, also etwa 100 Euro pro Liter – ein Preisniveau, das sonst eher Jahrgangswein als Fruchtsaftextrakt erreicht. Aus ökonomischer Sicht wird hier weniger Gesundheit verkauft als Storytelling: Die Werbelüge als eigentlicher Wertschöpfungsfaktor, der den Abstand zu normalem Saftpreis dramatisch vergrößert. Im vergangenen Jahr wurde eine Schoko-Mogelpackung geehrt.

Werbelüge mit System: Foodwatch über den Markt der Vitaminzusätze

„LaVita kassiert Verbraucher:innen mit dem Wunsch nach Gesundheit kräftig ab“, sagt Alina Nitsche von Foodwatch in einer Mitteilung. „Der Saft steht beispielhaft für die Abzocke mit irreführenden Gesundheitsversprechen.“ Die Organisation kritisiert, dass der Markt für Vitaminzusätze einerseits boomt, aber andererseits kaum kontrolliert werde – ein idealer Nährboden also für übertriebene und unwahre Werbeversprechen.

„Bund und Länder müssen die Lebensmittelüberwachung endlich so ausstatten, dass sie Verbrauchertäuschung stoppen kann“, fordert Foodwatch. Solange Kontrollen rar und Sanktionen überschaubar bleiben, lohnt sich die Werbelüge betriebswirtschaftlich: Unternehmen wie LaVita können hohe Preise durchsetzen, während mit „Ehrungen“ wie dem „Goldenen Windbeutel“ immerhin der öffentliche Druck auf die Branche steigt.

Hochpreisig und überdosiert: LaVita nimmt Stellung zu Vorwürfen

Gegründet wurde das Unternehmen LaVita aus Kumhausen bei Landshut (Niederbayern) 1999 vom früheren Eishockey-Nationalspieler Gerd Truntschka. Aus sportlicher Glaubwürdigkeit und dem Versprechen „tägliche Basis unserer Gesundheit“ wurde ein wohl profitables Nahrungsergänzungs-Business. Der ökonomische Kern: Wert entsteht weniger durch Inhalt, mehr durch Image – mit fragwürdigem Nutzen für Verbraucher und Verbraucherinnen.

Auf eine Anfrage der Nachrichtenagentur AFP reagierte LaVita zunächst nicht, mittlerweile wurde jedoch eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht. Dort wird zur Preispolitik Stellung bezogen und auch der vermeintlichen Überdosierung. Nach Angaben von Foodwatch will das Unternehmen den Slogan „Fit fürs Leben“ erneut rechtlich prüfen lassen und hat die Werbung mit dem Begriff „Saubertrank“ gestoppt.

Diese Unternehmen schrammen knapp am „Goldenen Windbeutel” vorbei

Die wenig ehrenhafte Auszeichnung der Organisation Foodwatch richtet den Scheinwerfer nicht nur auf LaVita: Auf Platz zwei landet das „Airfryer Backin Backpulver“ von Dr. Oetker, das als Innovation für die Heißluftfritteuse beworben wird, sich aber offenbar nicht vom deutlich günstigeren Standardbackpulver unterscheidet – eine Werbelüge mit eingebauter Aufpreis-Garantie.

Knapp dahinter folgt der Joghurt Matcha Mango von Andechser Natur: Der Namensgeber Matcha macht laut Foodwatch nur 0,1 Prozent aus, für die grüne Farbe sorgt derweil auch Spirulina (Gattung von Cyanobakterien). Dazu kommen die „Oh Yeah Bear Libido“ von Beautybears („Für die Libido etwa so hilfreich wie Haribos – dafür 27-mal so teuer.“) und Airwaves Cool Cassis von Mars, wo zwei Kaugummis weniger bei fast gleichem Preis im Pack landen.

Bald kommt die Zuckersteuer auf Softdrinks – diese Getränke sind günstige Alternativen. (Quellen: Foodwatch, AFP, Mittelbayerische.de, eigene Recherche)