„Wofür soll man sich anstrengen?“ Schrauben-Milliardär Würth will Deutschlands Problem kennen


Stand: 14.07.2026, 21:41 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Reinhold Würth ist seit fast 80 Jahren auf dem Arbeitsmarkt aktiv. Eine Entwicklung in Deutschland gefällt dem „Schrauben-König“ gar nicht.

Künzelsau – Wenn Reinhold Würth auf Deutschland schaut, bekommt er Sorgenfalten. Und das eben auch wegen des Wohlstands im Land, wie der schwäbische Unternehmer betont. Denn in der Bundesrepublik müsse niemand frieren oder hungern – und dies führe zu Sorglosigkeit und weniger Engagement. Für Würth birgt der aktuelle Status daher eine große Gefahr.

Mann genießt Sonnenbad, Reinhold Würth hält sich rechte Hand an den Kopf

Wo soll das nur enden? „Schrauben-König“ Reinhold Würth hält den Wohlstand in Deutschland für tückisch und vermisst die einstige Arbeitsmoral. © picture alliance/dpa | Thomas Warnack, picture alliance/dpa | Bernd Weißbrod

„Die Hälfte des Bundes- und wahrscheinlich auch der Landeshaushalte geht für Soziales ins Volk. Da hat sich eben im Lauf der Jahrzehnte rausgebildet: Für was soll ich mich anstrengen? Der Leistungsgedanke ist verlorengegangen“, moniert der 91-Jährige im Gespräch mit der Pioneer Akademie. Ein kurzer Ausschnitt wurde bereits im Morning Briefing von The Pioneer veröffentlicht.

Würth kritisiert Arbeitsmoral in Deutschland: „Habe Arbeit immer als Hobby gesehen“

Der als „Schrauben-König“ bekannt gewordene Würth selbst befindet sich nach eigenen Angaben in seinem 77. Arbeitsjahr, was rekordverdächtig klingt. Doch allzu hoch will er diese Zahl gar nicht hängen, denn sein Vorteil sei, „dass ich die Arbeit immer als Hobby gesehen habe“.

1954 übernahm er mit dem Tod seines Vaters das Schrauben-Unternehmen Würth in zweiter Generation und zählt längst zu den reichsten Deutschen. Aber in den ersten Jahren seines Lebens musste er auch die Schrecken des Krieges durchstehen. Dass es danach so schnell bergauf ging mit dem am Boden liegenden Land, hänge nicht zuletzt mit der damaligen Aufbruchsstimmung zusammen.

Seinerzeit hätten die Menschen danach gestrebt, sich ein Fahrrad, ein Auto oder ein Haus zu kaufen. Außerdem sei für Urlaube im Schwarzwald oder im Harz gespart worden. An Reisen nach Bali oder an die Copa Cabana habe noch niemand denken können.

Warnung trotz Wohlstand in Deutschland: „Frieden wird gar nicht mehr als Wert betrachtet“

Heute sind die Ziele andere. Und der Fokus völlig anders ausgerichtet. Würth aber stellt fest: „Was die heutige Bevölkerung gar nicht zu schätzen weiß: Frieden ist unser christlichstes Gut. Das höchste Glück, was wir überhaupt haben können. Da spielt das Geld überhaupt keine Rolle. Frieden, das wird gar nicht als Wert betrachtet, das ist selbstverständlich. Das ist es aber nicht, wenn wir in die heutige Zeit schauen.“

Gemeint ist wohl der seit mehr als vier Jahren laufende Ukraine-Krieg, in dem nicht nur das überfallene Land, sondern auch Aggressor Russland einen enorm hohen Preis gezahlt hat. Hinzu kommt der Nahost-Krieg, den die USA und Israel am 28. Februar gegen den Iran begannen und der nach monatelangen Verhandlungen nun wieder eskaliert ist.

Arbeiter in einem Lager zwischen Kisten

Blick in ein Würth-Lager: Das Unternehmen aus dem schwäbischen Künzelsau zählt zu den internationalen Marktführern in der Befestigungs- und Montagetechnik. © picture alliance/dpa | Marijan Murat

Würth nutzt die Gelegenheit, um seinen weitgehend unbekümmerten Landsleuten ins Gewissen zu reden. „Dieser Mehltau, der über dem ganzen Land strebt, ist die Wirkung dessen, dass im Grunde alles da ist, was man braucht“, warnt der Milliardär.

Deutschland vor dem Abstieg? Vor Würth warnte auch schon das ifo Institut

Und weiter: „Die Menschen müssen begreifen: Der Wohlstand, der Zustand, in dem wir sind, der kommt nicht vom Himmel geflogen. Wir müssen uns im Klaren sein, wir müssen die Ärmel hochkrempeln und müssen uns einsetzen.“ Sein Credo also: Die Arbeitsmoral im Land muss sich schleunigst ändern. Da liegt Würth auf einer Wellenlänge mit Bundeskanzler Friedrich Merz, der für einige seiner zurechtweisenden Aussagen in Richtung Bevölkerung aber auch viel Kritik einstecken musste.

Was den Wohlstand in Deutschland betrifft, kam zuletzt auch eine Studie des ifo Instituts im Auftrag der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) zu dem Schluss, dass der weiteren Entwicklung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte. Spätestens seit dem Jahr 2020 sei bei mehreren Wohlstandsindikatoren ein Rückgang oder zumindest eine Stagnation zu erkennen, hielt ifo-Präsident Clemens Fuest fest.

Er empfiehlt tiefgreifende Reformen. Denn ansonsten bestünde „die Gefahr, dass der Wohlstand in Deutschland verfällt oder die deutsche Bevölkerung von der weltweiten Wohlstandsentwicklung abgekoppelt wird“. Auch Sarah Necker, Leiterin des ifo Ludwig Erhard Zentrums für Soziale Marktwirtschaft und Institutionenökonomik, erwähnte, dass „Indikatoren wie BIP pro Kopf, BIP-Wachstum, Lebenszufriedenheit und Lebenserwartung auf einen Rückgang“ hindeuten würden. Würth hat diese Studie womöglich auch vernommen. Und daher den Finger jetzt ebenfalls in die Wunde gelegt. (Quellen: The Pioneer, ifo Institut) (mg)