Auftragsmord wie im Videospiel: Foxtrott-Netzwerk rekrutiert Teenager als Killer


Publiziert2. August 2026, 18:02

Wie im VideospielTeenager als Auftragskiller: So agiert das Foxtrot-Netzwerk

Ein 18-jähriger Norweger wird in England festgenommen. Zuvor erhielt er Koordinaten zu Waffen- und Geldverstecken. Damit sollte er jemanden ermorden. Das Beispiel zeigt das perfide Vorgehen des Foxtrot-Netzwerks.

Simon Misteli

Darum gehts

Johannes Natland ist ein 18-jähriger Norweger. Durch die App «Signal» erhielt der Sohn zweier Journalisten von «Agent 47» ein Flugticket nach Manchester. Dort angekommen schickte ihm «1» eine Landkarte, auf der Waffen- und Geldverstecke eingezeichnet waren.

«Agent 47» ist der Name des Protagonisten im Videospiel «Hitman» – ein Auftragskiller. Auch Natland sollte ein Auftragskiller werden. Sein Auftrag lautete «Killing in England 270K». Von den 270'000 Kronen (rund 23'000 Franken) wird Natland nichts sehen. Noch bevor er den Mord ausführen konnte, wurde er festgenommen. Am Mittwoch wurde er verurteilt, wie die BBC berichtet. Das genaue Strafmass ist noch nicht bekannt.

Gewalt als Dienstleistung

Angeheuert wurde Natland von einem 16-Jährigen, der online mit dem Pseudonym «Generalen» aktiv ist. Neben Natland heuerte «Generalen» einen 15-Jährigen und einen 17-Jährigen an, um den Sohn (14) eines norwegischen Polizisten zu ermorden. Der 15-Jährige informierte jedoch die Polizei. Bei der Festnahme fanden die Ermittler auf «Generalens» Handy Details zu Natlands Auftrag. So konnte Natland rechtzeitig überführt werden. Der 18-Jährige hat nie erfahren, wen er ermorden sollte.

«Hitman», «Generalen» und «1» arbeiten für das international tätige kriminelle Netzwerk Foxtrot. Foxtrot begann als kriminelle Bande in Schweden. Heute ist das Netzwerk für seine «Violence-as-a-Service»-Taktik (VaaS) bekannt. Die Bande rekrutiert Teenager, die die Anschläge gegen Bezahlung ausführen sollen. Europol spricht von einer «Gamifikation», der Aufträge, also einer Darstellung von echten Morden als Missionen in einem Videospiel. Das versprochene Geld wird jedoch fast nie ausgezahlt, da die Täter oft gefasst werden.

Die Iran-Verbindung

Seit spätestens 2023 wird Foxtrot vom iranischen Regime benutzt, um in Europa Aufträge in seinem Sinne durchzuführen. 2023 ist der Bandenchef von Foxtrot nach Teheran geflohen. Seither wird Foxtrot für 35 Morde sowie eine Reihe von Anschlägen und Anschlagsversuchen auf israelische Ziele in Europa verantwortlich gemacht.

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Diamant Salihu, ein investigativer Journalist des schwedischen Senders SVT, recherchiert seit drei Jahren über das Foxtrot-Netzwerk und dessen Verbindungen zum Iran. «Er (Bandenchef Rawa Majid) musste einen Deal eingehen, um im Iran frei leben zu können», erklärt Salihu. «Das Regime weist den Anführer des Foxtrot-Netzwerks an, sein Netzwerk dazu anzustiften, Anschläge gegen die Feinde des iranischen Regimes zu verüben».

280 Festnahmen seit 2025

Im April 2025 gründete die Europol die Operational Taskforce (OTF) GRIMM. Sie ist damit beauftragt, gezielt gegen die VaaS-Taktik vorzugehen. Es sind elf Länder beteiligt, die vom VaaS-Phänomen betroffen sind – Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Deutschland, Island, die Niederlande, Norwegen, Spanien, Schweden und das Vereinigte Königreich.

Seit der Gründung hat die OTF GRIMM mehr als 280 Festnahmen vorgenommen, darunter auch einige Hauptverdächtige. Der bedeutendste Erfolg ist wohl Ali Shehad Ahmed, der beschuldigt wird, «Agent 47» zu sein und Majid nahezustehen. Er wurde in der kurdischen Stadt Sulaymaniyah im Irak festgenommen und ist derzeit Gegenstand eines Auslieferungsersuchens nach Schweden.

Ob die bisherigen Festnahmen die Operation von Foxtrot einschränken, ist nicht klar. Auch falls sie dies tun sollten, ist die Gefahr von VaaS nicht gebannt. Andere Gruppen, wie zum Beispiel Foxtrots Konkurrent, das Dalen Netzwerk, haben die Taktik mittlerweile übernommen.

Simon Misteli

Simon Misteli (sim), Jahrgang 1995, arbeitet seit 2024 als Redaktor am Newsdesk. Dabei schreibt er über verschiedenste Themen mit einem Fokus auf Auslandsgeschichten.

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