Temperaturen über 40 Grad: Hitzewelle tötete fast 6.000 Menschen in Frankreich – auch Grand Est stark betroffen


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Temperaturen über 40 Grad Hitzewelle tötete fast 6.000 Menschen in Frankreich – auch Grand Est stark betroffen

Paris/Metz/Saarbrücken · Zwei besonders tödliche Wochen in Frankreich: Die erste Hitzewelle dieses Sommers hat fast 6.000 Menschen das Leben gekostet. Außer Paris war auch die Region Grand Est nahe dem Saarland stark betroffen. Die Übersterblichkeit traf auch Jüngere.

03.08.2026 , 13:37 Uhr

Die Hitze irgendwie draußen halten: Frankreich ächzte zwei Wochen unter einer lebensbedrohlichen Hitzewelle. In Paris und in der Region Grand Est kosteten die extremen Temperaturen im Juni wohl mehr als 2.000 Menschenleben.

Foto: AFP/JOEL SAGET

Die erste Hitzewelle dieses Sommers hat in Frankreich wohl 5.764 Menschen das Leben gekostet. Als in Frankreich Hitzerekorde gebrochen und vielfach Temperaturen über 40 Grad erreicht wurden, lag die Sterblichkeit um 36 Prozent höher als üblich. Die staatliche Gesundheitsbehörde Santé publique France beruft sich auf vorläufige Daten und vermeldet eine deutliche Übersterblichkeit für die Zeit zwischen dem 17. Juni und dem 2. Juli. Während der Extremhitze im Juni sind auch im Saarland mehr Menschen gestorben als sonst. Hier erwies sich die Kalenderwoche 26, zwischen 22. Juni und 28. Juni, als die „tödlichste“ seit mindestens dem Jahr 2000 (wir berichteten).

Übersterblichkeit trifft nicht nur Menschen ab 75 Jahren

In Frankreich traf die Übersterblichkeit viele Ältere. Auf Menschen im Alter von 75 Jahren und älter entfielen zwei Drittel der zusätzlichen Todesfälle (3.719 Todesfälle aller Ursachen). Unter den 45- bis 64-Jährigen gab es 979 zusätzliche Todesfälle – ein Anstieg von 55 Prozent gegenüber der Sterblichkeit, die für den Zeitraum sonst zu erwarten war. Bei den 15- bis 44-Jährigen lag der Anstieg bei knapp 30 Prozent, was 118 zusätzlichen Todesfällen entsprach.

Den stärksten Anstieg zusätzlicher Todesfälle gab es mit einem Plus von 81 Prozent im Großraum Paris (1.999 zusätzliche Todesfälle aller Ursachen). Der ans Saarland angrenzende Grand Est ist mit zusätzlichen 635 Todesfällen unter den besonders betroffenen Regionen – ein Anstieg von mehr als einem Drittel (39 Prozent).

41 Grad im Elsass gemessen

Die Übersterblichkeit lasse sich zwar noch nicht mit Sicherheit auf die Hitze zurückführen, teilt Santé publique France mit. Aber sie fällt in den Zeitraum 18. bis 29. Juni. Zu dieser Zeit galten in der Region Grand Est die Warnstufen Rot und Orange und wurden Temperaturrekorde gebrochen. Als heißester Tag gilt Samstag, 27. Juni, als in Colmar 41 Grad gemessen wurden, in Metz-Frescaty 40,6 Grad und in Nancy-Essey 40,4 Grad.

Auch in Deutschland kam es zu mehr hitzebedingten Sterbefällen. Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) kostete die Hitzephase zwischen Mitte und Ende Juni rund 5.100 Menschen das Leben. Für das Saarland schätzt das RKI die Zahl in seinem Monitoring der hitzebedingten Mortalität auf 150 Menschen. Mehr als doppelt so viele Hitzetote wie im gesamten Vorjahr (70), so das Institut. Das RKI merkt aber auch an, dass zwar vereinzelt die Hitzeeinwirkung direkt zum Tod geführt habe, etwa bei Hitzeschlag, in den meisten Fällen aber die Kombination aus Hitzeexposition und Vorerkrankungen.

Hitzewelle war kürzer als 2003

In Frankreich stieg während der ersten Hitzeperiode im Juni die Zahl der Todesfälle in allen Arten von Einrichtungen an. Von den insgesamt 21.674 Todesfällen, die in dem Zeitraum verzeichnet wurden, ereigneten sich 46 Prozent in Krankenhäusern, 34 Prozent zu Hause und 16 Prozent in Alten- und Pflegeheimen.

Die sogenannte Übersterblichkeit macht die Auswirkungen der Hitzewelle deutlich. Aber: Sie reicht nicht an die Hitzewelle von 2003 heran, die mit rund 15.000 Toten für Frankreich traumatisch war. Allerdings dauerte die Hitzephase im Sommer 2003 ganze drei Wochen, in diesem Frühsommer waren es 16 Tage. In der Folge der Hitzewelle von 2003 führte das Land den vierstufigen plan canicule ein und baute die Gesundheitsprävention bei Hitzeperioden deutlich aus. Beispielsweise öffnen Kommunen klimatisierte Räume zum Abkühlen und schauen besonders nach älteren Menschen, vor allem wenn diese alleine wohnen.

Um die Übersterblichkeit in Frankreich zu erfassen, wurden beobachtete und erwartete Gesamtmortalität verglichen – auf Basis einer Stichprobe von 5.000 Standesämtern, die 84 Prozent der Sterbefälle berücksichtigt. Die Gesundheitsbehörde spricht daher von einer Schätzung. Damit geben die Daten weniger Aufschluss über Hitzetote als über die Übersterblichkeit während der Hitzeperiode. Genutzt wird ein statistisches Modell, das Daten aus sechs Jahren, den allgemeinen Trend und saisonale Schwankungen berücksichtigt – und Zeiträume mit Extremereignissen wie Epidemien ausschließt. (lck)

Hier kann man sich in Frankreich abkühlen: Eine Karte für das ganze Land mit Suchfunktion ist abrufbar unter https://bat-clim.web.app/. Sie zeigt klimatisierte und für die Öffentlichkeit zugängliche Gebäude (grün markiert).