PlayInsight aus Jena: Start-up entwickelt Lernspiele für Schulen
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Serious Games
Lernen leicht(er) gemacht: Thüringer Start-up setzt auf interaktive Lernwelten
Stand: 18.09.2026 18:12 Uhr
Mit interaktiven Lernwelten will das Thüringer Start-up-Unternehmen "PlayInsight" Unterricht neu denken. Die Gründer setzen dabei auf Serious Games, die Wissen und Spiel gleichermaßen miteinander verbinden.
von Sarah Reumschüssel, MDR THÜRINGEN
- Das Jenaer Start-up "PlayInsight" entwickelt digitale Lernspiele für Schulen.
- Lehrkräfte können die Lernwelten ausprobieren und eigene Vorschläge einbringen.
- In Thüringen wurden im vergangenen Halbjahr 18 Start-ups gegründet, im Vergleichszeitraum zuvor waren es elf.
Tablet raus, Spielfigur benennen und dann geht es auch schon los. Auf dem jährlichen Vernetzungstreffen der Jenaer Schulen schlüpfen die Lehrerinnen und Lehrer in die Rolle ihrer Schüler. Von gemeinsam genutzten Feldern ernten sie Ressourcen, wie Wasser oder Getreide, am Rand bleiben nur wenige Sekunden, um sich untereinander abzustimmen. Was bleibt, wächst nach. Ein leeres Feld bleibt leer. Die zentrale Frage: individueller Gewinn oder kollektive Verantwortung?
Ich habe kein einziges Mal ein Lernspiel während meiner Schulzeit gespielt und ich hätte es mir so sehr gewünscht. Joel Kessler, "PlayInsight"-Gründer
"Meins-Deins-Alle" - das ist die digitale Lernwelt, die heute von Joel Kessler und Jonas Heinke am Otto-Schott-Gymnasium vorgestellt wird. "PlayInsight" heißt das junge Start-up der beiden. Gemeinsam mit weiteren Kollegen entwickeln sie interaktive Lernmethoden.
Die beiden Gründer des Start-ups "PlayInsight" stellen ihre Idee auf dem Vernetzungstreffen der Jenaer Schulen vor.
"Viele Serious Games sind so gemacht, dass es erst nach dem Lernen eine Belohnung gibt oder andersherum. Wir versuchen, das nun ineinander zu verweben", sagt Joel Kessler, der Studio-Manager.
Von der Idee zur Gründung
Begeisterung für sogenannte Serious Games - also digitale Spiele, die nicht nur unterhalten, sondern auch Wissen vermitteln sollen: Das war der Ausgangspunkt einer Idee, die innerhalb von zwei Jahren von Unternehmensgründer Kessler umgesetzt wurde.
Dank der Thüringer Gründungsprämie, die Gründerinnen und Gründern dabei hilft, ihre Geschäftsideen bis zur Unternehmensgründung weiterzuentwickeln, fiel 2024 der Entschluss, das Projekt ernsthaft anzugehen. Offiziell gegründet wurde "PlayInsight" im vergangenen Jahr, zunächst noch mit Fokus auf verschiedene digitale Projekte. Erst später fiel die Entscheidung, ausschließlich Lernspiele zu entwickeln, auch mit Blick auf die aktuellen Lehrpläne.
2025 wurde "PlayInsight" offiziell gegründet.
"Wir haben geschaut, was finden wir persönlich am coolsten und was kann der klassische Unterricht vielleicht besser digital abbilden", sagt Projektmanager Jonas Heinke.
Bei Biologie sind sie schließlich hängen geblieben. Ein Fach, das laut den Gründern ein großes Potenzial für digitales Lernen bietet. Wenig später entstand ihre erste visuelle Welt: das Ökosystem See, zum Erkunden und anschaulichen Verstehen. Dazu gibt es passendes Unterrichtsmaterial, wie Arbeiten, Fragenkataloge oder Übungsblätter.
"Ich habe kein einziges Mal ein Lernspiel während meiner Schulzeit gespielt und ich hätte es mir so sehr gewünscht", erzählt Kessler.
So soll das "Serious Game" zum Thema Ökosystem See aussehen.
Rückmeldung direkt aus dem Schulalltag
Direkter Kontakt zu den Menschen, die später die digitalen Lerntools nutzen, ist für das Unternehmen entscheidend - wie etwa auf dem jährlichen Vernetzungstreffen der Jenaer Schulen. Lehrkräfte können die digitalen Angebote direkt ausprobieren. Auch eigene Vorschläge können an die Gründer weitergegeben werden, von der ersten Idee bis zur maßgeschneiderten Anwendung. Die Mission: Lernende motivieren, Lehrkräfte entlasten, Lehrermangel bekämpfen.
"Das Feedback wechselt jetzt von: 'Hey, das funktioniert so nicht', zu: 'Hey, wir wollen mehr!'", berichtet Heinke.
Lehrerinnen und Lehrer sollen die Spielideen zunächst testen und Feedback geben, bevor eine Idee final umgesetzt wird.
Start-up-Gründungen legen in Thüringen zu
"PlayInsight Studios" ist dabei kein Einzelfall. Das zeigt sich nicht zuletzt auch an den Neugründungszahlen von Start-up-Unternehmen in Thüringen. So wurden innerhalb des letzten Halbjahres 18 Unternehmen neu gegründet. Im Vergleichszeitraum zuvor waren es elf. Das entspricht einem Anstieg von mehr als 60 Prozent, deutschlandweit wurde eine Steigerung von 52 Prozent erhoben.
Auch der Vorsitzende des Start-up-Verbandes Thüringen, Hans Elstner, sieht darin eine positive Entwicklung. Zwar seien die absoluten Zahlen im Vergleich zu anderen Bundesländern weiterhin klein, der Wille zur Innovation und zu neuen Technologien sei aber deutlich spürbar.
KI gibt Auftrieb, Bürokratie bremst
Besonders Künstliche Intelligenz sorge aus seiner Sicht derzeit für einen zusätzlichen Aufschwung. Thüringen könne dabei von seinen bestehenden Stärken profitieren - etwa in Optik und Photonik, Medizin sowie der Digitalwirtschaft rund um Jena, Erfurt und Weimar.
Gleichzeitig kritisiert Elstner große Hürden, wie bestehende Bürokratie oder den Zugang zu Kapital. "Es geht alles, bis auf das Gründen aktuell. Wenn ich abends zusammensitze und eine Idee habe, dann möchte ich in der Nacht das Start-up gründen können."
MDR (sr/fno)