Tim Skarke rettet 1. FC Union einen Punkt: Ein Saisonstart wie eine Achterbahnfahrt
Mehr Unterhaltung war den Fans des 1. FC Union unter dem neuen Trainer Mauro Lustrinelli versprochen worden und am Sonnabend wurden sie ordentlich unterhalten. Zum Bundesliga-Start gegen Eintracht Frankfurt gab es gleich eine Achterbahnfahrt der Gefühle mit sechs Toren, prächtigem Sommerwetter und einem späten Ausgleich wie aus einer Bildergeschichte.
Dass die Lustrinelli-Revolution ihre Zeit brauchen wird, wurde an diesem Sonnabend auch klar. Durch einen Hattrick von Frankfurts Younes Ebnoutalib, aber vielmehr durch die eigenen Abwehrfehler, war Union lange der ersten Auftaktniederlage seit 2020 nah. Erst durch zwei späte Tore durch Leopold Querfeld und Tim Skarke retteten die Köpenicker ein dramatisches 3:3 und sorgten für Euphorie im Stadion an der Alten Försterei.
„Für die Zuschauer war es ein spannendes Spiel“, sagte Lustrinelli mit einem Lächeln auf der Pressekonferenz nachher und griff dann zu einer Bau-Metapher. Man baue mit dem neuen Weg ein Haus, und da fange man nicht gleich mit dem Dach an. Die Mannschaft habe zwar noch Verbesserungspotenzial, aber „das Fundament steht“.
Das Fundament ist für den neuen Trainer vor allem der Teamgeist, den Union am Sonnabend an den Tag legte: „Die Spieler haben mentale Stärke und großes Herz gezeigt und bis zum Schluss an sich geglaubt. Am Ende war es ein verdienter Punkt.“
Perfekter Start dank Latte Lath
Im Vergleich zum Pokalerfolg bei Eintracht Braunschweig stellte Lustrinelli auf drei Positionen um. Marin Ljubičić ersetzte den an Hull City verkauften Ilyas Ansah im Sturm, während András Schäfer und Neuzugang Michel Aebischer für Woo-yeong Jeong und Livan Burcu im Mittelfeld starteten. Im Tor stand Matheo Raab, der erneut den verletzten Frederik Rönnow vertrat.
Vor Anpfiff wurde Rönnow zwar zum vierten Mal in Folge als „Union-Spieler des Jahres“ geehrt. Ob er nach seiner Genesung seinen Platz zurückerobern wird, bleibt dennoch eine der spannenden Fragen der Frühsaison in Köpenick. Auch bei den Gästen stand der Torhüter am Sonnabend im Fokus. Nur einen Tag nach seinem Leihwechsel vom SC Freiburg stand der zuletzt viel besprochene Noah Atubolu schon zum ersten Mal für die Eintracht im Tor.
Wie sich herausstellte, war das zumindest in der Anfangsphase aber kein Tag für die Torhüter. Atubolu musste schon nach drei Minuten hinter sich greifen, nachdem Union durch zwei Neuzugänge in Führung gegangen war. Nach einem von Aebischer eingeleiteten Konter holte Ljubičić eine Ecke heraus, bei der Latte Lath zum 1:0 einköpfte.
Krasser Fehler von Leopold Querfeld
Für fünf schwerelose Minuten schwebte die Alte Försterei dann auf Wolke sieben und witterte einen kaum erhofften Traumstart in die neue Saison. Doch die Wohlfühlblase zerplatzte auf brutalste Art und Weise, als Frankfurts Younes Ebnoutalib mit zwei Toren in zwei Minuten das Spiel drehten.
Zunächst staubte der 22‑jährige Stürmer zum Ausgleich ab, nachdem Union eine Ecke auf den langen Pfosten nicht ordentlich klären konnte. Beim Wiederanpfiff schlug er dann nach einem krassen Fehler von Unions Leopold Querfeld eiskalt zu. Als dem Berliner Innenverteidiger ein Rückpass vom Fuß versprang, schnappte sich Ebnoutalib den Ball und traf zum 2:1.
Nach 29 Minuten hallten plötzlich Buhrufe und Pfiffe durch das Stadion, als der Schiedsrichter das Spiel unterbrach und die Spieler sich einen Schluck Wasser gönnten. Wohl im Glauben, dass es sich um eine Werbe-Trinkpause wie bei der WM handelte, reagierten die Fans empört. Tatsächlich hatte sich der Linienrichter aber verletzt und musste ausgewechselt werden. Als das per Durchsage bestätigt wurde, zeigten die Fans immerhin schwarzen Humor: „Steh auf, du Sau“, sangen sie auf der Waldseite.
Skarke trifft in der Nachspielzeit
Aufgestanden ist Union nach dem Doppelschlag tatsächlich. Bis zur Pause hielten die Gastgeber dem Frankfurter Druck gut stand. Den starken Start in die zweite Hälfte verspielte Union dann wieder durch schlampiges Verteidigen. In der 67. Minute konnte Livan Burcu im eigenen Strafraum nicht richtig klären, und den zweiten Ball drosch Ebnoutalib unhaltbar ins Netz.
Das hätte es gewesen sein können. Doch Union zeigte sich an diesem Nachmittag entschlossen. Die Angreifer suchten weiter fleißig nach einem Weg zurück ins Spiel und ließen auch dann nicht die Köpfe hängen, als sie immer wieder am souveränen Atubolu scheiterten.
In der Schlussphase kam dann die Belohnung. Atubolu wurde durch einen unhaltbaren Kopfball von Querfeld endlich überwunden und Union warf alle Vorsicht über Bord. Eine Minute vor Schluss staubte Skarke bei einer letzten Ecke noch ab. Der Start unter Lustrinelli war gerettet. Köpenick war unterhalten.