Wenige Leute, doch dann kommt der Bass: Demorave zieht durch Hamburg
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Hamburg
Demorave: Bunt und laut gegen Rechtsextremismus
Raven und Feiern gegen Faschismus und Rechtsextremismus. Mit Technomusik ziehen Hamburger durch die Stadt und feiern.
Für die Hamburger Club-Kultur, gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft: Das Bündnis „Reclaim Hamburg“ hat zum Demorave aufgerufen. 14 Wagen und mehr als 45 Gruppen zogen am Samstagnachmittag durch die Hamburger Innenstadt, über den Fischmarkt und die Holstenstraße, bis zum Schulterblatt und zum Sievekingplatz. Die MOPO war vor Ort.
Los geht die Demo unter dem Motto „Alles Gute kommt von unten“ auf der Helgoländer Allee. Noch ist von den erwarteten 10.000 Teilnehmern der Kundgebung für mehr Flächen für Raves und Clubs sowie gegen Faschismus und den Rechtsruck in der Gesellschaft nicht viel zu sehen. Die Stimmung ist entspannt, nach und nach kommen mehr Teilnehmer dazu, sitzen am Rand und beobachten das Geschehen. „Ruft mal eure Freunde an, bisschen wenig los“, fordert die Moderatorin auf.
Langsamer Start beim Demorave – dann knallt der Bass
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Während die Teilnehmer darauf warten, dass der Umzug losgeht, gibt es mehrere Performances. Unter anderem von Lila Sovia. Sie steht auf einem der Wagen und rappt: „CDU, ich kann es so viel besser als du“ und „Wenn die Welt untergeht, ziehen wir keine Fressen, Diggah.“
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Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!
• Rassismus: „Ich habe jeden Tag Angst, meinen Sohn in die Schule zu schicken“
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• Hamburger Fotograf: Darum wurde ich zum Nacktmodell
• 32 Seiten Rätsel und Kultur: Ausblick auf die „Theaternacht“
• 16 Seiten Sport: HSV-Keeper spricht Klartext, Stimmung beim FC St. Pauli im Keller
Das Publikum bewegt sich, singt mit, antwortet auf den Ruf „Siamo tutti antifascisti“ (Deutsch: „Wir sind alle Antifaschistinnen und Antifaschisten“) gleichermaßen zurück.
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Bei einer Rede des Aktionsbündnisses „Widersetzen“ geht es ebenfalls zur Sache. Da heißt es: „Merz und die Mitte machen genau die gleiche menschenfeindliche Politik wie die AfD.“ Auch von der „stärksten Rechtsverschiebung seit der Gründung der BRD“ ist die Rede.
Gegen 16.20 Uhr setzt sich der Zug dann endlich in Bewegung. Die Menge hat sich definitiv vergrößert. Die Stimmung ist gut, der Bass scheppert. Während der Zug unter der Brücke an den Landungsbrücken durchgeht, schauen mehrere Schaulustige von oben herab.
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Für Solidarität auf dem Rave – das sagen die Teilnehmer
Nora (26) und ihre Freundin Isabell (28) sind zum ersten Mal auf dem Demorave dabei. „Um Solidarität zu zeigen“, sagen sie. Über Freunde haben sie von der Veranstaltung gehört und sind sowohl für die politische Message, als auch für die Musik gekommen.
Am Rand läuft auch Jule (27) mit und verteilt Flyer. Sie gehört zu Ortsgruppe Hamburg des Aktionsbündnisses „Widersetzen“, das den Demorave veranstaltet. Sie hat sich schon immer politisch links orientiert, wie sie erzählt, allerdings nie selbst aktiv geworden. Doch bei der aktuellen politischen Lage bekommt sie Panik, sagt sie. „Ich habe keinen Bock, am Ende nichts versucht zu haben.“ Deshalb ist sie hier, für ihren „inneren Frieden.“
Der Großteil der Demorave-Teilnehmenden scheint zwischen 20 und 30 Jahren alt zu sein. Aber auch ein paar ältere Leute und Eltern mit ihren Kindern sind dabei, Ohrstöpsel in den Ohren. Niels (53), Michael (69) und Sabine (61) sind gemeinsam zum Rave gekommen. „Zum Spaß“ sind sie hier, erzählt Michael. „Viele Sachen in der Stadt laufen schlecht. Die Holstenstraße mit dem abgerissenen Haus sagt alles“, ergänzt Niels. Ob die Musik ihren Geschmack trifft? „Geht so“, antwortet Michael. Mit Bier in der Hand tanzen die drei aber weiter fleißig mit.
Die Welt, hoch oben vom Demo-Wagen
Und plötzlich ist MOPO-Reporterin Pauline Dötsch selbst auf einem der Rave-Wagen, darf von dort Fotos schießen. Über eine winzige Leiter zieht sie sich rauf zum DJ, der ganz in seinem Element ist. Die Musik schallt, die Partylaune ist spürbar. „Es ist ein cooles Gefühl, so nah an den Leuten auf den Brücken zu sein, wenn wir darunter hindurchfahren“, sagt sie.
Der Demozug hält zwischendurch. Wieder werden Reden gehalten. Dieses Mal von der Initiative „Soli-Asyl“. „Öffnet eure Türen für die Menschen, die Friedrich Merz nicht haben will“, heißt es. Flucht sei kein Verbrechen. „Soli-Asyl“ setzt sich gegen Deportationen ein und vermittelt Schlafplätze an geflüchtete Menschen.
Zwei Personen die ebenfalls ihr Zuhause verloren haben, wenn auch keine Fluchtgeschichte haben, sind Klara und Milena. Sie sind ehemalige Bewohnerinnen des Hauses an der Holstenstraße, das größtenteils plattgemacht wurde. „Wir müssen mit den Folgen bis heute leben“, erzählen sie. „Wir wollen politische Konsequenzen.“
Eine weitere Rede geht los. Dieses Mal geht es um Gewalt an Frauen. „Frauen werden nicht ernst genommen. Wenn sie ernst genommen werden würden, gäbe es nicht jeden Tag einen neuen Femizid“, so die Redner. Auch ein berühmter Satz aus dem Pelicot-Prozess fällt: „Die Scham muss die Seiten wechseln.“
Der Zug erreicht den Endpunkt auf dem Sievekingplatz. Die Menge wächst weiter an. Eine Samba-Gruppe mit Trommeln sorgt für tanzbare Rhythmen. „Die Stimmung ist super“, sagt Ordnerin Lilian (27). „Es ist wichtig, für mehr Subkultur und kulturelle Vielfalt und gegen den Rechtsruck auf die Straße zu gehen.“
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