Toter Buckelwal: „Zu 100 Prozent sicher“ – Tierschützer halten toten Buckelwal für Hartwin


Toter Buckelwal „Zu 100 Prozent sicher“ – Tierschützer halten toten Buckelwal für Hartwin

Wochenlang haben Menschen die Reise des Buckelwals Hartwin durch Nord- und Ostsee verfolgt. Nun wurde im Greifswalder Bodden ein toter Wal entdeckt. Die Tierschutzorganisation „Stranded No More“ ist sich sicher: Der Kadaver stammt von Hartwin.

19.08.2026 , 20:19 Uhr

 Der Kadaver eines toten Buckelwals wurde auf der Insel Dänholm bei Stralsund aus dem Wasser gehievt und obduziert.

Der Kadaver eines toten Buckelwals wurde auf der Insel Dänholm bei Stralsund aus dem Wasser gehievt und obduziert.

Foto: Stefan Sauer

Im Greifswalder Bodden ist am Donnerstagmorgen (14. August) ein etwa sieben Meter langer Buckelwal tot im Wasser entdeckt worden. Obwohl die offizielle Identifizierung noch aussteht, ist die Tierschutzorganisation „Stranded No More“ inzwischen überzeugt, dass es sich um den von ihr Hartwin genannten Wal handelt.

Toter Buckelwal wird nach Stralsund gebracht

Eine Expertin des Deutschen Meeresmuseums bestätigte, dass das Tier tot ist. Der Wal trieb nahe einer Fahrrinne auf dem Rücken. Nach Angaben von Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus war die Wasserschutzpolizei um 8.16 Uhr über den Fund informiert worden.

Ein Behördenschiff schleppte den Kadaver anschließend in Richtung Stralsund. Auf der Insel Dänholm soll der Wal am Deutschen Meeresmuseum untersucht werden. Die Fachleute wollen dabei sowohl seine Identität als auch mögliche Hinweise auf die Todesursache klären.

Das ist derzeit bekannt:

Warum Tierschützer den Wal für Hartwin halten

Für die Initiative „Stranded No More“ steht fest, dass der tote Buckelwal Hartwin ist. Die Organisation hatte das Tier über Monate verfolgt, dokumentiert und ihm den Namen Hartwin gegeben. In einem Instagram-Statement erklärte sie, zu 100 Prozent sicher zu sein, dass der Buckelwal gestorben ist.

Als wichtigstes Indiz nennt die Organisation eine deutlich erkennbare weiße Hautpartie auf der Oberseite des Wales. Diese Zeichnung sei auch auf früheren Aufnahmen von Hartwin zu sehen.

Zudem verweist „Stranded No More“ auf den Verlauf der Sichtungen. Ein Buckelwal war zunächst vor Kiel, später unter anderem im Hafen von Wismar, vor Wustrow und nahe dem polnischen Badeort Miedzyzdroje beobachtet worden. Zuletzt wurde ein Wal in der Region gesichtet, in der nun der Kadaver gefunden wurde.

Nach Einschätzung der Tierschützer gibt es keine weitere bekannte Walsichtung, die auf ein anderes Tier hindeuten könnte. Auch die Größe des Kadavers sei kein ausreichendes Gegenargument. Frühere Angaben zur Länge des lebenden Wales seien wegen der trüben Gewässer und der schwierigen Messbedingungen nur Schätzungen gewesen. Außerdem sei Hartwin in seinen letzten Lebenstagen stark gekrümmt gewesen und habe dadurch kleiner wirken können.

Toter Buckelwal: Strittige Aufnahmen und Hinweise auf Verletzungen

„Stranded No More“ kritisiert zugleich, dass die Behörden aus Sicht der Organisation zu wenig transparent über die Identifizierung informierten. Die Tierschützer vergleichen die Kommunikation mit dem früheren Fall des Wales Hope beziehungsweise Timmy.

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Toter Wal liegt vor Dänemark – Forscher untersuchen Kadaver

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Foto: Marcus Golejewski/dpa/Marcus Golejewski

Die Organisation wendet sich außerdem gegen Behauptungen, sie habe frühere Aufnahmen aus den Lofoten und Großbritannien mithilfe künstlicher Intelligenz für ihre Karten erstellt. Diese Videos seien aus ihrer Sicht ein eindeutiger Beleg dafür, dass Hartwin bereits vor den späteren Ostsee-Sichtungen beobachtet worden sei.

Bei Sichtungen aus Januar und Februar räumt „Stranded No More“ dagegen ein, dass darüber diskutiert werden könne. Die Videos aus den Lofoten und Großbritannien seien davon zu unterscheiden.

Die Organisation veröffentlichte zudem ein Bild eines im Wasser liegenden Wals. Darauf seien nach ihrer Einschätzung auffällige, möglicherweise tiefe Schnitte an der Seite des Tieres zu erkennen. „Stranded No More“ fordert deshalb eine Stellungnahme dazu, wie diese Verletzungen entstanden sein könnten.

Ob das Bild tatsächlich den nun gefundenen Kadaver zeigt, ist bislang nicht unabhängig bestätigt. Auch ein Zusammenhang zwischen den möglichen Verletzungen und dem Tod des Tieres ist nicht belegt.

Neue Hinweise nach der Sektion: Bakterielle Infektion vermutet

Nach der Sektion des etwa zehn Meter langen, rund sieben Tonnen schweren Buckelwal-Männchens geht das Deutsche Meeresmuseum vorläufig von einer bakteriellen Infektion aus. Es besteht der Verdacht auf eine Sepsis; endgültige Ergebnisse, unter anderem zur Art des Bakteriums, stehen noch aus.

Die Wissenschaftler fanden mehrere Abszesse an der Wirbelsäule und am Gelenk der rechten Brustflosse sowie eine geschädigte Wirbelsäule. Äußere Verletzungen durch Schiffsschrauben oder Netze wurden nicht festgestellt.

Auch der schlechte Ernährungszustand des drei bis vier Jahre alten Tieres – Magen und Darm waren weitgehend leer, die Fettschicht war nur etwa sechs Zentimeter dick – deutet auf eine längere Hungerphase hin.

Offizielle Identität und Todesursache sind noch ungeklärt

Wegen der auffälligen Hautverfärbung und der Lage der Abszesse halten die Experten es zudem für wahrscheinlich, dass der Kadaver zu dem zuvor vor Schleswig-Holstein, Wismar und Polen gesichteten Wal gehört. Ein hundertprozentiger Nachweis, dass es Hartwin war, liegt damit aber weiterhin nicht vor. Für die Identifizierung können die Fachleute individuelle Merkmale des Tieres mit früheren Aufnahmen vergleichen. Da der Wal im Wasser zunächst überwiegend von hinten zu sehen war, fehlen wichtige Vergleichsmöglichkeiten.

Der Fall erinnert an den Buckelwal Timmy

Der Fall erinnert an den Buckelwal Timmy, der im Frühjahr vor Mecklenburg-Vorpommern gestrandet war. Nach einer umstrittenen Rettungsaktion wurde das Tier in Richtung Nordsee transportiert und später tot vor der dänischen Insel Anholt gefunden.

Auch im aktuellen Fall hoffen die Fachleute auf Antworten durch die Untersuchung. Der Tod des im Greifswalder Bodden gefundenen Buckelwals steht fest. Ob es sich bei dem Tier tatsächlich um Hartwin handelt, muss jedoch noch offiziell bestätigt werden.