Tour de France: Carapaz gewinnt Königsetappe, Pogacar fährt fünftem Tour-Sieg entgegen


Tadej Pogacar steht vor seinem fünften Gesamtsieg bei der Tour de France. Der Titelverteidiger zeigte auf der 170,9 km langen Königsetappe der 113. Frankreich-Rundfahrt nach Alpe d'Huez erneut keine Schwäche und wird am Sonntag im Gelben Trikot Paris erreichen. Pogacar wird dann mit den Rekordgewinnern des wichtigsten Radrennens der Welt gleichziehen. Die Bestmarke von fünf Gesamtsiegen teilen sich bisher die Franzosen Jacques Anquetil und Bernard Hinault sowie Eddy Merckx (Belgien) und Miguel Indurain (Spanien). Die sieben Tour-Erfolge von Lance Armstrong sind wegen dessen Doping-Vergangenheit gestrichen worden.

Auf der 20. und vorletzten Etappe mit 5450 Höhenmetern über berühmte Anstiege wie den Col de la Croix-de-Fer, Col du Télégraphe und Col du Galibier siegte der Ecuadorianer Richard Carapaz als Ausreißer und feierte seinen zweiten Tagessieg. Er sicherte sich zum zweiten Mal nach 2024 das Bergtrikot. Pogacar kam als Vierter ins Ziel und führt im Gesamtklassement mit rund sechseinhalb Minuten Vorsprung.

Tour de France

:Die Spinne von Alpe d’Huez

Tadej Pogacar ist auch auf der berühmtesten aller Bergankünfte nicht zu bezwingen. Bis kurz vor dem Ziel lässt der Gesamtführende der Tour de France zwei Ausreißer zappeln – dann schlägt er gnadenlos zu und pulverisiert einen 31 Jahre alten Rekord.

Einen Tag nach seiner Rekordfahrt auf den berühmtesten Berg der Radsportwelt rückte für Pogacar der Kampf um den Tagessieg in den Hintergrund. Beim brutalen Kletter-Spektakel in den Alpen arbeitete der Kapitän des Teams UAE Emirates-XRG lange für seinen Kollegen Isaac Del Toro, der sich auch dank Pogacars Hilfe Rang drei in der Gesamtwertung und das Weiße Trikot des besten Jungprofis sicherte.

Olympiasieger Remco Evenepoel (Belgien), beim deutschen Team Red Bull-Bora-hansgrohe Co-Kapitän des nach einem Sturz ausgeschiedenen Florian Lipowitz, festigte als Tageszweiter seinen zweiten Gesamtplatz. Glück im Unglück hatte Sepp Kuss. Den US-Amerikaner vom Team Visma-Lease a Bike rettete in einer Abfahrt ein Fangnetz vor einem möglicherweise folgenschweren Sturz. Durch das Malheur zog Carapaz vorbei, Kuss wurde am Ende Dritter der Tageswertung.

Das vorzeitige Tour-Ende ereilte den entkräfteten deutschen Sprinter Pascal Ackermann. „Meine Beine konnten einfach nicht mehr. Ich war die letzten beiden Tage schon extrem am Limit“, sagte Ackermann mit Tränen in den Augen: „Mein großes Ziel war, nach Paris zu kommen. Ich bin ziemlich enttäuscht.“

Am Sonntag endet die Tour traditionell auf den Champs-Elysées in Paris. Wegen der heftigen Waldbrände bei Bordeaux wird die letzte Etappe verkürzt und komplett in Paris ausgetragen. Demnach hat das Innenministerium entschieden, einen Teil der ursprünglich für die letzte Etappe eingeteilten Sicherheitskräfte abzuziehen, um die Einsatzkräfte in den betroffenen Gebieten zu verstärken.