160 Jahre Tradition vor dem Aus: NRW-Brauerei meldet Insolvenz an – was mit den Mitarbeitern passiert
Traditionsbrauerei stellt Insolvenzantrag: Chef kämpft um 60 Arbeitsplätze und zahlreiche Marken
Stand: 28.07.2026, 17:52 Uhr
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Die Brauereikrise in Deutschland verschärft sich. Ein Familienbetrieb aus Nordrhein-Westfalen mit 160 Jahren Geschichte kämpft nun ums Überleben.
Marsberg-Westheim – Die Pleitewelle in der deutschen Brauwirtschaft reißt nicht ab. Mit der Gräflich zu Stolberg‘schen Brauerei Westheim hat nun ein weiterer Traditionsbetrieb Insolvenz angemeldet. Das Amtsgericht Bielefeld genehmigte den Antrag auf ein Verfahren in Eigenverwaltung, wie die Waldeckische Landeszeitung berichtete.

Über 160 Jahre lang stellte das Familienunternehmen im nordrhein-westfälischen Marsberg Bier her. Sechs Marken gehören zum Portfolio: Westheimer, Arolser, Allersheimer, Caluna, limoNAHde und Nah2O. Trotz der Insolvenz sollen Produktion, Abfüllung und Auslieferung planmäßig weiterlaufen.
NRW-Brauerei insolvent: 60 Beschäftigte vorerst nicht betroffen
Für die 58 Mitarbeiter und zwei Auszubildenden ändert sich zunächst nichts, teilte das Unternehmen mit. Gastronomie, Großhandel und Einzelhandel werden weiterhin beliefert. Erst 2024 hatte die Brauerei Westheim mit einem anderen Betrieb fusioniert.
Als Hauptgrund für die Schieflage nennt die Geschäftsleitung das schwierige Marktumfeld. „Die deutsche Brauwirtschaft befindet sich seit Jahren in einem tiefgreifenden strukturellen Transformationsprozess. Der Bierkonsum geht kontinuierlich zurück, Konsumgewohnheiten verändern sich“, erklärte das Unternehmen. Hinzu kamen massiv gestiegene Kosten für Energie, Rohstoffe, Verpackung, Logistik und Personal. Auch die wirtschaftlichen Nachwirkungen der Corona-Pandemie belasten den Betrieb.
Bierabsatz fällt auf historisches Tief
Die Zahlen des Statistischen Bundesamts belegen den dramatischen Einbruch: 2025 sank der Bierabsatz in Deutschland auf 7,8 Milliarden Liter – sechs Prozent weniger als im Vorjahr. Das war der niedrigste Wert seit Beginn der Statistik 1993. Ein gesünderer Lebensstil, veränderte Trinkgewohnheiten und die Alterung der Gesellschaft gelten als Ursachen.
Die Westheimer Brauerei steht mit ihren Problemen nicht allein. 2025 existierten in Deutschland noch 1.415 Brauereien – nach einem Höchststand von 1.552 im Jahr 2019. Zwischen 2024 und 2025 verschwanden 44 Betriebe vom Markt. Allein im Juni 2026 meldeten binnen zehn Tagen drei Brauereien Insolvenz an, darunter die 1308 gegründete Aktienbrauerei Kaufbeuren mit 84 Beschäftigten und das Hofbrauhaus Wolters aus Braunschweig, das seit 1627 Bier braut.
Brauerei-Chef will Standort und Arbeitsplätze retten
Auch die Mannheimer Traditionsbrauerei Eichbaum, gegründet 1679, musste nach gescheiterten Rettungsversuchen ihren Betrieb einstellen. Laut dem Deutschen Brauer-Bund gaben in den vergangenen sechs Jahren bis April 2026 insgesamt 137 Brauereien in Deutschland auf. Axel Grehl, Sprecher des Baden-Württembergischen Brauerbunds, fasste die Lage zusammen: „Die Brauereien haben im Moment multiple Probleme.“ Das gilt auch für Betriebe in Nachbarländern.

Geschäftsführer Moritz von Twickel gibt sich trotz der angespannten Situation kämpferisch. „Als Familienunternehmen denken wir nicht in Quartalen, sondern in Generationen. Die Eigenverwaltung ist für uns kein Ende, sondern der Beginn einer konsequenten Neuaufstellung“, betonte er. Das Ziel: Brauerei, Marken, Arbeitsplätze und Standort langfristig erhalten. Einer der größten Bierproduzenten weltweit kommt aus China. (Quellen: Waldeckische Landeszeitung, Destatis, dpa) (jm)