Anja Schüte über Sylt: Diese Veränderung macht sie traurig


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Schleswig-Holstein

TV-Star mit Liebeserklärung: „Sylt hat seine Magie nie verloren“

Vater Föhrer, sie selber hat 30 Jahre lang auf Sylt gelebt: Die Schauspielerin Anja Schüte sieht sich als Nordfriesin im Herzen und baut gerade auf dem Festland unter dem „hohen Nolde-Himmel“ ein Haus.
Wolfgang Barth

Die Ex-Frau von Roland Kaiser, TV-Star Anja Schüte, spricht über ihre Liebe zu Sylt, den Wandel der Insel, persönliche Umbrüche und ihr Leben zwischen Kamera und Hausbau.

Vom Film-Debüt „Zärtliche Cousinen“ über „Die Wicherts von nebenan“ bis zum „Traumschiff“: Anja Schüte (61) prägt seit Jahrzehnten das deutsche Fernsehen. Doch auch abseits der Kamera meisterte sie herausfordernde Zeiten – von der Trennung von Roland Kaiser bis zur Pflege ihrer verstorbenen Mutter. Mit der Sylter Rundschau spricht die gebürtige Hamburgerin über ihre Wurzeln auf Sylt und Föhr, den Inselwandel, ihre Sehnsucht nach Freiheit und warum sie auch nach fast 50 Jahren vor der Kamera noch lange nicht ans Aufhören denkt.

Sylter Rundschau: Gerade waren Sie noch beim White Dinner auf Sylt. Sie sind gefühlt ständig unterwegs – zwischen Norwegen, Mallorca, Nordfriesland und Köln. Wo schlägt Ihr Herz am lautesten?

Anja Schüte: Ich bin in Hamburg geboren, mein Vater stammt von Föhr: Ich bin ganz klar Friesin mit Hamburger Wurzeln. Egal, wo ich auf der Welt bin: Mein einziges wahres Zufluchtszuhause bleibt Nordfriesland. Auf Föhr habe ich das Reiten gelernt – ohne Sattel im Galopp über die Sandbänke am Strand entlang. Ich liebe Nordfriesland mehr als alles andere. Wir bauen derzeit auf dem Festland mitten in den Feldern, wo wir diesen wunderschönen, hohen „Nolde-Himmel“ direkt vor der Haustür haben. Das nenne ich echtes Zuhause: diese Weite zu spüren.

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Und trotzdem zieht es Sie immer wieder ins Ausland oder auf die Inseln?

Mein Mann und ich haben das große Glück, extrem flexibel zu sein und von überall aus arbeiten zu können. Wir genießen die Zeit auf Mallorca im Spätsommer oder die Natur in Norwegen am Fjord. Aber der ganz große Pluspunkt an unserem neuen Bauprojekt auf dem Festland ist: Ich bin schnell auf Sylt oder Föhr, kann Freunde besuchen oder am Strand aufs Wasser schauen – und wenn es mir zu bunt wird, fahre ich einfach wieder heim.

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Sie kennen Sylt seit fast 30 Jahren. Ihr Sohn Hendrik aus der Ehe mit Roland Kaiser ist hier auf Sylt in der Norddörfer Schule eingeschult worden – und war danach am Schulzentrum in Westerland. Wenn Sie heute über die Insel gehen: Was hat sich verändert?

Ich habe mich Ende der 80er-Jahre hier eingeklinkt. Meine Güte, das war eine bombastische Zeit! Sylt war damals das Nonplusultra der High Society im Sommer. Alle waren entspannt, alles war möglich. Heute macht es mich oft ganz traurig, wenn ich die vielen Leerstände sehe – besonders in Orten wie Kampen.

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Lachende Frau in weißer Jacke mit ausgebreiteten Armen am Strand vor Meer und Himmel.
Am liebsten tankt die Schauspielerin Anja Schüte Energie am Strand auf Sylt.
Wolfgang Barth

Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Es gibt einen Generationswechsel, die Insel muss sich zum Teil neu erfinden und attraktiv bleiben – besonders für die Erbengeneration. Hinzu kommt: Wenn den Altansässigen horrende Summen für ihre Häuser geboten werden, verkaufen natürlich viele. Aber dadurch geht Stück für Stück die Seele der Insel verloren. Das Gefühl von Haupt- und Nebensaison scheint irgendwie nicht mehr klar definierbar. Die Gäste kommen stoßweise. Manchmal ist es schlagartig wie tot. Dennoch hat Sylt für mich nach wie vor diese Magie: Wenn du am Strand stehst und aufs Meer blickst, fühlst du sofort diesen tiefen Frieden. Die Insel und ich sind wie ein altes Ehepaar – in guten wie in schlechten Zeiten … aber immer noch verliebt!

Sie sind viel unterwegs und haben dazu erwähnt, dass Sie in der heutigen Zeit auch viel vorsichtiger geworden sind.

Ja, absolut. Ich war früher nie ängstlich, aber mittlerweile bin ich extrem vorsichtig geworden – egal, ob an Flughäfen, an Großstadtbahnhöfen wie in Köln oder selbst auf Mallorca. Ich brauche heute diese persönliche „Security“ und das Gefühl: My home is my castle. Wenn ich hier oben im Norden bin, fällt der ganze Stress ab. Hier weiß ich, dass alles safe ist.

Die letzten Jahre waren bei Ihnen ohnehin von vielen Umbrüchen geprägt …

Das kann man sagen. Ich habe bis vor zwei Jahren meine sehr schwer kranke Mutter in Köln intensiv begleitet und gepflegt. Dafür bin ich wieder in mein altes Elternhaus gezogen – wie ein Kind. Das war eine sehr prägende, aber auch kräftezehrende Zeit. Jetzt, wo unser eigenes Haus langsam fertig wird, möchte ich erst einmal wieder richtig Wurzeln schlagen, zur Ruhe kommen und das Leben ganz bewusst genießen, statt nur von einem Ort zum nächsten zu jetten.

Am Freitag sind Sie in der NDR-Talkshow zu Gast, unter anderem wegen des 40-jährigen TV-Jubiläums der Kultserie „Die Wicherts von nebenan“. Viele denken bei Ihnen aber auch an die David-Hamilton-Erotik-Ästhetik. Wie blicken Sie auf Ihre Laufbahn zurück?

Mit unheimlich viel Dankbarkeit und Gelassenheit. Ich durfte mein Leben lang vor der Kamera stehen, in Produktionen mitwirken, die Rang und Namen haben, und mit den tollsten Kollegen arbeiten. Rückblickend denke ich manchmal: Wahnsinn, was du als junge Frau alles gemacht hast! Ich muss heute niemandem mehr etwas beweisen.

Heißt das, die Schauspielerei ist für Sie abgehakt?

Überhaupt nicht! Wenn das Telefon klingelt und ein Angebot kommt, das mir zusagt und in mein Leben passt, sage ich sicher nicht Nein. Das ist wie Fahrradfahren – man stellt sich vor die Kamera und ist sofort wieder drin. Ich habe eine tolle, junge Agentin, die richtig Lust auf Erfolg hat. Ich schlafe nicht im Verborgenen, sondern stehe mitten im Leben und bin bereit für neue Abenteuer. Ich lasse mich einfach überraschen! (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de.)

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