Tragische Rebellion gegen die Sowjetunion


Gestürzte Statue von Josef Stalin

Gestürzte Statue von Josef Stalin

Nach dem Tod Stalins schlagen die Kreml-Führer einen leichten, oft widersprüchlichen Liberalisierungskurs ein. Zusammen mit grossen Wirtschaftsproblemen führt dies rasch zu Aufständen, die 1956 in der ungarischen Revolution den Höhepunkt erreichen.

Ivo Mijnssen, Anja Lemcke23.10.2026, 14.08 Uhr

3 Leseminuten

Aktualisiert


22. Oktober 1956

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Tausende von Studenten versammeln sich in Budapest und verfassen ein Manifest. In 16 Punkten fordern sie den Abzug der Roten Armee, freie Wahlen, Pressefreiheit und Wirtschaftsreformen.

23. Oktober

Imre Nagy

Imre Nagy

200'000 Menschen demonstrieren gegen die Regierung. Als sich das Radio weigert, die 16 Punkte zu verkünden, kommt es zu Kämpfen mit 16 Toten und 60 Verwundeten. Um Mitternacht wird der Reformkommunist Imre Nagy zum Ministerpräsidenten ernannt.

24. Oktober

Die sowjetische Armee marschiert mit 6000 Mann und 700 Panzern in Budapest ein und liefert sich schwere Gefechte mit Aufständischen.

25. Oktober

Vor dem Parlament richtet die ungarische Geheimpolizei AVO ein Massaker unter Protestierenden mit 75 Toten an.

26. bis 28. Oktober

Revolutionäre übernehmen in vielen ungarischen Städten die Macht. Nagy erhält von den sowjetischen Gesandten die Erlaubnis, die Stalinisten in der Regierung auszutauschen,  und ernennt erste nichtkommunistische Minister. Für die Aufständischen geht dies nicht weit genug, sie reagieren mit Protesten und Streiks. Bei den Kilian-Kasernen kommt es zu einer grösseren Panzerschlacht. Die USA versichern der Sowjetunion, dass sie nicht militärisch intervenieren. Gleichzeitig ermutigt die CIA über Radio Free Europe die Aufständischen.

28. bis 29. Oktober

Die Rote Armee stimmt nach grossen Verlusten einem Waffenstillstand zu. Aufständische lynchen Angehörige der AVO und Kommunisten. International spitzt sich die Lage mit dem Einmarsch von Frankreich, Grossbritannien und Israel auf der Sinai-Halbinsel zu. Die USA erzwingen den Rückzug ihrer Alliierten, um eine Eskalation zu vermeiden.

30. Oktober

Tausende von politischen Gefangenen werden befreit. Nagy verkündet die Einführung eines Mehrparteiensystems. In Polen demonstrieren 300'000 Menschen für Ungarn.

31. Oktober

Aus Furcht, das Beispiel Ungarns könnte im Ostblock Schule machen, entzieht die Kreml-Führung Nagy die Unterstützung und schickt zusätzliche Truppen nach Ungarn.

1. bis 3. November

Nikita Chruschtschow sichert sich die Unterstützung der sowjetischen Satellitenstaaten für eine neuerliche Invasion. Nagy verkündet den Austritt aus dem Warschauer Pakt und die Neutralität Ungarns. Die USA anerkennen diese nicht. Während Verhandlungen über den Abzug der Roten Armee verhaftet der KGB die ungarische Delegation unter Verteidigungsminister Pal Maleter.

4. November

Die Sowjets greifen Budapest und die revolutionären Zentren im Land rücksichtslos an. 150000 Soldaten, 2500 Panzer und Kampfflugzeuge zermalmen die vereinzelten Widerstandsnester. Nagy sucht Zuflucht in der jugoslawischen Botschaft.

7. bis 22. November

Janos Kadar, der Führer des neuen ungarischen Marionettenregimes, trifft in einem sowjetischen Truppentransporter in Budapest ein und lanciert eine Verfolgungskampagne: 22000 Ungarn werden verhaftet und 330 hingerichtet. Am 22. 11. locken die Sowjets Imre Nagy mit Sicherheitsgarantien aus der Botschaft und entführen ihn. Am 16. Juni 1958 wird er zusammen mit weiteren Revolutionsführern gehängt.

Der Aufstand in Zahlen

■ 2600 Ungarn und 500 sowjetische Soldaten kommen während des Aufstands ums Leben.

■ 200'000 ungarische Bürger fliehen nach Österreich und Jugoslawien. 

■ Total wurden 184'409 Personen aus Österreich und Jugoslawien umgesiedelt. Dies waren die wichtigsten Aufnahmeländer:

Dieser Artikel wurde erstmals am 21.10.2016 publiziert und am 23.10.2026 aktualisiert.

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