Tierwohl vs. Tradition: Pferdekutschen spalten die Geister
Nach rund 150 Jahren schafft New York seine traditionsreichen Kutschen im Central Park ab. Auch an anderen weltweiten Kutschen-Hotspots steht das Gewerbe seit Langem in der Kritik. Wie die Städte darauf reagieren, fällt jedoch völlig unterschiedlich aus. Ein Überblick:
Wien
Wien ohne Fiaker? Das wäre in Österreichs Hauptstadt ganz gegen einen touristischen Trend. Nach den Pandemie-Jahren sei die Nachfrage regelrecht explodiert und die Tendenz zeige weiter steil nach oben, berichtet Marco Pollandt vom Marktführer «Silvia Paul Fiakerbetriebe». Die insgesamt etwa 150 Kutschen, von denen täglich etwa 60 auf der Strasse unterwegs sind, gehören jedenfalls zum Stadtbild.
Tradition trifft Tourismusboom: Die Wiener Fiaker gehören für viele Gäste fest zum Stadtbild, stehen jedoch zunehmend im Fokus von Tierschutzdebatten
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Die Tierschutz-Regelungen dort gelten im internationalen Vergleich als streng. Die Fiaker dürfen – abgesehen von Sonderregelungen – nur zwischen 11 Uhr und dem späteren Abend verkehren. Jedes der Tiere darf höchstens 18 Tage im Monat eingesetzt werden. Der gesundheitliche Zustand der insgesamt rund 300 Fiaker-Pferde wird oft kontrolliert.
Doch gerade im vergangenen Hitzesommer regte sich Unmut. Der Österreichische Tierschutzverein übergab im Juli Bürgermeister Michael Ludwig eine von 20'000 Menschen unterschriebene Petition, in der ein Ende der Fiaker und ein sofortiges Hitzefrei bereits ab 30 Grad (statt wie bisher 35 Grad) gefordert werden.
Athen
Auch in Griechenland kritisieren Tierschutzorganisationen den touristischen Einsatz von Pferdekutschen. Vielerorts hat sich das Thema jedoch mittlerweile von selbst erledigt, weil die Kutscher kaum mehr Nachwuchs finden, der das Geschäft übernehmen möchte, und die Kutscherei auch nicht mehr so rentabel ist wie einst.
Ein aussterbendes Gewerbe: Mangelnder Nachwuchs und sinkende Einnahmen lassen Griechenlands Pferdekutschen nach und nach aus den Strassen verschwinden.
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So auch im venezianischen Alten Hafen von Chania auf Kreta: Dort wurden die Kutscherlizenzen erst Ende September erneut verlängert, doch von ursprünglich 16 Kutschern beantragten nur noch 6, die Arbeit weiter ausüben zu dürfen.
Prag
In der historischen Prager Altstadt – Teil des Unesco-Welterbes – sind die Tage der Pferdekutschen bereits seit 2023 gezählt. Die Stadtverwaltung begründete das Aus klar mit dem Tierwohl: Die monotonen Bewegungsabläufe auf hartem Pflaster seien den sozial intelligenten Tieren nicht zumutbar, zudem seien sie permanent den Autoabgasen ausgesetzt.
Dem Tierwohl zuliebe: In Prags historischer Altstadt wurden Kutschfahrten verboten – zum Schutz der Pferde vor Abgasen und Monotonie.
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Vorangegangen war dem Verbot eine breite Bürgerinitiative, deren Petition letztlich Gehör fand.
Mallorca
Auf Mallorca laufen Tierschützer schon seit Jahren Sturm gegen die bei Urlaubern beliebten Kutschfahrten. Zwar hatte das Rathaus in Palma bereits 2022 angekündigt, den Betrieb bis 2024 vollständig einzustellen, der geplante Umstieg auf Elektro-Kutschen stockt jedoch bis heute.
Zähe Verhandlungen auf der Ferieninsel: In Palmas Altstadt und an der Playa de Palma lässt der versprochene Umstieg auf Elektro-Kutschen weiter auf sich warten.
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Im März unternahmen die Stadt – zu deren Gemeindegebiet auch weite Teile des «Ballermanns» zählen – und die 28 Kutscher der Inselhauptstadt einen neuen Anlauf: Die Verwaltung sagte eine zügige Anpassung der rechtlichen Rahmenbedingungen zu, während die Kutscher die Anschaffung der Elektrofahrzeuge aus eigener Tasche stemmen sollten. Seither herrscht jedoch weitgehend Stillstand.
Andere Inselgemeinden sind da schon Schritte weiter: Capdepera verbannte Pferdekutschen bereits 2016, Alcúdia beschloss 2023 den Wechsel zu zugelassenen E-Mobilen, und Muro zog 2024 mit einer vergleichbaren Regelung nach.