„Trifft mal wieder Frauen“: VdK-Präsidentin wettert gegen Linnemanns Kürzungspläne bei Kinderkrankentagen
Stand: 25.09.2026, 21:52 Uhr
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Der VdK warnt: Die geplante Kürzung der Kinderkrankentage belastet vor allem Frauen – sie übernehmen schon jetzt 73 Prozent der Betreuungstage.
Frankfurt – Die von Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) angekündigte Kürzung der Kinderkrankentage stößt beim Sozialverband VdK auf scharfe Kritik. Verbandspräsidentin Verena Bentele warnt, die Reform werde die Belastung für Frauen weiter erhöhen – und widerspreche damit dem politischen Ziel, mehr Frauen in Vollzeit zu bringen.

Linnemann hatte am Mittwoch in der Regierungsbefragung im Bundestag klargemacht, dass die während der Corona-Pandemie erhöhten Kinderkrankentage nach 2026 nicht verlängert werden. „Das ist eine Regel, die wir eingeführt haben während Corona“, so der Minister. Sonderregeln aus der Pandemiezeit müssten wieder zurückgenommen werden. Ab 2027 sinkt der Anspruch damit von derzeit 15 auf 10 Tage pro Kind und Elternteil. Bei Alleinerziehenden halbiert sich der Anspruch von 30 auf 20 Tage im Jahr.
Kinderkrankentage-Kürzung: VdK warnt vor Mehrbelastung für Frauen
Der VdK sieht in der Kürzung eine einseitige Belastung. „Die geplante Kürzung der Kinderkrankentage trifft mal wieder insbesondere Frauen. Schon heute übernehmen sie rund 73 Prozent der Kinderkrankentage“, erklärte Bentele. Werde diese Möglichkeit eingeschränkt, lande die zusätzliche Belastung nicht gleichmäßig bei Müttern und Vätern, sondern vor allem wieder bei den Frauen. Müssten sie für die Betreuung ihrer Kinder unbezahlten Urlaub nehmen, verzichteten sie auf Einkommen und finanzielle Sicherheit.
Besonders scharf kritisiert die VdK-Präsidentin den Widerspruch zur gleichzeitigen politischen Forderung nach mehr Erwerbsbeteiligung von Frauen, möglichst in Vollzeit: „Das passt nicht zusammen mit dem Ziel, die Erwerbsbeteiligung von Frauen zu erhöhen, möglichst sogar in Vollzeit. Wer mehr Erwerbsarbeit von Frauen fordert, darf nicht gleichzeitig an der Absicherung unbezahlter Sorgearbeit sparen.“ Wie bei anderen Kürzungsvorhaben drohe die Bundesregierung, Einsparungen zu Lasten von Familien und insbesondere auf dem Rücken von Frauen vorzunehmen, so Bentele.
Alleinerziehende besonders betroffen
Für berufstätige Alleinerziehende ist die Kürzung nach Ansicht des VdK ein besonders schwerer Schlag. Sie müssen die Kinderbetreuung im Krankheitsfall komplett allein organisieren und gleichzeitig ihren Arbeitsplatz sichern – ohne einen zweiten Elternteil, der einspringen könnte. Mit dem Absinken des Anspruchs von derzeit 30 auf künftig 20 Tage pro Jahr verringert sich für diese Gruppe der finanzielle und organisatorische Spielraum erheblich. Bei mehreren Kindern sinkt die Höchstgrenze für Alleinerziehende zudem von bisher 70 auf künftig 50 Tage im Jahr.
Die Rückkehr zu den Vor-Corona-Regeln ist Teil eines umfassenderen Maßnahmenpakets der Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz (CDU), mit dem der im internationalen Vergleich als zu hoch eingeschätzte Krankenstand gesenkt werden soll. Dazu gehört auch die geplante Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag, die bereits von Ärzteverbänden und Krankenkassen kritisiert wird – sie warnen vor überfüllten Praxen und einer deutlichen Zunahme an Arztbesuchen.
Linnemann selbst hatte im Bundestag Kritik zurückgewiesen, wonach die Kinderkrankentage vollständig gestrichen werden sollten: „Es werden 10 Tage sein, mal zwei sind 20 Tage im Jahr. Und das hatten wir auch in den ganzen Jahren vor Corona.“ Der VdK hält jedoch auch die Rückkehr zum alten Niveau angesichts der heutigen Erwerbsrealität von Familien für einen Fehler – und fordert die Bundesregierung auf, ihre Sparpläne im Familienbereich zu überdenken. Quellen: VdK, eigene Recherche (bk)