Triumph in L´Alpe d’Huez: Pogacar siegt für kranke Teamkollegen | radsport-news.com


Evenepoel festigt Rang zwei, Carapaz im Bergtrikot

Von Guido Scholl

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Tadej Pogacar (UAE - Emirates - XRG) hat die 19. Etappe der Tour de France gewonnen. | Foto: Cor Vos

24.07.2026  |  (rsn) - Jetzt steht sein Name auch in der Siegerliste von Alpe d’Huez: Tadej Pogacar (UAE – Emirates – XRG) hat die 127,9 Kilometer lange 19. Etappe der Tour de France mit Ziel am Ende des wohl berühmtesten Anstiegs im Radsport gewonnen. Auf dem Weg dorthin hatte der Mann in Gelb bereits gut 13 Kilometer vor dem Ende angegriffen und alle Begleiter abgeschüttelt. Am Ende nahm er dem Zweitplatzierten der Gesamtwertung, Remco Evenepoel (Red Bull – Bora - hansgrohe), 2:29 Minuten ab.

Dass die Etappe trotzdem bis zum Schluss spannend blieb, lag am couragierten Auftritt eines Ausreißertrios, das Pogacar zwar auf den letzten 3000 Metern einholte. Doch lediglich Sepp Kuss (Visma – Lease a Bike) musste sofort abreißen lassen. Richard Carapaz (EF Education – EasyPost) hingegen reagierte mit einer scharfen Attacke auf die drohende Einholung, während sich Lenny Martinez (Bahrain Victorious) am Hinterrad des Slowenen festbiss. Erst auf dem letzten, etwas flacheren Kilometer gelang es Pogacar, den Ecuadorianer und den Franzosen abzuschütteln.

“Es ist sehr cool, hier oben zu gewinnen. Die Atmosphäre war absolut verrückt. Ich muss dem ganzen Team danken, dass ich es am Ende schaffen konnte“, sagte der Etappengewinner im Ziel im Flash-Interview. Er habe sich zu der frühen Attacke entscheiden, als er gehört habe, dass unter dem Tempodiktat seines Teamgefährten Felix Großschartner die ersten Fahrer aus der Favoritengruppe zurückfielen. “Ich bin heute für meine Teamkollegen gefahren“, betonte Pogacar, dessen Helfer in den vergangenen Tagen teils an den Folgen einer Virusinfektion litten.

Dagegen präsentierte sich der Kapitän auf der ersten der beiden L’Alpe-d’Huez-Etappen in herausragender Verfassung. “Ich habe eine gute Form, schaue von Tag zu Tag. Morgen ist die Königsetappe der Tour und dann hoffe ich auf einen schönen Tag in Paris. Morgen ist der schwerste Tag der Tour“, blickt der 27-jährige Pogacar bereits auf die letzte und schwerste Bergetappe voraus.

Dagegen trauerte Carapaz dem knapp verpassten zweiten Etappensieg nach seinem Coup vom Vortag spürbar nach. “In der Ausreißergruppe haben wir uns im finalen Anstieg nicht wirklich geholfen. Wir wussten, dass Pogacar dahinter alles gibt. Wir haben alles versucht, es war am Ende aber nicht genug, um die Etappe zu gewinnen“, so Ecuadorianer, der sich mit dem Trikot des besten Kletterers trösten konnte. Er habe versucht, Pogacar zu folgen, doch dann seien seine Beine leer gewesen. “Aber das ist okay“, sagte Carapaz zu Eurosport.

Durch seinen fünften Etappensieg allein bei dieser Tour de France vergrößerte der bislang viermalige Gesamtsieger seinen Vorsprung zu Evenepoel auf 7:11 Minuten, der wiederum dem Drittplatzierten Isaac Del Toro (UAE – Emirates – XRG) einige Sekunden abnehmen konnte, um Rang zwei zu festigen. Martinez verbesserte sich im Gesamtklassement auf Platz fünf hinter seinem Landsmann Paul Seixas (Decathlon – CMA CGM). Carapaz schob sich auf Platz acht vor – zwischen dem Ecuadorianer und den beiden Franzosen rangiert das Lidl – Trek-Duo Mattias Skjelmose und Juan Ayuso, wobei der Spanier am Schlussanstieg 6:26 Minuten einbüßte und das Ziel völlig entkräftet erreichte.

Im Kampf ums Grüne Trikot gelang dem Dänen Mads Pedersen (Lidl – Trek) ein vorentscheidender Schritt, indem er erneut aus der Gruppe des Tages 25 Punkte einfuhr und seinen Vorsprung weiter vergrößerte. In der Nachwuchswertung baute Del Toro seinen Vorsprung zu Seixas auf 24 Sekunden. Carapaz übernahm mit einem Punkt Vorsprung auf Pogacar die Führung in der Bergwertung. Bestes Team bleibt Lidl – Trek.

So lief die 19. Etappe der Tour de France 2026:

Noch 162 Profis nahmen den ersten der beiden Alpe-d’Huez-Tage bei Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen in Angriff. Unmittelbar nach dem Startschuss ging es den 4,7 Kilometer langen und 7,2 Kilometer langen Col Bayard (2. Kat.) hinauf. Am ersten der vier Berge des Tages setzte sich eine rund 40 Fahrer umfassende Gruppe ab, ehe sich ValetinParet-Peintre (Soudal – Quick-Step) im Sprintduell gegen Carapaz durchsetzte. Mit den so gewonnenen fünf Punkten zog er in der Bergwertung an Pogacar vorbei.

Der Mann im Gelben Trikot kontrollierte mit seinem Team das Tempo im Feld, das in der Anfahrt zum Col du Noyer (1. Kat.) die Schere gegenüber der Spitze, wo der Gesamtsiebte Martinez, der im Klassement bestplatzierte der Ausreißer war, bis auf eineinhalb Minuten aufgehen ließ. In der 7,2 Kilometer langen und 8,5 Prozent steilen Steigung schraubte das mit vier Fahrern vorn vertretene Team Lidl – Trek in Diensten von Pedersen, der wieder den Zwischensprint anpeilte, den Vorsprung bis auf mehr als drei Minuten hoch. Am Gipfel verwies Paret-Peintre in einem langen Bergaufsprint Carapaz erneut auf Rang zwei und konnte sich weitere zehn Punkte gutschreiben lassen.

Rund 75 Kilometer vor dem Ziel hatte Marco Haller (Tudor) Glück im Unglück, als er gegen einen großen Pflanzkübel aus Beton prallte – der aber war von den Organisatoren abgepolstert, was den Österreicher wohl vor Schlimmerem bewahrte. Nach kurzer Versorgung durch den Rennarzt konnte der Österreicher das Rennen fortsetzen.

Das Streckenprofil der 19. Etappe der Tour de France | Foto: Veranstalter

Im flacheren Mittelteil der Etappe erhielt UAE Unterstützung durch Red Bull, dennoch vergrößerte sich der Abstand bis zum Zwischensprint, den Pedersen 38 Kilometer vor dem Ziel ohne große Gegenwehr für sich entschied und damit weitere 25 Punkte holte, auf rund 4:30 Minuten. Im direkt danach beginnenden Anstieg zum Col d’Ornon (2. Kat.) bekamen mehrere Ausreißer Probleme – überraschenderweise auch Paret-Peintre. So reduzierte Carapaz seinen Rückstand zum Franzosen, der zu dem Zeitpunkt die virtuelle Führung im Kletterklassement übernommen hatte, um fünf Punkte.

Am Col d’Ornon waren außer Carapaz und Martinez nur noch Kuss, sein Teamkollege Bruno Armirail, Einar Rubio, Javier Romo, Pablo Castrillo (alle Movistar), Tobias Foss, Tymen Arensman (beide Netcompany – Ineos), Tobias Halland Johannessen (Uno-X Mobility), Tiesj Benoot, Matthew Riccitello (beide Decathlon – CMA CGM), Quinn Simmons (Lidl - Trek), Harold Tejada (XDS – Astana) und Mattia Cattaneo (Red Bull – Bora – hansgrohe) aus der Kopfgruppe übrig.

Auch die Favoritengruppe, die 3:50 Minuten später über die Kuppe rollte, war bereits auf ein Dutzend Fahrer zusammengeschmolzen, dort machte der von der Spitze zurückbeorderte Derek Gee-West (Lidl – Trek) in jener Phase das Tempo. Der Gesamtneunte Jordan Jegat (TotalEnergies) war da bereits zurückgefallen.

Pogacar bläst schon früh zur Attacke

Armirail stellte sich in der Anfahrt auf den Schlussanstieg in Kuss’ Dienst und brachte die Ausreißer mit noch 3:20 Minuten Vorsprung in die erste der 21 Spitzkehren. Arensman griff 12.5 Kilometer vorm Ziel als Erster an. Martinez, Kuss, Castrillo, Benoot und Carapaz konnten folgen. In dieser Phase mussten Juan Ayuso (Lidl – Trek) und Tom Pidcock (Pinarello – Q36.5) die Gruppe der Klassementfahrer ziehen lassen. Wenig später blies Pogacar bereits zur Attacke. Wie gewohnt, war der Slowene sofort allein unterwegs.

Vorn reagierte Kuss mit einem eigenen Angriff, dem lediglich Martinez und Carapaz standhielten. Pogacar fuhr bald zu seinem Teamkollegen Adam Yates hin, der in der Spitzengruppe gewesen war. Der Brite machte etwa 2000 Meter lang Tempo für den Mann in Gelb, ehe dieser die zweite Stufe zündete. Pogacar hatte zu diesem Zeitpunkt 2:25 Minuten Rückstand zum Spitzentrio, das noch 9,5 Kilometer zu klettern hatte. Hinter dem Mann in Gelb hatte sich eine kleine Gruppe um Evenepoel Seixas, Del Toro und Skjelmose gebildet, die zusehends Zeit einbüßte.

Knapp 9000 Meter vor dem Ziel attackierte Carapaz in seinem typischen Stil. Martinez ging direkt mit, Kuss benötigte einige Zeit, um sich wieder heranzusaugen, beteiligte sich dann aber nicht mehr an der Führungsarbeit. Stattdessen versuchten es der Ecuadorianer und der US-Amerikaner weiter mit gegenseitigen Attacken, was dem heraneilenden Pogacar in die Karten spielte.

Drei Kilometer vor dem Ziel hatte Pogacar die Ausreißer fast erreicht. Doch Carapaz gab keineswegs klein bei und griff erneut an. Martinez konnte eine Weile am Hinterrad des Gesamtführenden bleiben. Zugleich distanzierte Evenepoel seine Gegner im Kampf um Platz zwei. Wenig später ließ Del Toro Seixas stehen, der mit Riccitello einen Helfer vor sich hatte.

Unter dem Teufelslappen sucht Pogacar die Entscheidung

1700 Meter vor dem Ende war Pogacar schließlich auch bei Carapaz angelangt – mit Martinez am Rad. Als der Weltmeister kurz darauf beschleunigte, konnten beide Begleiter parieren. Unter dem Teufelslappen lancierte Pogacar dann den entscheidenden Angriff, der den Widerstand der Ausreißer brach. Mit sechs Sekunden Rückstand wurde Martinez Zweiter. Carapaz war über Rang drei zwar genauso unglücklich wie der Franzose über seinen zweiten Platz – doch als Trostpreis bekam er das Bergtrikot.

Evenepoel erreichte das Ziel mit 2:29 Minuten Rückstand als Sechster. Del Toro wurde zwölf Sekunden dahinter Siebter und rettete nur vier Sekunden zu Seixas, der hinter Skjelmose auf Rang acht über den Strich rollte.

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