Tübinger Studenten erfassen seltene Arten in der Rhön und treffen auf Klimawandel-Gewinner


Stand: 18.08.2026, 13:57 Uhr

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Die Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus) ist eine Heuschreckenart, die vom Klimawandel profitiert. Sie breitet sich nach Norden aus.

Die Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus) ist eine Heuschreckenart, die vom Klimawandel profitiert. Sie breitet sich nach Norden aus. © Kulac (https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Calliptamus_italicus03.jpg), „Calliptamus italicus03“, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/legalcode

Studierende erfassen aktuell seltene Arten in der Rhön. Ihre Funde zeigen, wie der Klimawandel die Natur verändert. So wurde die Italienische Schönschrecke zahlreich nachgewiesen.

Oberelsbach – Bei der Kartiersaison im Landkreis Fulda stehen Wachtelkönig und Rebhuhn im Fokus. Aktuell erkunden darüber hinaus 20 Studierende der Eberhard-Karls-Universität Tübingen den bayerischen Teil des Unesco-Biosphärenreservats Rhön. Ausgestattet mit Bestimmungsbüchern, Ferngläsern und Insektennetzen, sammeln sie wertvolle Erkenntnisse und Erfahrungen.

Italienische Schönschrecke in der Rhön nachgewiesen

Die Exkursion führt die angehenden Biologinnen und Biologen auf verschiedene Flächen des Reservats, das „als Hotspot der biologischen Vielfalt ideale Bedingungen für die wissenschaftliche Ausbildung bietet“, schreibt das Unesco-Biosphärenreservat Rhön mit Sitz in Hilders im Kreis Fulda.

Die gesammelten Nachweise umfassen oft auch seltene oder geschützte Arten. „Die studentischen Untersuchungen geben auch Aufschlüsse über Artverschiebungen aufgrund klimawandelbedingter Lebensraumveränderungen“, erklärt Dr. Tobias Birkwald von der bayerischen Verwaltungsstelle des Unesco-Biosphärenreservats Rhön.

Die Raupe eines C-Falters frisst an einem Brennnesselblatt.

Die Raupe eines C-Falters frisst an einem Brennnesselblatt. © Dr. Tobias Birkwald/Unesco-Biosphärenreservat Rhön

„So sind die zahlreichen Nachweise der Italienischen Schönschrecke, einer ursprünglich mediterranen Art, auf die wärmer werdenden Sommer zurückzuführen.“ In Südeuropa zählt die Italienische Schönschrecke (Calliptamus italicus) zu den häufigsten Arten der Kurzfühlerschrecken und ist dort nicht gefährdet. Anders sieht es in Mitteleuropa aus. In Deutschland galt sie zuletzt als vom Aussterben bedroht, obwohl sie dort früher in günstigen Jahren, zuletzt 1931 und 1951, sehr zahlreich auftrat.

In den vergangenen Jahren wurde sie in Deutschland wieder mehrfach nachgewiesen, unter anderem in Berlin, Brandenburg, Sachsen (Oberlausitz) und in Bayern (Franken).

Die Ergebnisse der Exkursion gehen indes über reine Bestimmungsübungen hinaus. Mehrere hundert ortsgenau dokumentierte Nachweise von Tier- und Pflanzenarten werden erfasst. Diese werden dann der Naturschutzverwaltung zur Verfügung gestellt. Damit würden die Studierenden einen konkreten Beitrag zur Beobachtung und Dokumentation der biologischen Vielfalt in der Rhön leisten, heißt es.

Die Umweltbildungsstätte Oberelsbach dient als Ausgangspunkt und bietet Unterkunft und Verpflegung. Neben den wissenschaftlichen Erkenntnissen komme auch das Naturerlebnis nicht zu kurz. Die Vielfalt der Rhön begeistere die Teilnehmenden ebenso wie die praktischen Einblicke in die Feldforschung.

Biosphärenreservat Rhön per App erkunden

Mit der App „Biosphärenreservat Rhön“ lässt sich das länderübergreifende Unesco-Biosphärenreservat bequem digital erkunden. Eine 3D-Karte bietet Touren- und Ausflugstipps, ein Routing-Tool zeichnet Wander- und Radwege auf. Die App liefert wertvolle Informationen zur Rhöner Natur, Verhaltenstipps sowie ein „Virtuelles Panorama“ für einen Rundumblick – auch im Offline-Modus verfügbar. Die kostenlose App ist für iPhones und Android-Geräte in den App-Stores erhältlich.

Die Exkursion habe so viel Anklang gefunden, dass eine Fortsetzung 2027 geplant sei. „Die Rhön ist ein hervorragender Lernort, um biologische Vielfalt direkt vor Ort zu erleben und wissenschaftliche Methoden unter realen Bedingungen anzuwenden“, betont Tobias Birkwald. „Gleichzeitig profitieren auch Naturschutz und Forschung von den vielen erhobenen Daten.“

Abschließend heißt es: „Mit jeder kartierten Art, jedem dokumentierten Fund und jeder neu gewonnenen Erkenntnis wird deutlich: Die Rhön ist nicht nur ein wertvoller Lebensraum für Tiere und Pflanzen, sondern auch ein lebendiges Freiluftlabor für die nächste Generation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern.“