Uche Yara von Bilderbuch: Das Beste, das wir jetzt tun können, ist tanzen
Neue Musik
Uche Yara von Bilderbuch: Das Beste, das wir jetzt tun können, ist tanzen
Die in Berlin lebende neue Gitarristin der heimischen Lieblinge legt mit "Bodyscanner" ein tolles Soloalbum im Zeichen von Club-Sounds und Pop-Songs vor
Christian Schachinger
Nicht erst seit dem Finale des Filmklassikers Alexis Sorbas mit Anthony Quinn wissen wir: Wenn alles schiefgeht und die Welt rundherum zusammenbricht, ist Tanzen das Beste, das wir tun können. Der damit auf ewig verbundene und extra für den Film geschaffene, generische griechische Volkstanz Sirtaki kommt zwar in heutigen Berliner Clubs wohl eher selten vor, außer jemandem ist danach, rituell Geschirr auf dem Dancefloor zu zerschmeißen. Spätestens seit den Pandemiejahren, diversen ins Kraut schießenden globalen Bedrohungslagen und dem Paradigmenwechsel vom Club zurück ins traute Wohnzimmer wäre es grundsätzlich wieder einmal an der Zeit, sich mit seinem Körper und weniger mit seinen Grübeleien zu beschäftigen. Lockermachen!
Ausnahmetalent
Unter dem Motto "Let the body do the talking" veröffentlicht die junge, seit der Matura in Berlin lebende Oberösterreicherin Uche Yara nun nach diversen Singles und EPs ihr Debütalbum Bodyscanner. Parallel zu ihrem nach dem Abgang von Michael Krammer erfolgten Engagement als neue Leadgitarristin von Bilderbuch liegt eine Songsammlung vor, die eines beweist. Musikalische Reife hat nicht unbedingt etwas mit dem biologischen Alter zu tun. Uche Yara ist erst 23 Jahre alt. Sie hat die Songs von Bodyscanner als gelernte Perkussionistin und fabelhafte Gitarristin sowie an diverser Gerätschaft, aus der bei entsprechendem Talent allerhand dringliche Sounds digital oder analog herausgelockt werden können, zu einem Gutteil im Alleingang produziert. Demnächst geht die Musikerin auch auf große Europatournee.
Analogien mit einem 2016 verstorbenen gewissen Prince Rogers Nelson aus Minneapolis und seinen Alleingängen im Studio sind durchaus zu verzeichnen. Allerdings herrscht bei Uche Yara auf ihrer Suche nach körperlicher Freude oder Befreiung im Tanz (der ja bekanntlich auch gesund für den Geist ist) rhythmisch eine ungleich größere Bereitschaft zum Experiment. Der streng böllernde Viervierteltakt wird variiert und ein wenig mit durch den Häcksler modernerer Beats gedrücktem Geklöppel und Gerassel erweitert. Holden On etwa erinnert in seinem Versuch, guten alten Drum and Bass mit Rock zu verknüpfen, an das alte, damals zu Unrecht als missglückt empfundene 1997er-Album Earthling von David Bowie.
Der Titelsong Bodyscanner kriecht bedrohlich schwerfällig und auf der Jagd nach sexuellen Botenstoffen aus den dunkelsten Ecken eines Clubs wie einst der Song Corporate Cannibal vom Comeback Hurricane der Grace Jones aus 2008. Hello Hello, überrascht mit glockenheller Stimme und Elektropop. Neben ihrem bei ihrer tatsächlichen Lieblingsband Bilderbuch aus ihrer Jugend abgeschauten, zur Unkenntlichkeit verfremdeten Gitarrenlicks erweist sich Uche Yaras variationsreiche Gesangstimme zwischen Raubtier und Unschuldsengel als größter Vorzug. Der Song Diva Club verhandelt auf fröhlich alberne Art queeres Empowerment: "So who are we?/ The Diva Team!/ Yes, and what do we do?/ Write history!"
Damit der Humor nicht zu kurz kommt – immerhin soll es ja Spaß machen im Club – macht sich Uche Yara im verhallten, mit verschleppten Trip-Hop-Beats unterlegten elektronischen Kirchenlied Be Something über die allgegenwärtigen Versuche der ständigen (und vergeblichen) Selbstoptimierung lustig. Die stürzen einen ja dann doch nur in ein Tal der Tränen. Da geht man doch zwischendurch lieber einmal zum zünftigen Ausschweifen auf den Dancefloor:
"It would be good for us to join this gym membership
It would be good for us to make these chia seeds into pudding
It would be good for us to get politically active
It would be good for us to work on breathing techniques
It would be good for us to increase our melatonin
It would be good for us to show that we can be something."
(Christian Schachinger, 9.10.2026)
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