„Um diese Kinder mache ich mir Sorgen“: Verhalten in Schule kann auf ernstes Problem hindeuten
Stand: 11.08.2026, 18:11 Uhr
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Das Verhalten von Kindern zu Hause und in der Schule unterscheidet sich stark? Eine Expertin erklärt, wann dies ein Warnzeichen sein kann.
Hamburg – Kinder zeigen sich in der Schule von ihrer besten Seite – und zu Hause benehmen sie sich daneben? Um diese Kinder müssten Eltern sich in der Regel keine Sorgen machen, erklärt die US-amerikanische Kinderpsychologin Wendy Mogel in einem Podcast. „Die Kinder, die zu Hause sehr gut erzogen und brav sind, aber sich in der Schule schlecht benehmen – um diese Kinder mache ich mir Sorgen.“ Wenn Kinder dieses Verhalten zeigten, könne dies ein Hinweis darauf sein, dass es sich um „parentifizierte Kinder“ handelt. Ein Grund könne sein, dass sie sich um die mentale Gesundheit ihrer Eltern sorgten.

Wenn Eltern also sehen, dass sich ihre Kinder zu Hause „schrecklich“ verhalten, dann sei das erst einmal ein gutes Zeichen, sagt Mogel. Dann fühlten sie sich wohl genug. Viele Eltern stimmen dem zu: „Mein Sohn ist zu Hause wild und toll in der Schule, ich habe mir schon Sorgen gemacht“, kommentiert eine Mutter. Eine andere Person merkt jedoch an, dass diese Einteilung zu vereinfacht sei. „Manche Kinder verhalten sich ruhiger zu Hause, da sie sich in der Schule überfordert fühlen – von den schulischen Ansprüchen und sozialen Herausforderungen.“ Auch eine weitere Nutzerin schreibt: „Das sollte allerdings kein Freifahrtschein sein, seinen Kindern zu Hause alles durchgehen zu lassen. Kinder müssen auch lernen, die Menschen gut zu behandeln, die liebevoll mit ihnen umgehen.“
Psychologin: Parentifizierte Kinder sind häufig erschöpft
Wir haben eine Expertin gefragt, inwiefern das Verhalten auf Parentifizierung hindeuten kann. „Wenn ein Kind in der Schule verhaltensauffällig ist, kann das viele unterschiedliche Gründe haben“, sagt Meltem Avci-Werning der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Avci-Werning ist Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin – Expertin für Schule und Bildung. Dieses Verhalten speziell auf Parentifizierung zurückzuführen, greife zu kurz. Es gebe jedoch Hinweise, die in diese Richtung deuten können: „Kinder, die parentifiziert werden, sind in der Schule häufig erschöpft, haben Konzentrationsprobleme oder viele Fehlzeiten.“ Manche verhielten sich überangepasst oder übermäßig verantwortlich für andere – für Mitschülerinnen und Mitschüler oder auch für Lehrkräfte.
Bei der Parentifizierung werden verschiedene Formen unterschieden. Zum einen die instrumentelle Parentifizierung: Kinder übernehmen Haushaltsaufgaben oder kümmern sich um jüngere Geschwister in einem Maß, das nicht altersangemessen ist. Zum anderen die emotionale Parentifizierung: Eltern erzählen dem Kind Dinge über den anderen Elternteil oder andere Menschen, die schlicht nicht altersgemäß sind. „Beide Formen können Belastungen hervorrufen – sowohl durch körperliche Überanstrengung als auch durch emotionale Last“, sagt Avci-Werning.
Wie verbreitet Parentifizierung ist, lässt sich kaum festmachen
Kinder in den Haushalt einzubinden oder auf ein jüngeres Geschwisterkind aufpassen zu lassen, gehöre zur Entwicklung und fördere Selbstständigkeit und Selbstwirksamkeit, betont die Psychologin. „Parentifizierung beginnt dort, wo das überdreht – wo es immer mehr Instrumentalisierung oder übermäßige emotionale Verantwortung gibt, die dem Alter der Kinder nicht entspricht.“ Sie werde dann zu einem „ernsthaften Problem“, wenn Kinder dauerhaft und altersunangemessen Verantwortung tragen müssten und in ihrer Entwicklung beeinträchtigt seien.
„Wie verbreitet Parentifizierung ist, lässt sich kaum sagen. Es gibt eine sehr große Dunkelziffer“, schätzt Avci-Werning. Ob eine solche Dynamik vorliegt, lasse sich in der Psychotherapie feststellen. Eltern, die sich unsicher sind, ob ihr Kind zu viel emotionale Verantwortung trägt, rät die Expertin, sich in eine Beratung zu begeben. (Quellen: Instagram, eigene Recherche)