Junge Ukrainerinnen in Chemnitz nehmen doppelte Hürde
AUDIO: Agenturchef Klaus-Peter Hansen zur Inklusion auf dem Arbeitsmarkt (2 Min)
Inklusion
Stand: 11.08.2026 18:09 Uhr
Für Menschen mit Behinderung ist es noch immer schwer, einen regulären Job zu bekommen. Mindestens genauso schwierig ist es, als Ausländer im deutschen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Zwei jungen Frauen in Chemnitz zeigen, dass man beide Hürden nehmen kann.
von MDR SACHSEN
Für Uliana Zghodzynska und Yuliia Romanschuk war das Jobangebot der Haufe GmbH in Hohenstein-Ernstthal ein Glückstreffer. Schon seit Monaten hatten die jungen Frauen aus der Ukraine eine Arbeitsstelle in Deutschland gesucht. Uliana, 27 Jahre und ihre ein Jahr ältere Freundin Yuliia waren 2022 vor dem Krieg in der Ukraine geflüchtet.
Die gehörlose Uliana Zghodzynska hat seit einem knappen Jahr eine Anstellung als Kabelkonfektioniererin bei der Haufe GmbH in Hohenstein-Ernstthal.
Im vergangenen Jahr bekam Yuliia von der Arbeitsagentur das Stellenangebot als Kabelkonfektioniererin. Die Stelle passte perfekt, denn die junge Frau hatte in ihrer Heimatstadt Schitomir einen Berufsabschluss in dieser Branche gemacht. Doch es gab ein Problem. Yuliia kann seit ihrer Geburt nichts hören. Sie kann sich nur über Gebärdensprache verständigen – über die ukrainische wohlgemerkt. Denn die deutsche Gebärdensprache hat andere Zeichen. Auch Yuliias Freundin Uliana ist gehörlos. Dennoch sahen beide in dem Jobangebot eine große Chance.
Unternehmenschef setzt auf Tip der Arbeitsagentur
Dirk Haufe, der Geschäftsführer des Kabelherstellers, sieht das Ganze absolut pragmatisch: "Wir haben Arbeitskräfte gesucht und die Arbeitsagentur hat uns Yuliia vorgeschlagen. Sie hatte schon Berufserfahrungen, das war uns wichtig. Wir dachten, wir probieren es einfach mal, auch wenn sie gehörlos ist." Auch Yuliias Freundin Uliana bekam ein Stellenangebot. Und in der Probezeit zeigten die beiden jungen Frauen, dass sie ihre Chance nutzen.
Yuliia Romanschuk hat schon in der Ukraine eine Ausbildung zur Kabelkonfektioniererin gemacht.
Für den Chef der Haufe GmbH eine Erfolgsstory: "Die beiden jungen Frauen sind hochgradig motiviert. Sie sind vorausschauend und wollen sich einbringen. Also wir sind echt zufrieden." Die Einschränkungen durch die Gehörlosigkeit seien kein Problem: "Wir kommunizieren durch die Übersetzungsapp, das klappt super." Und auch die neuen Mitarbeiterinnen fühlen sich gut aufgenommen. "Die Kollegen erklären uns die Arbeitsvorgänge oder sie zeigen einfach, wie es gemacht wird. Das ist kein Problem", teilt Uliana dem MDR-Reporter über die App mit.
Menschen mit Behinderungen sind oftmals engagierter und motivierter, weil sie zeigen wollen, dass sie auch was können. Klaus-Peter Hansen, Chef der Regionaldirektion Sachsen, Bundesagentur für Arbeit
Viele Unternehmen beschäftigen Mitarbeiter mit Behinderung
Klaus-Peter Hansen, der Chef der Regionaldirektion Sachsen der Bundesarbeitsagentur, ist sichtlich stolz auf die Vermittlung der beiden jungen Frauen. Drei Viertel aller Unternehmen in Sachsen setzten auf Fachkräfte mit Behinderung. "Das zeigt, dass man selbst mit einer Behinderung gut Fuß fassen kann auf dem ersten Arbeitsmarkt. Wichtig ist es, die beiden Seiten, also den Arbeitgeber mit dem Arbeitssuchenden, in Kontakt zu bringen. Das ist unser Job." Und im günstigsten Fall klappt es so gut wie bei Uliana und Yuliia.
Regionalchef Klaus-Peter Hansen sieht die Aufgabe der Arbeitsagenturen darin, Arbeitssuchende mit Arbeitgebern in Verbindung zu bringen.
Finanzspritze für Unternehmen
Dazu kommen dann noch andere Instrumente der Arbeitsvermittlung. "Wir haben z.B. den Lohn in der Probezeit der beiden jungen Frauen bezuschusst. Das macht es Arbeitgebern leichter, solche Beschäftigten aufzunehmen." Die Erfahrungen hätten gezeigt, so Hansen, dass Menschen mit Behinderung für die Unternehmen keine Nachteile bringen: "Im Gegenteil, Menschen mit Behinderungen sind oftmals engagierter und motivierter, weil sie zeigen wollen, dass sie auch was können."
Unternehmenschef Dirk Haufe (Mitte) ist mit seinen beiden neuen Mitarbeiterinnen hoch zufrieden.
Zukunft Deutschland
Die beiden jungen Frauen sind dafür ein gutes Beispiel. Dass sie in Chemnitz wohnen und kein Auto haben, ist für sie kein Problem. Sie kommen mit dem Bus oder mit Arbeitskollegen zum Werk nach Hohenstein-Ernstthal. Uliana und Yuliia fühlen sich nach langer Zeit endlich angekommen.
Die Ukraine und ihre Heimatstadt Schitomir sind inzwischen in weite Ferne gerückt. "Ich lebe mit meinem ukrainischen Freund hier. Und wir wollen auch in Deutschland bleiben. In der Ukraine wird man als Mensch mit Behinderung nicht so gut unterstützt", sagt Uliana. Auch Yuliia sieht ihre Zukunft in Deutschland. "Meine Mutter wohnt noch in Schitomir. Ich werde aber hierbleiben. Auch, weil man als Gehörloser in Deutschland viel mehr Chancen hat, aus seinem Leben etwas zu machen, als in der Ukraine."
MDR (mwa)
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