Sie lachten über dieses „Lumpenpack“ – dann kam Rom


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Promi & Show

Oliver Masucci spielt in „Adams Acht“ den Rudertrainer Karl Adam.
picture alliance/dpa | Christian Charisius

Wenn sich bei Olympischen Spielen der Underdog gegen den Favoriten durchsetzt, dann kann das guter Filmstoff sein. Wie der Sieg des deutschen Ruder-Achters von 1960.

Mit enormer Kraft tauchen die schwarz-rot-goldenen Ruderblätter des deutschen Ruder-Achters absolut synchron ins Wasser ein. Die Sportler kämpfen verbissen um jeden Millimeter Vorsprung. Können sie die internationale Konkurrenz abhängen und völlig überraschend den Olympia-Sieg für Deutschland holen?

Spoiler: Sie können. Dieser Ausgang des Sportdramas „Adams Acht“ darf hier bereits verraten werden, denn dass die Deutschen 1960 in Rom genau dieses Wunder geschafft haben, ist bereits Sportgeschichte.

„Lumpenpack“ trifft auf Ruder-Elite

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Auf dieser beeindruckenden Underdog-Geschichte basiert der Film „Adams Acht“, der mit Oliver Masucci, Svenja Jung, Felix Kammerer und Leonard Kunz in den Hauptrollen nun in die Kinos kommt. Er zeichnet den Weg eines zusammengewürfelten Teams aus acht jungen Männern aus Norddeutschland nach, die kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur verschiedene Auffassungen, sondern auch unterschiedliche Lebenswege und Herausforderungen bewältigen müssen. Eine tragende Säule und das verbindende Element ist dabei Trainer Karl Adam, der aufgrund seiner Vergangenheit rund um den Zweiten Weltkrieg allerdings nicht unumstritten ist.

Nach dem Krieg wird der von einem Granatsplitter verletzte, einstige Boxtrainer von seiner NS-Vergangenheit als „entlastet“ eingestuft und arbeitet in Ratzeburg (Schleswig-Holstein) wieder als Lehrer für Physik, Mathematik und Sport. Gleichzeitig fehlt ihm das Trainieren. Als er auf dem Ratzeburger See – an der Grenze zur DDR – einen einsamen Ruderer und dessen elegante Technik beobachtet, ist die Idee geboren. Adam wird Rudertrainer.

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Muss man rudern können, um Ruderer zu trainieren? Nein!

Das Außergewöhnliche daran: Adam saß zuvor noch nie in einem Ruderboot. Doch der „Ruderprofessor“ geht das Training seiner Jungs auch ganz anders an. Strategisch, technisch, rechnerisch. Intervalltraining, Gleichmäßigkeit statt Endspurt, mechanische Anpassungen am Boot und an den Rudern – mit Mathematik und Physik und Anregungen aus vielen anderen Sportarten – seine Frau war einst erfolgreiche Siebenkämpferin – revolutioniert Adam den Rudersport.

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Ruderer des Deutschlandachters treiben im Film „Adams Acht“ mehrere Boote durch spritzendes Wasser.
Die deutschen Ruderer auf dem Weg zur Goldmedaille bei den olympischen Spielen 1960 in Rom
picture alliance/dpa/Majestic Bild | Tom Salt

Andere Rudertrainer nehmen ihn zunächst nicht ernst. Sie lachen Adam und sein „Lumpenpack“ aus. Einer seiner härtesten Gegenspieler ist Sportfunktionär Erich Buddenhauser (Heino Ferch), der Adam immer wieder Steine in den Weg legt. Doch Trainer und Team lassen sich nicht lumpen und werden wie aus dem Nichts – und am Anfang noch mit einem geklauten Ruderboot – erst Deutscher und später Europameister. Der Rest ist Geschichte.

Kampf in den Wirren der Nachkriegszeit

„Adams Acht“ konzentriert sich aber nicht nur auf die Story des dreifachen Vaters, der Jungs von der Straße und bereits aktive Sportler zu gemeinsamen Olympiasiegern macht. Er schaut auch hinter die Geschichten einiger Jungs.

Allen voran auf die Geschichte des jungen und klugen Hans „Ari“ Lenk (Felix Kammerer). Dessen Freundin Ulla (Svenja Jung) wohnt auf der ostdeutschen Seite des Ratzeburger Sees. Die Grenze ist 1958 bereits mit Stacheldraht gezogen, es gilt der Schießbefehl für Eindringlinge. Also rudert Lenk im Westen und liebt heimlich im Osten. Dass das nicht lange gut geht, wird schnell klar. Das drohende Unheil und die Spitzel-Atmosphäre im ostdeutschen Umfeld belasten die junge Liebe.

Dass Freigeist und Philosoph Hans Lenk zudem die Nazi-Vergangenheit seines Trainers scharf verurteilt, bedroht auch den sportlichen Erfolg. Als Adam dann auch noch Teile des Ratzeburger Teams – aus Gewichtsgründen – austauschen muss und stattdessen Kieler Ruderjungs mit scheinbar rechter Gesinnung holt, wirft Lenk hin und der Traum vom Olympiagold droht zu platzen.

Rudern aus fast allen Perspektiven gefilmt

„Adams Acht“ besticht durch fantastische Sport- und Außenaufnahmen von Ratzeburg. Die Bilder des aus nahezu allen Perspektiven aufgenommenen Ruderns schaffen einen Sog, der das Mitfiebern leicht macht – obwohl man schon weiß, dass das Team gewinnen wird.

Gedreht wurde in der Slowakei und an den Originalschauplätzen rund um das Bootshaus am Ratzeburger See, wo Adam einst den Ratzeburger Ruderclub gegründet hatte. Auch das große Finale auf einem See bei Rom wurde übrigens in Ratzeburg aufgenommen – mit am Computer ergänzten Bergen und Bäumen für den Hintergrund.

Oliver Masucci und Vito Wiesner stehen vor dem Bootshaus des Ratzeburger Ruderclubs.
Vater Oliver Masucci und sein Sohn Vito Wiesner zusammen bei den Dreharbeiten
picture alliance/dpa | Christian Charisius

Vor der Kamera stand auch Oliver Masuccis Sohn. Vito Wiesner verkörpert den Steuermann des Gold-Achters von 1960. Im Boot saßen außerdem neben den Schauspielern – darunter auch der mittlerweile erwachsene Nick Romeo Reimann („Großstadtkrokodile“, „Die wilden Kerle 3“) – noch fünf waschechte Profi-Ruderer. Die Sportler Leon Kleinschmidt, Jakob Schmölzer, Till Neumann, Oscar Krause und Moritz Wolff vereinen weit über zwanzig nationale und internationale Meistertitel auf sich.

Die beiden Liebesgeschichten des Sportdramas zünden leider nicht so recht, weil der Funke zwischen den Filmpaaren nicht recht überspringen will. So manche Figur wirkt zudem etwas holzschnittartig, manche Szene zu platt und erwartbar. Die Figur des Schlagmanns und vaterlosen Hitzkopfs Rulffs (Leonard Kunz) ist irritierend durchgeknallt angelegt, ohne dass es der Erzählung wirklich nützt.

Der durch Deutschland gehende Riss und der Hass auf die Deutschen im Ausland wiederum werden ohne Plattitüden dargestellt und erschließen sich beinahe schmerzhaft beim Zugucken. Und das Finale des Sportdramas hat auf jeden Fall Gänsehaut-Potenzial.

Zieht das „Wunder von Rom“ wie das „Wunder von Bern“?

Hat das Ruderdrama auch das Zeug zu einem zweiten „Wunder von Bern“? Der Film über den Fußball-Weltmeistertitel der Deutschen 1954 hatte vor gut 20 Jahren mehr als drei Millionen Menschen ins Kino gelockt. Auch er setzte sich neben dem Sportlichen mit der Vergangenheitsbewältigung nach dem Krieg auseinander.

Diese Kategorie schafft „Adams Acht“ vermutlich schon allein deshalb nicht, weil Rudern nun mal nicht der klassische Volkssport ist. Mitreißend ist das Drama aus dem Norden mit Strahlkraft bis nach Italien aber allemal. (dpa/mp)

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