Unesco: Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf ist Welterbe
Die Waldsiedlung in Berlin-Zehlendorf ist offiziell Teil einer UNESCO-Welterbestätte. Das teilte das UNESCO-Welterbekomitee am Sonntag im südkoreanischen Busan mit. Es war die einzige deutsche Nominierung für die aktuelle Aufnahmerunde. Die Waldsiedlung zählt dabei nicht als eigenständige Welterbestätte, sondern erweitert die seit 2008 bestehende Welterbestätte „Siedlungen der Berliner Moderne“. Die Beratung war zunächst für Montag geplant.
Bereits vor 18 Jahren hatte sich das Viertel nebst anderen Siedlungen in Berlin beworben, ist aber leer ausgegangen. Nach einigen Sanierungen und Bürgerinitiativen hat es nach einem neuen Anlauf im Jahr 2021 nun geklappt. Die Waldsiedlung mit ihren bunten und kräftigen Farben an Fassaden und Fensterläden wird auch „Papageiensiedlung“ genannt und entstand zwischen 1926 und 1932. Die Wohnblöcke wurden dabei in den Wald hineingebaut, mit dem Ziel, Licht, Luft und Grün zu einem festen Bestandteil des Alltags der Bewohner zu machen.
Wohnkonzepte weiterhin visionär
„Die Siedlungen der Berliner Moderne sind weit mehr als herausragende Architektur. Sie zeigen bis heute, worauf es bei gutem, bezahlbarem und gesundem Wohnen ankommt“, erklärte die Präsidentin der deutschen UNESCO-Kommission, Maria Böhmer. „Die Erweiterung um die Waldsiedlung Zehlendorf macht deutlich, wie visionär diese Wohnkonzepte vor hundert Jahren waren – und wie aktuell sie noch immer sind.“ Aus Sicht der deutschen UNESCO-Botschafterin Kerstin Pürschel unterstreiche die Neuaufnahme „die internationale Bedeutung der Berliner Moderne und würdigt ausdrücklich den Beitrag der Waldsiedlung Zehlendorf“.

Werk des finnischen Architekten und Designers Alvar Aalto ist ebenso UNESCO-Welterbe
Auch das Werk des finnischen Architekten und Designers Alvar Aalto (1898 bis 1976) ist in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen worden. Aalto hat sowohl Designklassiker geschaffen als auch Finnlands Architektur geprägt.
In die Liste aufgenommen ist nun ein Ensemble aus 13 Gebäuden und Gebäudegruppen in ganz Finnland. Sie seien, so die UNESCO, beispielhaft für die Moderne des 20. Jahrhunderts und eine Reaktion auf umfassende gesellschaftliche Bedürfnisse. Es handele sich um öffentliche, gemeinschaftliche und wohnbezogene Bauten. Einerseits seien sie mit der finnischen Bautradition verwurzelt, griffen andererseits zugleich auch Ideen der weltweiten Moderne auf. Besonders sei die Orientierung am Menschen.
Aalto-Theater in Essen
Typisch für Aaltos Bauten sind runde, fließende Formen. Das ist auch in Essen zu sehen, wo das Aalto-Theater steht. Es ist seit 1988 das Opernhaus der Stadt und wurde nach Aaltos Entwürfen gebaut.
Aalto lässt sich aber auch ins heimische Wohnzimmer holen. Die Aalto-Vase – 1936 gewann er mit Vorlagen für Glasvasen den ersten Preis beim Karhula-Iittala-Glasdesign-Wettbewerb – wird bis heute in der finnischen Iittala-Glasfabrik hergestellt. Die Vase in Form von Wellen gilt als einer der berühmtesten Designklassiker weltweit.
D-Day-Landungsstrände in der Normandie ebenso in UNESCO-Welterbeliste aufgenommen
Die UNESCO hat am Sonntag auch die Strände in der Normandie in die Welterbeliste aufgenommen, an denen die Alliierten im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen NS-Deutschland gelandet waren. Die Stätten „erinnern symbolisch an die enormen menschlichen Opfer, die gebracht wurden, um eine in Europa herrschende, autoritäre Besatzungsmacht zu stürzen“, erklärte eine Vertreterin des Internationalen Rates für Denkmalpflege, der die UNESCO berät, am Rande einer UNESCO-Sitzung im südkoreanischen Busan.
Die Strandabschnitte erstrecken sich über eine Länge von etwas mehr als 80 Kilometern entlang der Küste zwischen den Départements Manche und Calvados im Nordwesten Frankreichs. Sie waren am sogenannten D-Day im Juni 1944 Schauplatz einer entscheidenden Schlacht der Alliierten im Kampf gegen den Nationalsozialismus. Bekannt sind die fünf Strände auch unter den Codenamen Utah, Omaha, Gold, Juno und Sword.
In die Welterbeliste aufgenommen wurden am Sonntag auch mehrere Festungen des Languedoc im Süden Frankreichs, die auch als Katharerburgen bezeichnet werden. Einen Eintrag als Weltnaturerbe erhielten die Boma-Badingilo-Savannen im Südsudan – Letztere wurden gleichzeitig auch als gefährdet eingestuft. Es ist der erste Eintrag des Südsudans auf der Welterbeliste.
Auch Olymp, Berg der Götter der griechischen Antike, UNESCO-Welterbe
Ebenso gehört der Olymp, nach der griechischen Mythologie die Heimat der zwölf olympischen Götter, jetzt offiziell zum UNESCO-Weltkultur- und Naturerbe. Das Welterbekomitee beschloss auf seiner 48. Tagung im südkoreanischen Busan einstimmig, die „Erweiterte Region des Olymps“ in die Welterbeliste aufzunehmen, wie das griechische Kulturministerium am Sonntag mitteilte. Tausende Touristen besteigen wegen der einmaligen Sicht den Berg, wo der Mythologie zufolge der „Vater der Götter“ Zeus herrschte.
Mit der Auszeichnung würdigt die Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur den Olymp als Stätte von außergewöhnlichem universellem Wert – sowohl wegen seiner einzigartigen Natur als auch wegen seiner herausragenden Rolle in der Kultur- und Geistesgeschichte. Der knapp 3000 Meter hohe Berg gilt seit Jahrtausenden als mythischer Sitz der Götter und ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Griechenlands.

Das Gebirge beherbergt fast 2000 Pflanzenarten
Die griechische Kulturministerin Lina Mendoni sprach von einem „historischen Tag“ für Griechenland. Der Welterbe-Titel sei eine internationale Anerkennung für den Schutz und die nachhaltige Bewahrung eines Ortes, der wie kaum ein anderer für die griechische Geschichte und Mythologie stehe.
Auch ökologisch gehört der Olymp zu den bedeutendsten Landschaften Europas. Das Gebirge beherbergt fast 2000 Pflanzenarten, darunter zahlreiche, die ausschließlich dort vorkommen. Seltene Greifvögel, Braunbären und die größte griechische Population von Wildziegen finden dort ebenfalls einen geschützten Lebensraum.
Nach Angaben der Regierung sollen nun mehr als zehn Millionen Euro in den Schutz der Region, eine bessere Besucherlenkung und eine nachhaltige Entwicklung fließen. Die Bewerbung um den Welterbe-Status war bereits 2014 gestartet.
Derzeit gibt es 55 Welterbestätten in Deutschland und mehr als 1250 in über 170 Ländern weltweit. Die Welterbeliste gibt es seit 1978. Für die Ausführung der Welterbekonvention ist das Welterbekomitee zuständig. Es kommt einmal jährlich zusammen und besteht aus Vertretern von 21 Vertragsstaaten, die rotieren. Sitz ist in Paris.