Uns Uwe: Unterstedts Ortsbürgermeister Lüttjohann will weitermachen, für sein Dorf


Stand: 11.09.2026, 06:30 Uhr

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Die Jugend im Ort halten: Das will Uwe Lüttjohann, dafür müsse in Unterstedt auch gebaut werden können.

Die Jugend im Ort halten: Das will Uwe Lüttjohann, dafür müsse in Unterstedt auch gebaut werden können. © Holger Heitmann

Uwe Lüttjohann sitzt seit 30 Jahren im Ortsrat von Unterstedt. Der SPD-Politiker ist aber auch im Rotenburger Stadtrat und im Kreistag vertreten sowie in weiteren Ehrenämtern. Seine Motivation sei immer gleich: das Wohl seiner Ortschaft.

Unterstedt – Mehr Unterstedt als Uwe Lüttjohann geht wohl kaum. Der ehemals langjährige Ortsbrandmeister Volker Emshoff und Familie Kettenburg können vielleicht noch mithalten, wenn es um die Ortschaft südlich von Rotenburg geht. „Es geht nicht um mich, es geht nicht um meine Partei, es geht mir um Unterstedt“, sagt der 59-Jährige. In die SPD sei er einst reingerutscht. Er ist seit 30 Jahren im Ortsrat, seit 15 Jahren Ortsbürgermeister. Dass er seit 15 Jahren im Rotenburger Stadtrat und seit zwölfeinhalb Jahren im Kreistag sitzt, man ahnt es, auch das tue er für Unterstedt. Er wolle wissen, wo die Mittel hingehen, die auf der nächsthöheren Ebene ausgegeben werden. Er wolle schauen, was die dort getroffenen Entscheidungen wiederum für das Dorf bedeuten. Und er wolle mit die Fäden ziehen.

Uwe Lüttjohann meint, man könne es nicht jedem recht machen, etwa wenn westlich von Unterstedt aus Ackerland PV-Freifläche werden soll. Man werde nie alle erreichen. Aber „saubere Kompromisse“ seien ihm wichtig. Anfang der 2010er Jahre sei eine Debatte in einer Ortsratssitzung mal ins Persönliche gegangen, das weiß er heute noch. Das sei nicht sein Ding. Im Stadtrat könne man momentan parteiübergreifend gut reden. Unterstedt sei dort ordentlich vertreten, auch mit eben jenem Volker „Volli“ Emshoff und Franziska Kettenburg für die CDU.

Zur Person

Uwe Lüttjohann ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder, die in Unterstedt, Rotenburg und Bremen leben. Er wird am 12. Oktober 60 Jahre alt. Der Unterstedter Ortsbürgermeister sitzt als Rotenburger Ratsherr in den Ausschüssen für Kultur, Abfallwirtschaft und Feuerwehr, ist stellvertretender Rotenburger Bürgermeister und Ratsvorsitzender. Er ist im Stadtwerke-Aufsichtsrat und Ausschussmitglied im Wasserversorgungsverband Rotenburg-Land. Von Beruf ist er Zimmerermeister, er arbeitet als geprüfte Fachkraft für Arbeits- und Berufsförderung bei der Lebenshilfe.

Als Lüttjohann mit dem Waffensener Ortsbürgermeister und CDU-Bürgermeisterkandidaten Henning Poppe sowie der Ersten Städträtin Bernadette Nadermann in Sachen Dorfentwicklungsplan im Namen der Rotenburger Ortschaften unterwegs war, war das „eine schöne Sache“. Lüttjohann erhofft sich viel vom Dorfentwicklungsprogramm, unter anderem finanzielle Zuschüsse für große und auch kleine Projekte, bei denen man schnell eine Verbesserung sieht.

Die Alte Schule etwa sei in keinem guten Zustand, könnte aber mal als Museum fungieren. Im Osten der Ortschaft sollten Baugrundstücke erschlossen werden, um die Jugend im Ort zu halten, auch das sei eine Kostenfrage. In den 90er Jahren gab es ein Neubaugebiet für 50 Häuser und viele Zugezogene, die habe man aber auch integriert. Überhaupt sei die Verdichtung innerorts ein Thema, allerdings nicht nur ein finanzielles. In für landwirtschaftliche Betriebe ausgewiesenen Bereichen stünde neuer Wohnbebauung noch das Immissionsschutzgesetz entgegen, gibt Lüttjohann zu bedenken. Sprich: Wo es nach Kuh oder Schwein riecht, gerochen hat oder in der Zukunft wieder riechen könnte, darf nicht gebaut werden. Für Lüttjohann ein nicht nachvollziehbares Hindernis.

An der Einfahrt zum Eigenheim von Uwe Lüttjohann und seiner Familie am Unterstedter Ortsrand prangt ein Schild, das auf Lüttjohann als Ortsbürgermeister hinweist.

An der Einfahrt zum Eigenheim von Uwe Lüttjohann und seiner Familie am Unterstedter Ortsrand prangt ein Schild, das auf Lüttjohann als Ortsbürgermeister hinweist. © Holger Heitmann

Die Bundesstraße 215 teilt den Ort in zwei Seiten. Auf der östlichen Seite leben rund 630 Menschen, auf der westlichen, der landwirtschaftlich geprägten, sind es 225. Landwirtschaftsbetriebe gibt es laut Lüttjohann noch zwei, nachdem es früher mal 15 Familien waren, die von Landwirtschaft lebten. Lüttjohann ist gebürtiger Unterstedter. Er ist hier in die Grundschule gegangen, als eines der letzten Kinder vor der Gebietsreform 1974, ehe die Grundschule schloss. Zu Zeiten des kleinen Uwe war die Welt in Unterstedt eine andere. Als Kinder seien sie mit dem Trecker durch den Ort gefahren, hätten Streiche gespielt, auch mal eine Kuh losgebunden. „Da gab es Stress“, erinnert sich Lüttjohann und grinst.

Während Uwe Lüttjohann erzählt, sitzt er an einem Holztisch im großzügigen Wohnzimmer seines Fachwerkhauses am Unterstedter Ortsrand und schaut durch die Erkerfenster ins Freie. Wo im Dorf früher weite Sicht war, stehen jetzt mitunter Häuser im Blickfeld. Das gefalle nicht jedem. Aber der Ortsbürgermeister ist keiner von der Früher-war-alles-besser-Fraktion. Lieber zählt er stolz auf, was es im Dorf alles gibt, die Tankstelle zum Beispiel. Den Waldhof und die Dynastie als Restaurants, in die auch viele Unterstedter gehen. Betriebe wie Nordvac und der mobile Fischhandel Holsten würden Unterstedts Namen über die Dorfgrenzen hinaustragen.

Schützenverein, Fußball, Funkies

Und dann ist da die Dorfgemeinschaft mit Vereinen wie der SG Unterstedt, die fast so viele Mitglieder wie Unterstedt Einwohner habe und eigentlich einen dritten Sportplatz bräuchte. Die Funkies, Eltern, die Kindern Freizeitangebote machen, „in Eigenregie“. Oder die Darts-Gruppe, in der Lüttjohann selbst mitwerfen möchte. Die Aufzählung geht noch weiter. „Das müssen Sie auch erwähnen“, sagt er ein ums andere Mal.

Es wird aber auch ohne Anspruch auf Vollständigkeit deutlich: Unterstedt ist ein lebendiges Dorf, wo Menschen anpacken, wenn der Zaun am Friedhof erneuert werden muss. „Hier wird gemacht, das macht es aus“, sagt der Ortsbürgermeister, das fehle anderswo. Mit den Sottrumer Gemeinden Ahausen, Eversen und Hellwege gibt es das Helfernetzwerk Aheu. Da erscheint die Kreisstadt Rotenburg plötzlich weit weg. Dass man sich engagiert, habe Lüttjohann in seiner Kindheit vorgelebt bekommen, etwa wenn das Dorffest unter den Buchen organisiert wurde. Als die Unterstedter ihren alten Speicher in der Ortsmitte renovierten, sah er, was möglich ist. Darüber kam er 1996 zum ersten Mal in den Ortsrat.

Da müssten eher andere Angst haben.

Lüttjohann ist mittendrin, beim Schützenverein, bei der Feuerwehr, nur beim Fußball war sein Bruder besser. Dass ein neues Feuerwehrhaus kommt, inklusive Schulungsraum, sei Konsens. Vor weiteren Verzögerungen habe er keine Angst. „Da müssten eher andere Angst haben“, sagt er, denn dann würden „Volli“ und er Druck machen. Das alte Feuerwehrhaus bliebe nicht leer, wenn in vier, fünf Jahren der Neubau stehen soll, das Vereinsleben habe viel Platzbedarf.

Lüttjohann ist bereit, sich nach der Kommunalwahl vom Ortsrat nochmal als Ortsbürgermeister aufstellen zu lassen. Und er kandidiert wieder für Stadtrat und Kreistag. „Wenn man mit Leidenschaft dabei ist und voll dahintersteht, fällt einem das Engagement nicht schwer.“ Trotzdem habe er überlegt, ob er weitermacht. Es würden neue Generationen in die Politik hineinwachsen, da mache er sich keine Sorgen. Die müssten aber mehr Geld in die Hand bekommen. Es müsse Investitionen geben in Straßenbau, Wohnungen, Kläranlage, Wasserwerk, in einen zeitgemäßen Bauhof, in Feuerwehrfahrzeuge, mit denen man in die Wümmeniederung komme. Investiert werden müsse sukzessive, aber rechtzeitig. Dass Rotenburgs Kanäle saniert werden sollten, habe Lüttjohann schon 2015 gesagt. Aber mit Rohren unter der Erde könne man eben in der Lokalpolitik nicht glänzen.