Untergrundmarkt für Industrie-Zugänge boomt - silicon.de


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Der Untergrundmarkt für gestohlene Firmenzugänge und Daten in der Fertigungsindustrie sowie kritischen Infrastrukturen boomt wie nie. Das zeigen Analysen des IT-Security-Anbieters TrendAI von Foren und Instant-Messaging-Kanälen von 2024 bis Mitte 2026.

“Eine arbeitsteilige Ökonomie”

“Der industrielle Untergrund stellt mehr als nur eine abstrakte Gefahr dar und funktioniert schon heute als arbeitsteilige Ökonomie. Access Broker verkaufen Zugänge zu Produktions- und Energieunternehmen und Versorgern; Ransomware-Akteure monetarisieren diese Zugänge; geopolitisch motivierte Hacktivisten zielen auf dieselbe Infrastruktur”, so Udo Schneider, Governance, Risk & Compliance Lead Europe bei TrendAI.

Die Preisspanne für Zugänge zu Industrieanlagen ist laut Studie enorm. Auf BreachForums bot ein Verkäufer vollständigen Administratorzugriff auf das Produktionssystem eines thailändischen Fertigungsunternehmens für 25 Dollar an. Am anderen Ende des Marktes listete ein Verkäufer auf exploit.in im Januar 2026 die interne Datenbank eines deutschen Unternehmens im Bereich erneuerbarer Energien für zwölf Bitcoins – rund 748.000 US-Dollar.

VPN- und Remote-Access-Gateways

VPN- und Remote-Access-Gateways sind mit 20,9 Prozent der ausgewerteten Zugangsangebote der häufigste Vektor, gefolgt von RDP (13,1) und gestohlenen Zugangsdaten (12,5). Oft betroffen sind Edge-Appliances von Fortinet, Citrix, Cisco, Palo Alto Networks und SonicWall – meist abgesichert mit schwachen, wiederverwendeten oder gestohlenen Passwörtern. Direkte SCADA-, ICS-, HMI- oder SPS-Zugänge bewerben die Verkäufer in 6,6 Prozent der Angebote explizit als Premium-Feature.

Fertigungsunternehmen sind mit 67,9 Prozent aller Forenbeiträge und 77,8 Prozent aller öffentlich gewordenen Ransomware-Opfer die am stärksten betroffene Branche. Ihre geringe Toleranz für Produktionsausfälle macht sie attraktiv. Zwischen Januar 2024 und Juni 2026 hat TrendAI 3.178 öffentlich gelistete Ransomware-Opfer aus der Industrie und Energie gezählt. Die Zahl stieg von 974 (2024) auf 1.437 (2025) – ein Anstieg von rund 48 Prozent.

Allein im ersten Halbjahr 2026 wurden bereits 767 Opfer verzeichnet, womit das laufende Jahr das Vorjahresniveau erreichen oder übertreffen dürfte. Den Anstieg treiben wenige Ransomware-as-a-Service-Gruppen voran: Akira, Qilin und Play zeichnen zusammen für rund 30 Prozent aller Fälle verantwortlich. Bei den Opferländern liegt Deutschland hinter den USA auf Platz 2, noch vor Kanada und Italien, heißt es abschließend.

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