„Urvater“ der Roten Karte: Antonio Rattin ist tot


Online seit heute, 13.52 Uhr

Antonio Rattin, einer der großen argentinischen Fußballstars, ist tot. Der frühere Mittelfeldspieler mit dem Spitznamen „El Rata“ („Die Ratte“) starb im Alter von 89 Jahren, wie argentinische Medien gestern berichteten. Sein früherer Club nannte ihn in einem Nachruf ein „Idol“.

Rattin spielte in seiner aktiven Zeit für den Club Boca Juniors, wo er 1956 debütiert hatte. Laut einem Porträt in der BBC bestritt er 382 Spiele für seinen Club. Das Team gewann zwischen 1962 und 1969 mehrfach die argentinische Meisterschaft. Für die Nationalmannschaft seines Landes spielte der 1937 in der Stadt Tigre in der Provinz Buenos Aires geborene Rattin mehr als 30-mal.

Legendärer Auftritt

Legendär wurde sein Auftritt beim Weltcup-Viertelfinale, an den die BBC in ihrem Nachruf auf den Mittelfeldstar erinnerte. Argentinien verlor damals mit 0:1. Rattin regte sich mehrfach furchtbar auf, der deutsche Schiedsrichter schickte ihn vom Platz, aber Rattin weigerte sich zu gehen. Er musste schließlich von Polizisten vom Platz gezerrt werden.

Antonio Rattin und Oscar Mas 1966

Sitzstreik auf dem roten Teppich der Queen

Schließlich setzte er sich noch auf einen roten Teppich, der für Queen Elizabeth II bestimmt war. Er zerknüllte eine britische Flagge. Rattin hatte sich beschwert, dass er den deutschen Referee nicht verstanden habe und dieser ihn nicht, nachdem der Deutsche kein Spanisch sprach. Jahre später erklärte er noch: „Es war ein sehr schöner roter Teppich.“

Schiedsrichter als „tapferes Schneiderlein“

Die Episode sei dafür verantwortlich gewesen, dass der Internationale Fußballverband (FIFA) bei der nächsten Weltmeisterschaft 1970 die Gelbe und Rote Karte einführte, wie die BBC schrieb, „um Kommunikationsprobleme zwischen Schiedsrichtern und Spielern aus verschiedenen Ländern zu vermeiden“. Der deutsche „Spiegel“ schrieb 2010 über die legendäre Partie: „Der Schiri sah rot, er konnte es nur nicht zeigen.“

Zur Legende wurde auch der Stuttgarter Schiedsrichter Rudolf Kreitlein, „der sein schwarzes Outfit für die Fußball-WM 1966 selbst entworfen hatte“, wie der „Spiegel“ schrieb, und den Titel „das tapfere Schneiderlein“ mutmaßlich auch dafür erhielt, dass er Rattins Launen ertragen hatte müssen. Der Argentinier beendete seine Karriere 1970, war dann einige Jahre als Trainer tätig. Von 2001 bis 2005 war er Abgeordneter für die konservative Partei Partido Unidad Federalista im argentinischen Parlament.