Ist der Hype um den Oktopus-Döner in Wien gerechtfertigt?
Achtarmiges Essen
Ist der Hype um den Oktopus-Döner in Wien gerechtfertigt?
Die rumänische Pescobar verkauft seit kurzem Oktopus-Kebab in Wien. Der Fang gelingt in Favoriten leichter als in der Innenstadt. Und wie schmeckt er?
Sascha Aumüller
Seit ein paar Wochen macht ein Tier mit acht Armen in Wien die Runde: Nun dreht sich auch hierzulande Oktopus am Dönerspieß, was sehr gerne auf Instagram hergezeigt und von Donaustadt bis Neubau meist so kommentiert wird: "Schau wie oarg, Döner mit Haxen!" Für diesen optischen Aufreger sorgt der rumänische Unternehmer Paul Nicolau, der vor 15 Jahren sein erstes Fischrestaurant eröffnet hat. Es ist mittlerweile mit seiner "Pescobar" in halb Europa vertreten. Das Erfolgsrezept der Kette: Seafood in großen Fastfood-Portionen günstig anzubieten.
Eingezogen ist die erste Pescobar Österreichs in das tolle Alienhaus, das Günther Domenig in den 1970ern baute, und das bis heute ein besonderer Blickfang am Favoritner Victor-Adler-Platz bleibt. Schon wenig später eröffnete die zweite Filiale am Universitätsring, gleich gegenüber vom Hauptgebäude der Universität. Wie mutig die Wiener Studierenden kulinarisch wirklich sind, werden sie aber wohl erst im Herbst beweisen können, denn aktuell herrscht in und um die Uni tote Hose. Das gilt auch für die Pescobar, in der sich ein einsamer Mitarbeiter sehr genervt über den unerwarteten Kundenkontakt zeigt und völlig verstört wirkt, als ich nach Oktopus-Döner frage. So, als hätte ich einen besonders absurden Witz gemacht.
"Nein, Lachs gibt's und Thunfisch!" Jetzt schaue ich verdutzt. Auf Nachfrage beim Filialleiter wäre dann eh auch Oktopus zu haben, aber nur im Ganzen. Auf erneute Nachfrage schwor man jedenfalls Stein und Bein, dass weder jetzt noch in der Zukunft geplant sei, hier Oktopus-Kebab zu verkaufen. Soll sein. Vielleicht wäre es dann nur hilfreich, das eigene Signature-Dish von der ersten Position auf der riesigen Tafel neben dem Eingang zu streichen.
Vor dem Lokal versuche ich, mich noch einmal zu vergewissern, wo ich die schräge Idee noch herhaben könnte, dass bei der Uni der Okto-Burger verkauft wird. Ah, weiß schon: von Instagram. Da ist eine junge Frau zu sehen, wie sie genau in dieser Filiale genüsslich in den Oktopus-Döner beißt, den es hier angeblich nicht gibt. Auf Insta vorgeführte, dann aber nicht verkaufte Hype-Speisen sind vermutlich ein eigenes Thema. Mehr als einmal stand ich in Wien schon von Ständen mit Spaßgerichten, deren Namen die Verkaufenden noch nie gehört hatten, nachdem sie kurz zuvor auf Social Media zum Kauf an eben dieser Location angepriesen wurden. Mein Plan B stand fest: Nach Favoriten zum Victor-Adler-Platz radeln, dort komme ich eh viel zu selten hin.
Der freundliche Mann hinter der Budel im Domenig-Haus weiß sofort, wovon ich rede und bietet mir einen schattigen Platz im Schanigarten an. Der ist belebt und bietet einen wunderbaren Blick auf das Treiben der Favoritenstraße. Ein zweiter, gut gelaunter Mitarbeiter erscheint und rät mir zum Okto-Burger Menü mit Pommes und Kaltgetränk um 12,90 Euro. Angebot angenommen. Einziger Wermutstropfen bis dato: Auch hier kann man nicht live miterleben, wie es ausschaut, wenn sich acht Arme im Kreis am Dönerspieß drehen. Der Spieß hinter der Budel bleibt leer, aber vermutlich nur temporär, weil die Nachfrage während der Sommerferien wohl etwas geringer ist und die Ware nicht verderben soll. Eh mustergültig, erst recht in einem Betrieb, der Fastfood anbietet.
Als der Okto-Burger schon wenig später vor mir steht, verstehe ich auch die Bedeutung der bei der Uni angepriesenen Tartaruga-Weckerl. Tatsächlich erinnert das Weißbrot-Gebäck ein wenig an den Panzer einer Schildkröte. Es schmeckt frisch und ist ebenso eine angenehme Überraschung wie die dick geschnittenen Pommes Frites, die außen knusprig und innen nicht zu trocken sind. Belgien lässt ein bisserl via Rumänien in Wien grüßen! Aber nun zum Main-Act: dem Oktopus.
Der Achtarmige wurde auch in dieser Küche ziemlich sicher nicht vom Dönerspieß gesäbelt, sonst wären die gegrillten Stücke nicht so rund. Vielleicht ist das sogar ein geschmacklicher Vorteil zum Oktopus-Block vom Spieß, den ich mir an dieser Stelle gerne gefallen lasse. Auch die Gewürzmischung schmeckt außergewöhnlich gut, die Portion ist wie angekündigt groß. Von den kleinen Oktopus-Stücken (hauptsächlich Scheiben der dicken Arme) hätte ich mir erwartet, dass sie auf diese Art zubereitet eher trocken und gummiartig daherkommen. Aber gar nicht. Das Fleisch ist herrlich zart, was mich angesichts der Rahmenbedingungen von Okto-Burgern in Wien vor ein echtes Dilemma stellt: Zum einen sind die Meere eh schon überfischt und so ein Oktopus hat trotz seiner acht "Beine" einen eher breiten Weg nach Favoriten. Mir wäre es ehrlich gesagt lieber gewesen, dass der Kundenkontakt auch in der Favoritner Pescobar so unangenehm ist wie am Ring und Seafastfood so weit weg von der Aufzucht und Hege überhaupt nicht schmeckt. Blöd, dass ich nichts von beidem bestätigen kann. (Sascha Aumüller, 12.7.2026)
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