Archäologie: Biotechunternehmen will Mammut zeugen – die Sache hat einen Haken
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Das US-amerikanische Biotechnologieunternehmen Colossal Biosciences verfolgt ein ambitioniertes und zugleich umstrittenes Ziel: Bereits ausgestorbene Tierarten wie den Beutelwolf, den Dodo oder das Wollhaarmammut sollen mithilfe moderner Gentechnik teilweise wieder zum Leben erweckt werden. Eine Art „Wiederauferstehung“. Was wie Science-Fiction klingt, erinnert an Videospiele wie „Resident Evil“ und die Blockbuster-Filmreihe „Jurassic Park“. Dort gelingt es Wissenschaftlern, mithilfe von in Bernstein eingeschlossener DNA Dinosaurier zu klonen und für einen Freizeitpark wieder auferstehen zu lassen.

Für Colossal geht es bei dieser sogenannten „De-Extinction“, also der Wiederauferstehung ausgestorbener Arten, nicht ausschließlich darum, ein Tier zu erschaffen, das einer vergangenen Art möglichst ähnlich sieht. Das Unternehmen möchte vielmehr moderne wissenschaftliche und technologische Möglichkeiten nutzen, um Erkenntnisse aus der Vergangenheit mit dem Schutz der biologischen Vielfalt in der Zukunft zu verbinden. Nach eigenen Angaben soll die Forschung unter anderem dazu beitragen, dem zunehmenden Verlust der Artenvielfalt entgegenzuwirken.
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Gen-Editierung bringt Mammut-Eigenschaften in asiatische Elefanten
So will Colossal nun das Wollhaarmammut zurückbringen, das bis vor etwa 4000 Jahren lebte. Das Unternehmen möchte bis Ende 2028 ein Wollhaarmammutkalb im Labor erzeugen. Oder zumindest eine Annäherung an so ein Kalb. Denn: Ein waschechtes Wollhaarmammut aus der Eiszeit kann mit den heutigen wissenschaftlichen Möglichkeiten nicht einfach genetisch reproduziert werden.
Eine wortwörtliche „Wiederauferstehung“ ist so nicht möglich. Für eine klassische Klonierung müsste den Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen eine funktionierende und weitgehend unversehrte Zelle mit Zellkern und vollständigem Erbgut eines Mammuts zur Verfügung stehen. Genau hier liegt das Problem: Bei archäologischen Mammutfunden haben sich die Zellen und die darin enthaltene DNA über die Jahrtausende chemisch stark verändert. Die von den Forschenden gefundene DNA aus den Überresten der Mammuts ist deshalb nicht mehr in einem Zustand, um ein Mammutembryo entstehen zu lassen. Lediglich ein Genom lässt sich daraus teilweise rekonstruieren.
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Statt die Mammutart klassisch zu klonen, setzen die Forschenden deshalb auf eine Gen-Editierung. Das bezeichnet die gezielte Veränderung des Erbguts. Als Grundlage dient dabei das Erbgut des noch lebenden Asiatischen Elefanten, da diese Elefantenart dem Wollhaarmammut genetisch am nächsten steht. Mithilfe der Genschere CRISPR werden ausgewählte Abschnitte der DNA des Asiatischen Elefanten, die mit dem Genom der rekonstruierten Mammut-DNA vergleichbar sind, verändert.
Auf diese Weise sollen unter anderem Merkmale entstehen, die dem Wollhaarmammut beim Überleben in der eiszeitlichen Kälte geholfen haben. Das Ergebnis wäre also kein genetisch identisches Wollhaarmammut. Vielmehr würde es sich um einen genetisch veränderten Asiatischen Elefanten handeln, der einige charakteristische Eigenschaften seines ausgestorbenen Verwandten besitzt. Dazu könnten unter anderem ein dichtes, zotteliges Fell, eine dickere Fettschicht oder weitere Anpassungen an niedrige Temperaturen gehören.
„Nur weil es wie eine Ente aussieht, ist es noch lange keine Ente“
So ähnlich lief es auch schon bei dem sogenannten ausgestorbenen „Riesenwolf“ ab, der durch die Fernsehserie „Game of Thrones“ bekannt geworden ist. Colossal hatte im Jahr 2024 verkündet, dass sie diese ausgestorbene Tierart wieder ins Leben gerufen haben. Kritiker bezweifelten jedoch, dass es tatsächlich um eine Wiederbelebung dieser Tierart geht.
Ihrer Ansicht nach handelt es sich vielmehr um Grauwölfe, deren Erbgut so verändert wurde, dass sie äußerlich bestimmte Merkmale des ausgestorbenen Tieres aufweisen. Der Paläogenetiker Nic Rawlence von der University of Otago brachte diese Kritik gegenüber dem National Public Radio (NPR) so auf den Punkt: „Nur weil es wie eine Ente aussieht, wie eine Ente quakt und wie eine Ente läuft, ist es noch lange keine Ente.“
Orcas, Haie und Tiere im Meer
Tierwohl-Debatte: Experten bezweifeln Nutzen genetisch veränderter Elefanten
Damit stellt sich eine zentrale Frage: Welchen Sinn hätte es überhaupt, einen kälteresistenten „Mammut-Elefanten“ zu erschaffen? Die Eigenschaften, die dem Wollhaarmammut einst beim Überleben in der eiszeitlichen Kälte geholfen haben, sind in der heutigen Welt nicht unbedingt von Vorteil. Die Erde erwärmt sich infolge des Klimawandels. Es herrschen keine Eiszeittemperaturen mehr. Gleichzeitig existieren die riesigen Tundra- und Steppenlandschaften, durch die Mammuts einst wanderten, in ihrer ursprünglichen Form kaum noch. Die menschliche Zivilisation hat viele natürliche Lebensräume stark verändert und teilweise ausgelöscht.
Das wirft auch die Frage nach dem Tierwohl der genetisch veränderten Elefanten auf und ob ein solches Projekt überhaupt ethisch vertretbar ist. Kritiker befürchten, dass die Tiere unter den Folgen der genetischen Eingriffe oder einer Haltung in einer künstlichen Umgebung leiden könnten. Zudem müsste geklärt werden, in welcher sozialen Gruppe solche Tiere leben, welchen Lebensraum sie benötigen und ob eine spätere Auswilderung überhaupt möglich wäre.
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Kritiker: „Sie führen eine Desinformationskampagne durch“
Einige Wissenschaftler argumentieren, dass das Geld, das in das Projekt investiert wird, besser für den Schutz bereits existierender, vom Aussterben bedrohter Tierarten eingesetzt werden sollte. Schließlich stehen zahlreiche heute lebende Arten unmittelbar vor dem Aussterben.
Kritiker werfen Colossal deshalb auch vor, die Möglichkeiten der Technologie zu übertreiben, um Aufmerksamkeit und Investitionen zu gewinnen. „Sie führen eine Desinformationskampagne durch, die darauf abzielt, positive und kostenlose Öffentlichkeitsarbeit zu generieren, um die Kapitalbeschaffung für die Biotech-Entwicklung voranzutreiben“, sagt Vincent Lynch, Professor für Biologie an der Universität von Buffalo, gegenüber dem NPR.
Amelie Schmid