Varta rückt von Sanierung in Eigenregie ab


Online seit heute, 17.57 Uhr

Beim deutschen Batteriehersteller Varta, an dem der österreichische Investor Michael Tojner zu 50 Prozent beteiligt ist, hat künftig der Rechtsanwalt Tobias Wahl als Insolvenzverwalter das Sagen. Das Unternehmen rückte von einer Insolvenz in Eigenregie ab, bei der der Jurist ursprünglich als Sachwalter die Aufsicht über die Sanierung durch den Varta-Vorstand um Michael Ostermann führen sollte.

„Um die Abläufe zu vereinfachen und bürokratische Hürden abzubauen“, sei auch für die Muttergesellschaft Varta AG und die Knopfzellentochter Varta Microbattery ein klassisches Insolvenzverfahren beantragt worden, teilte Varta heute in Ellwangen mit.

Die konzerninternen Verflechtungen seien so groß, dass eine Sanierung durch ein einheitliches Verfahren erleichtert werde. Ostermann hat damit formal kaum mehr etwas zu sagen, soll aber an Bord bleiben. Für zwei andere Varta-Töchter waren ohnehin reguläre Insolvenzverfahren geplant.

Wahl, der für die Mannheimer Kanzlei Anchor Rechtsanwälte arbeitet, hatte als Sachwalter unter anderem an der Sanierung der Billigmodekette Adler gearbeitet und war Insolvenzverwalter beim Buchgroßhändler KNV. „Mein erster Eindruck ist, dass hier trotz aller widrigen Umstände ein sehr motiviertes Team arbeitet“, sagte Wahl.

Ziel ist „langfristige und tragfähige Lösung“

„Unser Ziel bleibt eine langfristige und tragfähige Lösung.“ An einer Zerschlagung von Varta führt aber wohl kein Weg vorbei. Die profitable Haushaltsbatterientochter Varta Consumer Batteries soll aus der Insolvenz herausgehalten werden. Sie soll an die Gläubiger um die Deutsche Bank und mehrere Hedgefonds gehen, an die sie bereits verpfändet war.

Varta hatte am Freitag Insolvenz angemeldet, nachdem Tojner und der Sportwagenbauer Porsche, der die anderen 50 Prozent hält, kein frisches Geld mehr nachschießen wollen. Ursachen für die Krise seien „deutlich verschlechterte Marktbedingungen, eine schwächere Nachfrage, negative Währungseffekte sowie zuletzt die Entscheidung eines Ankerkunden, die Zusammenarbeit zu beenden“.

Dabei ist Apple gemeint: Der US-Technologieriese bezieht die wiederaufladbaren CoinPower-Knopfzellen für seine AirPods-Kopfhörer künftig aus China statt aus dem Varta-Werk im bayrischen Nördlingen, das vor wenigen Jahren erweitert worden war.