Verhandlungen in Abu Dhabi: Selenskyj offen für Front-Einfrieren – unter drei Bedingungen


Stand: 24.10.2026, 17:30 Uhr

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Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine

Der ukrainische Präsident Selenskyj beim EU-Gipfel. (Archivbild) © Michael Kappeler/dpa

Präsident Selenskyj signalisiert erstmals Bereitschaft zum Einfrieren der Front. Doch Kiew verlangt US-Garantien – und Moskau beharrt auf ganz Donezk.

Kiew/Moskau/München – Nach monatelangem diplomatischem Stillstand zeichnet sich ein neuer Anlauf für direkte Friedensgespräche zur Beendigung des Ukraine-Krieges ab. Wie die ukrainische Zeitung Kyiv Post unter Berufung auf US-Regierungskreise meldet, bereiten die USA, die Ukraine und Russland trilaterale Verhandlungen auf Arbeitsebene vor. Die Gespräche sollen ab Mitte November – voraussichtlich ab dem 10. November 2026 – in Abu Dhabi (Vereinigte Arabische Emirate) oder alternativ in der Schweiz stattfinden.

Ziel der Delegationen ist es, das Fundament für einen möglichen späteren Gipfel der Staats- und Regierungschefs zu legen. Dem geplanten Treffen gingen intensive Vorgespräche voraus: US-Sondergesandter Steve Witkoff beriet sich zunächst in Oslo mit Vertretern Kiews und traf am 21. Oktober im Konstantinpalast in St. Petersburg zu einem rund dreistündigen Gespräch mit Kremlchef Wladimir Putin zusammen. Als humanitäre Geste im Zuge dieser Kontakte ließ Moskau den inhaftierten US-Bürger Stephen Hubbard frei.

US-Sondergesandter Steve Witkoff bereitete die Gespräche in St. Petersburg und Oslo vor (Archivbild).

US-Sondergesandter Steve Witkoff bereitete die Gespräche in St. Petersburg und Oslo vor (Archivbild). © FABRICE COFFRINI / POOL / AFP

Warum diese Verhandlungen anders sein könnten als frühere Versuche

Dass die bevorstehenden Konsultationen in Abu Dhabi mehr Gewicht haben als frühere, gescheiterte Verhandlungsrunden, liegt an mehreren veränderten Rahmenbedingungen:

Kiews Bedingungen: Frontlinie einfrieren, aber kein Territorium abtreten

Präsident Wolodymyr Selenskyj stellte die ukrainische Verhandlungsposition bei einer Grundsatzrede vor dem Hudson Institute in Washington sowie in Interviews mit den US-Sendern ABC News und Fox News klar. Die Ukraine sei bereit, die Kampfhandlungen einzustellen und die Frontlinie im aktuellen Zustand einzufrieren, um weiteres Blutvergießen zu stoppen.

Selenskyj zog dabei jedoch eine unmissverständliche rote Linie: Ein Einfrieren bedeute keinesfalls eine völkerrechtliche Anerkennung der russischen Besatzung oder die formelle Abtretung ukrainischen Bodens. Der Präsident stellte klar, dass Russland derzeit 19,3 Prozent des ukrainischen Staatsgebiets besetze – eine von manchen Verhandlungspapieren kolportierte Abtretung von 25 Prozent würde bedeuten, dass Kiew auch unbesetzte Teile des Donbass aufgeben müsste, was völlig ausgeschlossen sei.

Für eine dauerhafte Vereinbarung formulierte Selenskyj drei Kernforderungen:

Zudem warnte Selenskyj die westlichen Partner davor, Sanktionen gegen Russland vorzeitig zu lockern oder eingefrorene russische Staatsvermögen freizugeben, bevor bindende Sicherheitszusagen und Gegenleistungen Moskaus vorliegen.

Kremlchef Wladimir Putin knüpft eine Einigung an Maximalforderungen in Donezk (Archivbild).

Kremlchef Wladimir Putin knüpft eine Einigung an Maximalforderungen in Donezk (Archivbild). © Vyacheslav Prokofyev/dpa

Moskaus Gegendruck: Das Beharren auf dem Donezk-Rückzug

Trotz der prinzipiellen Zustimmung zu den trilateralen Gesprächen reagiert der Kreml verhalten auf Kiews Signale. Putins Berater Juri Uschakow erklärte laut dpa, die vorliegenden Vorschläge stellten Russland noch nicht „völlig zufrieden“.

Moskau knüpft einen dauerhaften Waffenstillstand weiterhin an Maximalforderungen:

Neue Verhandlungen im Ukraine-Krieg: Wie stehen die Erfolgschancen?

Wie einflussreich die Verhandlungen diesmal sein werden, bleibt fraglich. Die Front ist bereits seit Monaten festgefahren, beide Seiten erzielen kaum relevante Geländegewinne. Politisch dagegen bewegt sich die große Variable Donald Trump wieder näher an Russlands Machthaber Putin. Auch die Midterms im November werden bei allen drei Seiten eine Rolle spielen, eine Wahlschlappe von Trumps Republikanern dürfte auch Auswirkungen auf den Krieg in Europa haben.

Und Europa? Europa ist nicht an den Verhandlungen beteiligt. (Verwendete Quellen: dpa, kyivpost.ua, eigene Recherche) (spr)