Waldbrände in Indonesien: Die wichtigsten Fragen und Antworten
Flammen fressen sich durch das Holz und hüllen ganze Landstriche in grauen Rauch: Seit Monaten brennen in Indonesien Wälder. Rund 3000 Quadratkilometer Wald dürften bereits abgebrannt sein. Das hat verheerende Auswirkungen für die betroffene Bevölkerung, die unter dem beissenden, giftigen Rauch leidet. Viele fühlen sich von den Behörden im Stich gelassen. SRF-Korrespondent Martin Aldrovandi hat mit Betroffenen gesprochen.
Martin Aldrovandi
Südostasien-Korrespondent
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Martin Aldrovandi berichtet seit Frühjahr 2023 als Korrespondent für Radio SRF aus Südostasien. Zuvor war er von 2016 bis Sommer 2022 Korrespondent für Radio SRF in Nordostasien mit Sitz in Schanghai. Davor hatte er mehrere Jahre lang als freier Journalist aus dem chinesischsprachigen Raum berichtet.
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Wie gross ist das Ausmass der Brände?
Die Dimensionen sind gewaltig. In insgesamt sechs indonesischen Provinzen wüten derzeit Hunderte von Feuern. Besonders betroffen sind die Region Kalimantan auf der Insel Borneo sowie Teile der Insel Sumatra. Rund 3000 Quadratkilometer sollen bereits abgebrannt sein. Zehntausende Feuerwehrleute, Soldaten und freiwillige Helferinnen und Helfer sind im Einsatz.
Warum sind die Brände so schwer zu löschen?
Der Hauptgrund liegt im Boden. Die Brände zerstören eines der weltweit grössten Torfmoor-Ökosysteme. Torf ist ein kohlenstoffreicher, weicher Sumpfboden. Wenn dieser austrocknet und Feuer fängt, brennt er nicht nur oberflächlich, sondern frisst sich tief in die Erde. Von aussen sieht eine Fläche oft gelöscht aus, doch unter der Erde schwelen die Brände unbemerkt weiter. Um diese Glutnester zu ersticken, benötigen die Einsatzkräfte grosse Mengen an Wasser.
Was sind die Ursachen für die Katastrophe?
Ein Grund sind Brandrodungen, die ausser Kontrolle geraten sind. Seit Jahrzehnten werden in Indonesien riesige Flächen Regenwald und Torfmoor für Plantagen (wie Palmöl), die Holzwirtschaft und Bauprojekte abgebrannt. Die Behörden ermitteln bereits gegen mehrere Unternehmen. In diesem Jahr sorgt zudem ein starkes El-Niño-Phänomen für eine extreme, langanhaltende Dürre, was die Ausbreitung der Feuer massiv begünstigt.
Wie stark leidet die Bevölkerung unter dem Rauch?
Für die Menschen vor Ort ist die Lage gesundheitlich katastrophal. Der dichte, giftige Smog ist allgegenwärtig. Anwohnerinnen und Anwohner berichten von Atemnot und Blut im Speichel. Besonders gefährdet sind Kleinkinder, Schwangere und ältere Menschen. Wer es sich leisten kann, schützt sich zu Hause mit Luftfiltern und hält Fenster und Türen verriegelt.
Der Kampf gegen die Flammen dauert unvermindert an – und dürfte sich noch auf unbestimmte Zeit fortsetzen.
Getty Images/Anadolu/Muhammad Fajri
Zahlreiche Schulen in den betroffenen Gebieten mussten schliessen und haben auf Online-Unterricht umgestellt. Zwar raten die Behörden der Bevölkerung, in den Häusern zu bleiben. Für viele ist das jedoch keine Option. Kleinbauern oder Händler müssen im Freien arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Viele Betroffene fühlen sich im Stich gelassen. Sie werfen der Regierung zudem vor, das Ausmass der Brände heruntergespielt zu haben.
Wann ist ein Ende in Sicht?
Eine rasche Entspannung zeichnet sich nicht ab. Laut dem staatlichen Wetterdienst wird die extreme Trockenheit noch den ganzen September anhalten und kann bis in den Oktober hineinreichen. Die Wälder Borneos gelten neben dem Amazonas als eine der wichtigsten «Lungen der Erde». Durch die Brände werden grosse Mengen an Schadstoffen wie Kohlendioxid freigesetzt.