„Verlotterte Linke“: Kampfansagen und Schmähungen beim Nachwuchskongress der AfD in Sachsen-Anhalt


Eine Woche vor der Wahl in Sachsen-Anhalt hat der AfD-Landesvorsitzende Martin Reichardt den Bundeskongress der AfD-Nachwuchsorganisation in Magdeburg für eine Kampfansage an linksgerichtete Kräfte im Land genutzt. „Am 6. September holen wir uns unser Deutschland zurück“, sagte Reichardt mit Blick auf die Wahl.

Die AfD, die in dem ostdeutschen Bundesland vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestuft wird, hofft am Sonntag kommender Woche erstmals auf eine absolute Mehrheit der Mandate, um ihren Spitzenkandidaten Ulrich Siegmund zum Ministerpräsidenten wählen zu können. Er wird am Nachmittag in Magdeburg erwartet.

Einer aktuellen Umfrage zufolge würde die Partei, die mit 40 Prozent weiter klar vorn liegt, dies aber verpassen. Koalitionen mit der AfD schließen die anderen Parteien aus. Denkbar ist eine von der Linken geduldete Minderheitsregierung aus CDU, SPD und Grünen.

Die Zeit dieser verkommenen linken Zustände in Deutschland geht zu Ende

Martin Reichardt, Landeschef der AfD in Sachsen-Anhalt

Reichardt polterte weiter: „Die Zeit dieser verkommenen linken Zustände in Deutschland geht zu Ende. Wir werden der verlotterten Linken das Sorgerecht für Deutschland entziehen.“

Reichardts Rede war mit Schmähungen durchsetzt, die von den rund 300 Delegierten des Bundeskongresses der AfD-Nachwuchsorganisation „Generation Deutschland“ mit großem Jubel quittiert wurden. Reichardt bezeichnete den Staat in Deutschland als „stinkenden, faulen Assi, der sein Geld fürs Nichtstun von der Friedrich-Ebert-Stiftung bekommt, um regelmäßig mit seinen Freunden vom öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu saufen und die Internationale zu lallen“.

Der AfD-Politiker warf „linken Kräften“ zudem die Zerstörung der deutschen Sprache vor. „Unsere Muttersprache ist längst keine liebevolle, treusorgende Frau mehr“, sagte der Bundestagsabgeordnete Reichardt. „Muttersprache ist heute ein aufgedunsenes, intersektional-feministisches Flittchen: Ihre Haare sind zerzaust, und der rote Lippenstift ist verschmiert.“ Auch diese Äußerung löste unter den Delegierten Jubel aus.

Zuvor hatte Florian Ruß, Bundesvorstandsmitglied der Generation Deutschland, die Delegierten in seiner Eröffnungsansprache mit den Worten begrüßt: „Willkommen im Osten, willkommen in Preußen.“ Es sei „kein Zufall“, dass der Bundeskongress in Magdeburg stattfinde, sagte Ruß.

„Generation Deutschland“ der AfD war im November gegründet worden

„In einer Woche wird hier Geschichte geschrieben.“ Die AfD werde in Sachsen-Anhalt nach der Wahl erstmals Regierungsverantwortung übernehmen. „Nächste Woche wird die Ideologie der Beliebigkeit an den Wällen dieser Stadt zerschellen“, sagte Ruß.

Die Generation Deutschland war im vergangenen November gegründet worden – als Nachfolgerin der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative (JA). Diese war einige Monate zuvor aufgelöst worden, nachdem sie vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) als gesichert rechtsextremistisch eingestuft worden war.

Die Sicherheitsbehörden haben auch die neue Nachwuchsorganisation im Blick. Das BfV geht nach eigenen Angaben von einer „programmatischen und personellen Kontinuität“ zwischen der aufgelösten JA und der neuen Organisation aus.

Der Verfassungsschutz hatte auch die AfD-Mutterpartei auf Bundesebene im Mai vergangenen Jahres zur gesichert rechtsextremistischen Bestrebung hochgestuft. Weil die AfD dagegen klagte, lässt die Behörde die neue Einstufung bis zu einer juristischen Klärung vorerst ruhen. Sie wird deshalb vorerst weiter als rechtsextremistischer Verdachtsfall behandelt.

Gegendemonstrationen hielten sich bis vor Beginn der Veranstaltung in Grenzen. Ein Sprecher des Polizeireviers Magdeburg sagte, bei Veranstaltungen gegen den Bundeskongress, gegen die AfD und gegen Rassismus direkt vor dem Tagungsort sowie andernorts in Magdeburg seien bis zum frühen Vormittag rund 250 Personen gezählt worden. Die Polizei gehe von steigenden Zahlen aus.

In der Nähe des Theaters versammelten sich zunächst wenige Menschen rund um den mit starken Lautsprechern ausgerüsteten Bus „Adenauer SRP+“ der Gruppe „Zentrum für Politische Schönheit“. Damit hatte die Organisation vor einem Jahr das ARD-„Sommerinterview“ mit Weidel in Berlin vom anderen Spreeufer aus so beschallt, dass kaum noch etwas zu verstehen war. Nach Angaben eines Polizisten vor Ort wurde für den Bus dieses Mal eine Maximallautstärke verfügt. (AFP, dpa, lem)