„Ins Gesicht gespuckt“: Orbán-Vertraute attackieren Ex-Dschinghis-Khan-Star Leslie Mándoki
„Verräter“ und „Trottel“: Orbán-Lager attackiert Dschinghis-Khan-Legende Leslie Mándoki
Stand: 18.09.2026, 07:33 Uhr
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Leslie Mándoki war jahrelang Vorzeige-Promi von Ungarns Ex-Ministerpräsident Viktor Orbán. Nach dessen politischer Niederlage distanziert sich Mándoki nun von seinem alten Förderer.
Budapest – Auf Anfrage des Nachrichtenportals Telex erklärte Mándoki vor Kurzem, er habe sich nie als Orbán-Anhänger gesehen und sei schon vor Jahren mit mehreren Positionen der Regierung nicht einverstanden gewesen.
In der Rückschau betonte er, dass seine öffentliche Präsenz an der Seite des damaligen Ministerpräsidenten fälschlicherweise den Eindruck erweckt habe, er teile sämtliche politischen Ansichten und Strategien des Fidesz-Lagers. Besonders störte ihn nach eigener Darstellung Orbáns Annäherung an Moskau, die er als strategischen Irrweg für Ungarn bezeichnete.
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Der Musiker lobte die neue Regierung von Péter Magyar und sagte, er freue sich und sei dankbar, dass Ungarn wieder „einen würdigen Platz im Herzen Europas“ einnehme. Zugleich begrüßte er, dass die Tisza-Regierung an einer strikten Politik gegen illegale Migration festhält und damit einen Kurs der „Verantwortung gegenüber den Bürgern“ verfolge.

Die Äußerungen lösten Empörung in den Fidesz-nahen Medien und bei konservativen Meinungsmachern aus. Kommentatoren warfen Mándoki in scharfen Kolumnen vor, er wolle sich nach dem Machtwechsel opportunistisch neu positionieren, statt zu seinen früheren öffentlichen Auftritten an Orbáns Seite zu stehen. In mehreren Beiträgen wurde infrage gestellt, ob der Musiker jemals wirklich aus politischer Überzeugung gehandelt habe.
Harte Vorwürfe von Orbán-nahen Publizisten
Mária Schmidt, eine ungarische Historikerin und die Generaldirektorin des Hauses des Terrors (Terror Háza) in Budapest, warf Mándoki vor, er habe „Orbán ins Gesicht gespuckt“ und es habe ihn in Wahrheit immer nur das Geld interessiert.
Sie behauptete zudem, Mándoki profitiere nun vom Stimmungswandel im Land, nachdem er zuvor jahrelang von der Nähe zur Regierung finanziell und reputationsmäßig profitiert habe. Der regierungsnahe Publizist Zsolt Bayer nannte den Musiker einen „Verräter“ und einen „billigen, kleinkarierten Trottel“.
Zuvor hatte die Orbán-freundliche Presse Mándoki noch als Künstler von Weltniveau und als „Legende anspruchsvoller Musik“ gefeiert. Der plötzliche Stimmungsumschwung in den regierungstreuen Medien gilt vielen Beobachtern als Zeichen dafür, wie sehr das ehemalige Umfeld des Ex-Ministerpräsidenten auf Distanzierungen reagiert.
Jahre der Nähe zwischen Mándoki und Orbán
Musiker Leslie Mándoki und Viktor Orbán pflegten über Jahre ein demonstrativ gutes Verhältnis. Der ehemalige Ministerpräsident Ungarns besuchte seine Konzerte. Beide traten gemeinsam bei öffentlichen Veranstaltungen auf und präsentierten sich als enge Vertraute.
Bei nationalen Feiertagen und kulturellen Großereignissen war Mándoki häufig an Orbáns Seite zu sehen, was sein Image als prominenter Unterstützer der Regierung verstärkte. Wegen seiner politischen und wirtschaftlichen Kontakte in Deutschland setzte die Orbán-Regierung ihn auch als informellen Mittelsmann ein.

Mándoki wurde unter anderem zu einem Stammgast der staatlichen Feierlichkeiten am 20. August, dem ungarischen Nationalfeiertag. Dort trat er sowohl als Künstler als auch als symbolische Brücke zwischen Ungarn und der deutschsprachigen Welt auf, was ihn zu einem bevorzugten Aushängeschild der Regierung machte.
Laut einer früheren Aufstellung erhielten seine verschiedenen Kultur- und Medienprojekte in fünf Jahren mindestens zwei Milliarden Forint, umgerechnet rund 5,5 Millionen Euro, an staatlicher Förderung. Das Geld floss in Konzerte, Studioarbeit und internationale Produktionen, die Ungarn kulturell ins Rampenlicht rücken sollten.
Kritiker monierten bereits damals, dass der Musiker unverhältnismäßig stark von öffentlichen Geldern profitiere, während andere Künstler kaum Unterstützung erhielten.
Staatliche Ehrungen und abruptes Ende einer Ära
Im Jahr 2024 zeichnete der Staat ihn zusätzlich mit der höchsten kulturellen Auszeichnung, dem Kossuth-Preis, aus. Mit dieser Ehrung stellte die Regierung Mándoki in eine Reihe mit den renommiertesten Künstlerinnen und Künstlern des Landes.
Der Musiker selbst sprach damals von einer großen Ehre und betonte, er verstehe die Auszeichnung als Anerkennung für seine internationalen musikalischen Verdienste und seinen Einsatz für Ungarn. Doch all das endete mit der ungarischen Parlamentswahl am 12. April 2026, bei der Orbán nach 16 Jahren an der Macht abgewählt wurde.
Bei der Wahl errang die Oppositionspartei TISZA unter Péter Magyar eine klare Zweidrittelmehrheit, während Orbáns Fidesz-Partei eine schwere Niederlage erlitt. In der Folge änderten sich nicht nur die politischen Mehrheiten, sondern auch die öffentlichen Loyalitäten vieler früherer Unterstützer des langjährigen Regierungschefs.
Leslie Mándoki ist vielen deutschen Schlagerfans ein Begriff. Mit der Band Dschinghis Khan hatte er den von Ralph Siegel produzierten Welthit „Dschinghis Khan“, der weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt wurde. Die eingängige Melodie und der markante Sound machten das Lied zu einem der prägenden Schlagerhits der späten 1970er-Jahre und verschafften Mándoki einen festen Platz in der Popgeschichte.
Von der Flucht aus Ungarn zum Eurovisionsstar
Mit diesem Titel war die Band 1979 sogar beim Eurovision Song Contest für Deutschland gestartet und auf dem vierten Platz gelandet. Insbesondere die auffällige Choreografie und Kostümierung brachten der Gruppe europaweit Aufmerksamkeit und ließen sie aus der Masse der damaligen Wettbewerbsteilnehmer hervortreten.
Wenig später landete der Titel auf Platz 1 der deutschen Charts und verblieb dort weitere drei Wochen, was den kommerziellen Erfolg zusätzlich unterstrich. Als junger Musiker floh Leslie Mándoki 1975 aus dem kommunistischen Ungarn nach Deutschland.

Aus dem Wunsch nach Freiheit entstand eine internationale Karriere als Musiker, Produzent und Gründer der Mandoki Soulmates, in deren Rahmen er mit zahlreichen weltbekannten Künstlerinnen und Künstlern zusammenarbeitete. Seine Biografie gilt vielen als Beispiel für den Erfolg eines politischen Flüchtlings, der sich im Westen eine neue Existenz aufbaute.
Aktuell lebt Mándoki am Starnberger See. In den vergangenen Jahren war er aber vor allem auf ungarischen Bühnen zu sehen – als großer Fan und Befürworter von Viktor Orbán, bevor er nun öffentlich auf Abstand zu seinem einstigen politischen Weggefährten ging. Beobachter erwarten, dass seine jüngsten Aussagen die Debatte über die Rolle prominenter Kulturschaffender in der ungarischen Innenpolitik weiter anheizen werden.