Visa von 30 Tagen: Taliban-Vertreter sind nach Berlin gereist


Visa von 30 TagenTaliban-Vertreter sind nach Berlin gereist

29.08.2026, 13:08 Uhr

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Neben der Botschaft in Berlin gibt es Generalkonsulate in Bonn und München (Foto: picture alliance / SZ Photo)

Das Taliban-Regime in Kabul wird von der Bundesregierung offiziell nicht anerkannt. Bereits in den vergangenen Monaten übernahmen Taliban aber die diplomatische Vertretung in Berlin. Nun soll eine Delegation dorthin gereist sein. Treibende Kraft ist Innenminister Dobrindt.

Die islamistischen Taliban haben vorübergehend weiteres Personal nach Deutschland geschickt. Die Erlaubnis zur Einreise dieser Vertreter der afghanischen Machthaber erteilte die Bundesregierung, um mehr Ausreisepflichtige nach Afghanistan abschieben zu können. Den drei Männern seien in der deutschen Vertretung in Katar Visa für 30 Tage ausgestellt worden, berichtete der NDR. Derzeit halten sie sich demnach an der afghanischen Botschaft im Berliner Stadtteil Grunewald auf.

Das Auswärtige Amt bestätigte die Anwesenheit der Taliban in Deutschland und auch, dass dies im Zusammenhang mit weiteren Abschiebungen afghanischer Staatsbürger nach Afghanistan stehe. "Für das im Koalitionsvertrag vereinbarte Ziel, Rückführungen nach Afghanistan durchzuführen, müssen Dokumente ausgestellt werden, die die De-facto-Regierung anerkennt", hieß es. Dafür müssten neben ausreichend Personal auch die technischen Voraussetzungen bestehen, zumal wenn die Zahl der Rückführungen steigen solle. "Um diese technischen Voraussetzungen zügig zu schaffen, ist kurzzeitig ein technisches Unterstützerteam eingereist.

Seit Beginn der aktuellen Legislaturperiode wurden laut Bundesinnenministerium insgesamt 228 Männer nach Afghanistan abgeschoben - vor allem Straftäter. Die letzte Sammelabschiebung mit 23 Ausreisepflichtigen an Bord hob am Dienstag vom Flughafen Leipzig/Halle ab in Richtung Kabul.

Offiziell nicht anerkannt

Die Bundesregierung hatte, um die Abschiebungen zu ermöglichen, die Entsendung einzelner Diplomaten der Taliban an die afghanischen Vertretungen in Deutschland gestattet. Treibende Kraft ist dabei Bundesinnenminister Alexander Dobrindt. Sein ausgewiesenes Ziel sind mehr Abschiebungen. Zuvor hatten dort ausschließlich Diplomaten gearbeitet, die noch von der Vorgängerregierung entsandt worden waren.

Anfang Juni war eine geplante Sammelabschiebung abgesagt worden, weil die Taliban-Machthaber nicht kooperierten. Sie hatten sich unzufrieden gezeigt über die aus ihrer Sicht mangelnde Gesprächsbereitschaft von Vertretern des Auswärtigen Amtes. Die Bundesregierung erkennt die Taliban-Regierung in Kabul offiziell nicht an. Kritiker, etwa aus den Reihen der Grünen, haben wiederholt bemängelt, dass die Bundesregierung dennoch praktische Zugeständnisse macht, um Abschiebungen zu ermöglichen. Die Taliban-Regierung verletzt systematisch Menschenrechte in Afghanistan - insbesondere die von Frauen.

Quelle: ntv.de, raf/AFP