Volkswagen Group: Gewinn sinkt, E-Auto-Nachfrage steigt


Die Volkswagen Group hat im ersten Halbjahr 2026 ein durchwachsenes operatives Ergebnis vorgelegt, verzeichnet bei elektrischen Fahrzeugen jedoch eine spürbar anziehende Nachfrage. Der Umsatz des Konzerns lag mit 158,1 Milliarden Euro nahezu auf Vorjahresniveau (minus 0,2 Prozent), während das operative Ergebnis um 11,6 Prozent auf 5,9 Milliarden Euro zurückging. Die operative Umsatzrendite sank auf 3,8 Prozent.

Vorstandschef Oliver Blume ordnete die Entwicklung als Ausdruck einer laufenden Neuausrichtung ein: „Die Neuausrichtung der Volkswagen Group der vergangenen drei Jahre zeigt Wirkung, in allen Bereichen des Unternehmens.“ Weltweit habe der Konzern mehr Autos ausgeliefert als im Vorjahr, wenn man den chinesischen Markt herausrechnet, der um 20 Prozent eingebrochen sei.

Elektroauto-Nachfrage zieht in Europa deutlich an

Besonders im Bereich der Elektromobilität zeigt sich eine positive Tendenz. Der Auftragsbestand für vollelektrische Autos in Europa legte gegenüber dem Jahresende 2025 um mehr als 50 Prozent zu, der Elektro-Anteil am gesamten Auftragsbestand stieg auf über 30 Prozent. Im zweiten Quartal 2026 gingen in Europa mehr als 50 Prozent mehr Bestellungen für vollelektrische Autos ein als im Vorjahreszeitraum. Besonders gefragt zeigt sich die neue Electric Urban Car Family rund um den ID. Polo: Innerhalb weniger Wochen zählte Volkswagen dafür mehr als 70.000 Bestellungen, deutlich mehr als ursprünglich erwartet.

Der weltweite Fahrzeugabsatz des Konzerns fiel im ersten Halbjahr insgesamt um 8,4 Prozent auf 4,0 Millionen Autos. Zuwächse in Südamerika (plus 5,2 Prozent), Westeuropa (plus 1,3 Prozent) sowie Zentral- und Osteuropa (plus 9,6 Prozent) konnten den Rückgang in China nur teilweise ausgleichen, wo der Absatz um 31,6 Prozent einbrach. In Nordamerika stand nach einem Wachstum im zweiten Quartal zum Halbjahr ein leichtes Plus von 0,9 Prozent.

Volkswagen | Absatzzahlen Erstes Halbjahr 2026

Für den Rückgang des operativen Ergebnisses nannte der Konzern unter anderem Aufwendungen von rund 0,5 Milliarden Euro im Zusammenhang mit der Einstellung der ID.4-Produktion in den USA sowie negative Mixeffekte. Finanzvorstand Arno Antlitz verwies zugleich auf strukturelle Herausforderungen: „Trotz dieser Fortschritte liegt unsere operative Marge mit 3,8 Prozent weiterhin auf zu niedrigem Niveau und unterstreicht den Handlungsbedarf.“ In einem Umfeld, in dem der chinesische Gesamtmarkt schrumpfe und chinesische Wettbewerber ihre Exporte nach Europa ausweiteten, reichten die bislang geplanten Maßnahmen nicht aus, so Antlitz weiter. Der Konzern kündigte an, die Kostenbasis in der Fahrzeugentwicklung, bei Gemeinkosten und in den Werken strukturell senken zu wollen.

Positiv entwickelte sich der Netto-Cashflow im Konzernbereich Automobile, der im ersten Halbjahr bei 3,2 Milliarden Euro lag, nach minus 1,4 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum. Grund dafür waren unter anderem niedrigere Steuerzahlungen und geringere Investitionen in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung.

Ausblick für 2026 leicht nach unten angepasst

Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Volkswagen nun mit einer Umsatzentwicklung zwischen minus 3 und 0 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nachdem zuvor ein Plus von bis zu 3 Prozent in Aussicht gestellt worden war. Die operative Umsatzrendite soll unverändert zwischen 4,0 und 5,5 Prozent liegen, für das zweite Halbjahr erwartet der Konzern eine Verbesserung gegenüber den ersten sechs Monaten. Der Netto-Cashflow für das Gesamtjahr wird zwischen 3 und 6 Milliarden Euro prognostiziert, die Nettoliquidität im Konzernbereich Automobile zwischen 32 und 34 Milliarden Euro.

Die Prognose basiert nach Angaben des Konzerns auf der Annahme, dass die aktuelle Zollsituation im internationalen Handel Bestand hat. Mögliche Auswirkungen einer Eskalation im Nahen Osten seien darin nicht berücksichtigt.

Unter den Markengruppen erzielte Sport Luxury mit Porsche eine operative Rendite von 8,0 Prozent, während die Markengruppe Core ihr operatives Ergebnis um 4,5 Prozent auf 3,6 Milliarden Euro steigerte. Bei den Nutzfahrzeugen legte der Auftragseingang der Traton Group um 30 Prozent auf knapp 182.000 Fahrzeuge zu, das operative Ergebnis sank dort jedoch um 24 Prozent auf 942 Millionen Euro.

Quelle: Volkswagen Group – Pressemitteilung