Game Over: Diese Fortsetzungen haben ganze Marken gegen die Wand gefahren


Egal, ob Command & Conquer, Unreal oder Die Siedler: Im Laufe der Jahre haben wir etliche großartige Marken kommen und gehen sehen. Manche davon waren einfach nicht mehr angesagt, andere hat der Publisher langsam tot gemolken. Doch manchmal wurden sie auch von einem einzigen Spiel ruiniert. Einer Fortsetzung, die so umstritten, enttäuschend oder erfolglos war, dass sie ein komplettes Franchise abgewürgt hat.

In diesem Special stellen wir euch 15 dieser Fortsetzungen vor: Spiele, die es irgendwie geschafft haben, eine beliebte Reihe mit Schmackes an die Wand zu fahren. Das heißt übrigens nicht, dass die Marke deshalb komplett tot ist und es auch für immer bleibt. Aber sie wurde zumindest so stark beschädigt, dass wir ihr mehr als einmal den Puls gefühlt haben.

Unreal II: The Awakening

Legend Entertainment | PC, Xbox | Februar 2003/ Februar 2004

Im Jahr 1998 steht der Name „Unreal“ noch nicht für eine Engine, die gefühlt jeder kennt, sondern vor allem für einen Ego-Shooter! Das erste Unreal markiert Epics großen Durchbruch auf dem PC-Markt und setzt mit brillanten Effekten, toller Atmosphäre und weitläufigen Levels neue Maßstäbe.

Unreal 2 wird zwar kurz darauf angekündigt, lässt dann aber noch jahrelang auf sich warten. Epic ist zu der Zeit nämlich mit der Unreal-Tournament-Serie und seinem Grafikmotor beschäftigt. Die Entwicklung von Unreal 2 wird darum an Legend Entertainment ausgelagert. Das Team bekommt zwar die brandneue Unreal Engine 2 in die Hand gedrückt, doch die Produktion verläuft trotzdem chaotisch - auch weil man sich anfangs viel zu hohe Ziele setzt.

Unreal 2

Bildquelle: Archiv

Unreal 2: The Awakening wird ordentlich gehypt, doch das fertige Spiel erfüllt die Erwartungen nicht - trotz einer tollen Grafikengine.

Unreal 2: The Awakening erscheint erst im Jahr 2003, begleitet von einem Hype, dem das Spiel nicht gerecht werden kann. Der Shooter ist grafisch zwar ein Brett, mit toller Weitsicht, aufwendiger Physik, schicken Partikeln und so weiter. Doch die exotische Atmosphäre und das raffinierte Leveldesign des ersten Teils sind dahin. Stattdessen gibt’s eine Sci-Fi-Story von der Stange mit klischeehaften Charakteren, zu langen Cutscenes und Dialogen und dafür kaum Bezüge zum Vorgängerspiel.

Groß angekündigte Features wie eine Sternenkarte mit nichtlinearer Missionsstruktur, ein dynamisches Dialogsystem und einige besonders coole Missionsideen werden außerdem aus Zeitgründen gestrichen. Und das merkt man dem Endergebnis auch immer wieder mal an.

Das fertige Spiel ist trotzdem kein Reinfall, vor allem auf dem PC fallen die Wertungen noch ordentlich aus - doch die riesigen Erwartungen werden einfach nicht erfüllt. Weil anfangs auch ein Mehrspielermodus fehlt, was zu der Zeit übrigens nicht ungewöhnlich ist, wird Unreal 2 schnell ein Fall für den Grabbeltisch. Ein kostenloses Mehrspieler-Add-on wird zwar später nachgereicht, aber da ist der Drops schon gelutscht. Epic kann es egal sein, die haben mit ihrer Engine und Unreal Tournament noch mehr als genug Eisen im Feuer. Doch Unreal 3 ist ab da nie mehr ein Thema – fürs Shooter-Genre ein echter Verlust.

In diesem Artikel

  1. Seite 1 Fatale Fortsetzungen - Von Unreal bis Sacred

  2. Seite 2 Fatale Fortsetzungen - Von Dungeon Keeper bis Dead Space

  3. Seite 3 Fatale Fortsetzungen - Von Ultima bis Duke Nukem

  4. Seite 4 Fatale Fortsetzungen - Von Saints Row bis C&C

  5. Seite 5 Bildergalerie

Empire Earth 3

Mad Doc Software | PC | November 2007

Rund um die Jahrtausendwende ist kein Echtzeitstrategiespiel angesagter als Age of Empires 2. Viele Spiele wollen an den Erfolg anknüpfen, darunter auch Empire Earth aus dem Jahr 2001. Die Entwickler haben ihre Hausaufgaben gemacht: Hier spielt man sich nicht nur durch ein paar Epochen, sondern durch stolze 500.000 Jahre Menschheitsgeschichte, von der Urgeschichte bis ins Weltraumzeitalter. Gute 3D-Grafik und viel Spieltiefe überzeugen Genre-Kenner, und auch die Verkaufszahlen können sich sehen lassen.

Trotzdem möchten die Entwickler von Stainless Steel Studios keinen Nachfolger umsetzen. Darum wird das US-Studio Mad Doc Software angeheuert. Sie veröffentlichen Empire Earth 2 im Jahr 2005, mit neuen Features, mehr Spieltiefe und einer frischen Engine im Gepäck. Das Spiel ist kein Volltreffer, aber immer noch ein guter Nachfolger. Die Verkaufszahlen bleiben aber schon hinter dem ersten Teil zurück.

Empire Earth 3

Bildquelle: Mad Doc Software

Das dritte Empire Earth vereinfacht viele Spielelemente und packt dafür nervigen Humor dazu - genau darauf hatten RTS-Fans aber gar keine Lust.

Trotzdem legt Mad Doc Software zwei Jahre später mit Empire Earth 3 nach. Das Spiel will mit einer neuen, globalen Kampagnenkarte punkten, auf der man sein Imperium zwischen den Schlachten zur Weltherrschaft führt. Klingt nach mehr Anspruch, liefert aber das genaue Gegenteil: Das Gameplay wird an vielen Stellen vereinfacht und massentauglicher. Die 14 Epochen des ersten Teils werden stark zusammengedampft, es gibt weniger Einheiten und nur noch drei grundlegende Zivilisationen. Auch die schwache Gegner-KI, die holprige Wegfindung und die eintönige Kampagne kommen schlecht weg. Besonders viel Kritik muss aber die Sprachausgabe einstecken, die mit deplatzierten Gags die Geduld strapaziert.

Die Wertungen fallen entsprechend hart aus und Empire Earth 3 entpuppt sich als waschechter Flop. Für die Entwickler hat die Sache aber zumindest noch ein Happy End: Mad Doc Software wird 2008 von Take-Two aufgekauft und in die Rockstar-Familie integriert. Seitdem hat das Studio als Rockstar New England an zig Projekten wie Bully, GTA 5 oder Red Dead Redemption 2 mitgewirkt und ist auch heute noch im Geschäft. Für Empire Earth kann man das allerdings nicht gerade behaupten – die Serie ist komplett in der Versenkung verschwunden.

Sacred 3

Keen Games | August 2014

Das erste Sacred entpuppt sich im Jahr 2004 als Überraschungserfolg: Ein riesiges Hack & Slay im Diablo-Stil, mit massig Beute, offener Spielwelt und hübscher Grafik. Vier Jahre später versucht Sacred 2 das Ganze dann gewaltig aufzublasen, scheitert aber an seinen Ambitionen. Für Entwickler Ascaron ist das Spiel der letzte Sargnagel, 2009 muss das Kult-Studio aus Gütersloh schließen.

Deep Silver übernimmt ab da die Markenrechte und sucht ein passendes Studio für einen Nachfolger. Der Auftrag geht schließlich an das deutsche Team Keen Games. 2014 wird ihre Vorstellung von einem Sacred 3 fertig - und sorgt bei den Fans für blankes Entsetzen.

Sacred 3

Bildquelle: PC Games

Eintönige Action, kaum Rollenspiel und Gags zum Fremdschämen: Sacred 3 wird von den Fans in der Luft zerrissen, völlig zu Recht.

Aus dem Open-World-Action-RPG ist ein arcadiger, einfältiger Koop-Brawler geworden, der nix mehr mit den Vorgängern gemein hat. Rollenspiel-Elemente sind nahezu verschwunden, dafür gibt’s lineare Level, massenhaft Gegner, hohle Action und null Abwechslung. Das Sahnehäubchen ist aber der unerträgliche Humor – es wimmelt in dem Spiel nur so vor hohlen Sprüchen und flachen Gags, manches davon so mies, dass uns auch heute noch davon die Ohren bluten.

(Wir haben dem hohlen Humor von Sacred 3 übrigens ein ganzes Video gewidmet. Anschauen auf eigene Gefahr.)

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Logisch, dass Sacred 3 von allen Seiten verdroschen wird. Die Marke ist seitdem mausetot, abgesehen von einem halbherzigen Remaster des zweiten Teils, mit dem aber eigentlich auch niemand so richtig glücklich ist. Zumindest ein Gutes hat die Sache aber, denn Keen Games kann sich nach dem Sacred-3-Debakel gewaltig steigern. Zehn Jahre später meldet sich das Team mit dem hervorragenden Enshrouded zurück, das auf Steam seitdem große Erfolge feiert. Schön für Keen Games, hilft Sacred-Fans aber nicht weiter - die trauern der Marke nämlich bis heute nach.

Keine Frage, mit Neue Allianzen hat Ubisoft der deutschen Kult-Marke eine gewaltige Delle verpasst. Aber: Die Siedler-Reihe hatte auch früher schon Höhen und Tiefen, und doch hat sie sich immer wieder aufgerappelt. Außerdem ist der letzte Teil gerade mal drei Jahre her - aus unserer Sicht zu früh, um die Reihe für tot zu erklären. Schon allein, weil Aufbauspiele immer noch ein riesiger Markt sind. Wir trauen der Reihe jedenfalls immer noch ein starkes Comeback zu.

Lands of Lore 3

Westwood Studios | PC | März 1999

In den 90er Jahren zählt Westwood zu den absoluten Top-Studios. Doch schon vor dem großen Durchbruch mit Command & Conquer macht sich das Team mit mehreren Rollenspielen einen Namen – und das Schönste davon ist Lands of Lore: Throne of Chaos. Nach C&C: Alarmstufe Rot soll darum Lands of Lore 2 das nächste große Ding von Westwood werden. Doch viele Verzögerungen und die hauseigene 3D-Engine machen dem Rollenspiel schwer zu schaffen. Es wird erst 1997 fertig und verkauft sich okay, aber der erhoffte Hit ist es bei Weitem nicht. Ein Jahr später wird Westwood dann von Electronic Arts übernommen - und prompt lässt man überraschend Lands of Lore 3 ankündigen, das schon 1999 auf den Markt kommen soll.

Lands of Lore 3

Bildquelle: Westwood Studios / Medienagentur plassma

Lands of Lore 3 wirkt im Jahr 1999 technisch und spielerisch veraltet. EA ht die Serie seitdem zu den Akten gelegt.

Ein Fehler, wie sich schnell zeigt, denn die hastige Entwicklung merkt man dem Spiel deutlich an. Westwood hat nochmal seine alte 3D-Engine aufpoliert, die vor der Jahrtausendwende aber schon völlig veraltet ist. Einzig die Charaktere, die diesmal mit Voxeln gerendert werden, sind da noch der Rede wert. Inhaltlich geht’s auf und ab, der neue Held präsentiert sich zum Beispiel blass und langweilig, die Umgebungen wirken oft karg und leblos und viele Kämpfe enden in wildem Rumgeklicke. Dafür gibt’s diesmal mehr spielerische Freiheiten und sogar ein Gildensystem. Manche der neuen Mechaniken wirken aber auch nicht zu Ende gedacht, der Spielablauf neigt zu Wiederholungen und einige Bugs machen dem Spielspaß zu schaffen.

Am Ende hinterlässt das Spiel vor allem den Eindruck, dass Westwood selbst keinen Bock mehr auf die Reihe hat. Lands of Lore 3 überzeugt darum weder Fans noch Kritiker so richtig, und auch wenn es keine belegbaren Verkaufszahlen gibt, wird das Spiel heute als kolossaler Flop betrachtet. Schon allein, weil Publisher EA die komplette Marke danach ohne viel Aufsehen in der Schublade verschwinden lässt. Auf der nächsten Seite geht’s weiter!

  1. Seite 1 Fatale Fortsetzungen - Von Unreal bis Sacred

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