Von Triumphen, Tränen und Treue: Dein großes K, dein E, dein V – eine Institution des deutschen Eishockeys wird 90
Von Triumphen, Tränen und Treue Dein großes K, dein E, dein V – eine Institution des deutschen Eishockeys wird 90
21.10.2026 · 20:03 Uhr
Einer der größten Momente in der Vereinsgeschichte des KEV: Der Gewinn der Deutschen Meisterschaft im Jahr 2003.
Foto: imago sportfotodienst
Krefeld · Am 22. Oktober 1936 begann eine Geschichte, die bis heute bewegt. Die Geschichte des Krefelder Eislauf Vereins. In nunmehr 90 Jahren gaben sich Höhenflüge und Krisen stets die Klinke in die Hand. Doch eines blieb bis heute unverändert: die unerschütterliche Verbundenheit zwischen dem Verein, seinen Fans und der Stadt.
Große Geschichten beginnen mit einer Idee – und mit Menschen, die fest genug an sie glauben. So auch am 22. Oktober 1936 in Krefeld. An diesem Tag werden dort gleich zwei Grundsteine für eine Tradition gelegt, die Generationen überdauern sollten. Im Hotel Wilmeroth kommen 107 Menschen zusammen, um den Krefelder EV 1936 zu gründen. Zudem wird mit dem Bau des Hindenburg-Eisstadions das Fundament für den Eishockey-Sport geschaffen, der die Stadt noch 90 Jahre später bewegen soll wie kaum eine andere am Niederrhein.
Der Pionier hinter all diesen Entwicklungen: Willi Münstermann. Seine Begeisterung für den schnellen Eissport wurde zu einem Projekt, das Krefeld auf die Landkarte des deutschen Eishockeys bringen sollte. Der Unternehmer war seinerzeit so angetan von der Eishalle am Düsseldorfer Zoopark, dass er so etwas auch in Krefeld umsetzen wollte. Platz war an der heutigen Westparkstraße genug – und so entstand ab 1935 dort ein Eisstadion, das heute unter dem Namen Rheinlandhalle bundesweit bekannt ist.
Das Hindenburg-Eisstadion kurz nach seiner Eröffnung im Jahr 1936 – der sportliche Ursprung des KEV.
Foto: Privatarchiv Sylvia Heimes
Erfolge und Finanzprobleme geben sich Klinke in die Hand
Für den KEV begann damit eine Reise, deren Verlauf damals kaum jemand erahnte. Die ersten Jahre waren geprägt vom Aufbau: Eishockey etablieren, eigene Spieler ausbilden und sich gegen die Konkurrenz behaupten. Der große Erfolg ließ zunächst auf sich warten. 1951 wurde zunächst der Lokalrivale KTSV Preussen Krefeld deutscher Meister. Ein Jahr später schlug schließlich die Stunde des KEV: Am 12. März 1952 besiegten die Krefelder den SC Riessersee in Mannheim mit 6:4 und sicherten sich erstmals den nationalen Titel. Dieser war mehr als eine Trophäe. Er machte Krefeld zu einem Ort, an dem Eishockey nicht nur gespielt, sondern gelebt wurde. Dass am 16. Juli 1963 in Krefeld der Deutsche Eishockey-Bund gegründet wurde, passte zu dieser Entwicklung. Die Stadt war längst ein wichtiger Teil der deutschen Eishockeygeschichte.
Doch eine große Vergangenheit schützt nicht vor komplizierten Entwicklungen. Finanzielle Probleme setzten dem Krefelder Eishockey zu. Auch die Preussen gerieten in Schwierigkeiten; 1971 mussten sie ihren Spielbetrieb schließlich einstellen. Und 1978 folgte der noch tiefere Einschnitt: Der KEV muss Insolvenz anmelden und wird aufgelöst. Fast zwei Millionen DM Schulden standen am Ende einer Entwicklung, die eine ganze Stadt erschütterte, die aber um ihren geliebten Sport kämpfte. Der Krefelder Eishockey Verein 78 wird gegründet, muss sich zwar wegen Namensgleichheit in EHC Krefeld 78 umbenennen – doch immerhin waren Spielbetrieb und Nachwuchsarbeit gesichert. Die Hoffnung, dass aus dem Bruch wieder etwas erwachsen kann, blieb am Leben.
Der Moment des ersten großen Triumphes: Im Jahr 1952 sicherte sich der KEV den ersten nationalen Titel.
Foto: Privatarchiv Sylvia Heimes
1981 kehrt schließlich der altbekannte Name zurück. Der neue Geschäftsführer Paul Hotstegs erwirbt die Namensrechte für 1000 DM, der KEV wird in den EHC aufgenommen – und auf einer Versammlung stimmen alle 500 Mitglieder einstimmig für die Rückkehr zum alten Namen. Es war ein symbolischer Neuanfang: Die Probleme blieben zunächst, doch die Identität des Vereins hatte überlebt. Mit dem Aufstieg in die 2. Bundesliga Nord begann ein neues Kapitel für den KEV 81. Dennoch, der Wiederaufbau braucht Zeit. Der KEV muss sich stabilisieren, Rückschläge verkraften und den Anspruch bewahren, wieder ganz oben mitspielen zu wollen. Erst in der Saison 1990/91 gelingt – angeführt von Uwe Fabig und Karel Lang – die Rückkehr in die 1. Bundesliga. Und der Klub etabliert sich dort. In den ersten vier Spielzeiten nach der Rückkehr gelingt jeweils der Einzug in die Play-offs, im fünften Jahr – dem ersten in der neugegründeten DEL – sogar die Halbfinal-Teilnahme.
Geschichte des KEV lebt von Idolen und Zusammenhalt
Dennoch steht man erneut am Abgrund. Der KEV muss abermals Konkurs anmelden und rettet sich nur durch die Gründung der KEV Pinguine Eishockey GmbH. Mit Erfolg, bis 2000 ist der Hauptverein schuldenfrei, die Pinguine mischen sportlich weiter in der DEL mit. Und das von Jahr zu Jahr immer besser – gekrönt mit dem Gewinn des zweiten Meistertitels im Jahr 2003. Eine jener Geschichten, die unvergessen bleiben. Die Pinguine gingen nicht als großer Favorit in die Play-offs, setzten sich aber gegen Düsseldorf und Berlin durch und bezwingen Köln im entscheidenden fünften Final-Duell mit 3:1. Krefeld hatte erneut gezeigt, dass sich Beharrlichkeit und Zusammenhalt auszahlen können.
Mit den Erfolgen wachsen die Ansprüche an die Infrastruktur. Die Rheinlandhalle war über Jahrzehnte Heimat und Hexenkessel gewesen. Doch am 3. Dezember 2004 absolvierte der KEV dort sein letztes DEL-Spiel. Drei Tage später beginnt im KönigPalast, der heutigen Yayla-Arena, eine neue Ära. Die neue hochmoderne Spielstätte erfüllte alle Anforderungen für die Zukunft – doch wieder einmal sollten finanzielle Rückschläge für Probleme sorgen. Ein sportlicher sowie wirtschaftlicher Niedergang mit mehreren windigen Investoren gipfelte schließlich im bitteren Abstieg im Jahr 2022. Die Folgen: wieder ein Umbruch, wieder ein Neuanfang. Mit dem bekannten Ergebnis. Die heute noch tätigen Verantwortlichen übernahmen das Ruder, bauten den Klub Schritt für Schritt wieder auf und führten die Pinguine in diesem Sommer zum umjubelten Wiederaufstieg in die DEL. Pünktlich im Jubiläumsjahr.
Und schließlich erinnern solche Momente daran, dass die nunmehr 90-jährige Geschichte des KEV mehr ist als eine von Tabellen und Titeln: Sie lebt von Idolen. Von Mannschaften, die Menschen zusammenbringen. Und von Erinnerungen, die Generationen überdauern. Und eine Stadt prägen: „Dein großes K, dein E, dein V.“ Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag.
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