Vor 40 Jahren: Feuer zerstörte den Bartewirt in Kreuzstraße


Stand: 17.08.2026, 08:00 Uhr

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Sorgfältig bewahrt Max Essendorfer daheim in Nehaider, einem Weiler zwischen Fellach und Kreuzstraße, alte Zeitungsartikel auf. In seiner Sammlung befindet sich auch der Bericht über den Brand des Bartewirts im August 1986.

Sorgfältig bewahrt Max Essendorfer daheim in Nehaider, einem Weiler zwischen Fellach und Kreuzstraße, alte Zeitungsartikel auf. In seiner Sammlung befindet sich auch der Bericht über den Brand des Bartewirts im August 1986. © THOMAS PLETTENBERG

Er brachte das vorläufige Ende eines traditionsreichen Ausflugslokals: der Brand des Bartewirts in Kreuzstraße. Heuer jährt sich das Unglück zum 40. Mal. Wir haben einen ehemaligen Feuerwehrmann gebeten, vom damaligen Großbrand zu erzählen.

Nehaider/Valley – Max Essendorfer war gerade erst zu Bett gegangen, als um 23.43 Uhr der Feueralarm losging. Er eilte zum Feuerwehrhaus, das zur damaligen Zeit noch nahe dem Föchinger Hof stand – und war wenige Minuten später mit seinen Kameraden von der Föchinger Wehr beim Bartewirt in Kreuzstraße. „Er hat lichterloh gebrannt“, erinnert sich der heute 82-Jährige.

Essendorfer steht nicht gern im Mittelpunkt, weshalb es ihm lieber gewesen wäre, ein anderer Augenzeuge hätte von dem Feuer erzählt, das im August 1986 das Gesprächsthema im Landkreisnorden war und zahlreiche Sensationstouristen angezogen hatte. Aber weil Essendorfer einen dicken Ordner hat, in dem er Zeitungsartikel über alle wichtigen Ereignisse der Region aufbewahrt, und außerdem seit vielen Jahren Tagebuch führt, ist er gewissermaßen der Chronist der Gegend nordöstlich von Holzkirchen.

Beim Durchblättern des Ordners kommen die Erinnerungen an den Einsatz in der Nacht vom 4. auf den 5. August zurück, an dem 282 Männer von 14 Feuerwehren, darunter die Föchinger, beteiligt waren. „Zuerst brannte die Scheune, von dort haben die Flammen auf das Wirts- und Wohnhaus übergegriffen“, erzählt der Landwirt. Ein Blitzeinschlag hatte das Großfeuer verursacht. Was den Einsatz schwierig machte: Das Blechdach des Anwesens machte einen Löschangriff von oben unmöglich. Erst am darauffolgenden Morgen konnte ein Hydraulikbagger das zerschmolzene Blech vom Dach ziehen. „Außerdem hieß es plötzlich: Das Wasser ist zu wenig“, erinnert sich Essendorfer. Alle Versuche, mehr Wasser zum Brandherd zu schaffen, scheiterten. „Beim Hydranten neben der Straße kam nichts mehr raus.“

Obendrein waren zunächst die Feuerwehren aus Hausham und dem Tegernseer Tal alarmiert worden, statt der Wehren aus dem Holzkirchner Raum – der diensthabende Polizist in der Miesbacher Einsatzzentrale hatte den Ort Kreuzstraße mit der Kreuzstraße bei Gmund-Dürnbach verwechselt. Der damalige Kreisbrandinspektor Sepp Seemüller bemerkte den Fehler beim Hören des Funkverkehrs und veranlasste die Alarmierung der richtigen Wehren. Sie rückten mit einer Verzögerung von sieben Minuten an. Allerdings glaubt Essendorfer, dass der 1920 erbaute und unter Denkmalschutz stehende Bartewirt auch dann komplett abgebrannt wäre, wenn die Einsatzkräfte früher vor Ort gewesen wären. „Das war ein altes Gebäude, im Stall wurde Futter gelagert, so etwas brennt wie Zunder.“

Abgesehen von einem Bewohner, der auf der Flucht vor den Flammen Verletzungen erlitten hatte und im Krankenhaus behandelt werden musste, kam kein Mensch zu Schaden. Etliche Hühner fanden jedoch in den Flammen den Tod. Der Sachschaden war mit 1,5 Millionen Mark enorm.

Foto vom Gebäude des heutigen Bartewirt Foto tp Kreuzstraße

Der Bartewirt heute: Im Sommer lockt der Biergarten in Kreuzstraße zahlreiche Gäste an. © THOMAS PLETTENBERG

Für die damaligen Pächter des Bartewirts, Hilde und Max Aichler, war der Brand ein schwerer Schlag. Sie führten den Gasthof, der der Gräflichen Brauerei Arco-Valley gehört, seit 1969. Sie hatten sich den Ruf eines Schlemmerlokals erarbeitet, das viele Ausflügler aus München anzog und für seine unbezwingbaren Semmelknödel berühmt war. Nicht zuletzt aufgrund der Bekanntheit des Bartewirts zog der Brand zahlreiche Schaulustige an, wie sich Essendorfer erinnert. „Heute schirmt die Polizei solche Orte weiträumig ab, aber das gab es damals noch nicht.“

Pächter und Brauerei ließen sich jedoch nicht unterkriegen. Es dauerte nicht lange, da wurde das Gebäude wieder aufgebaut, und die Wirtsleute Aichler machten noch Jahre weiter. „Die Leute haben nur drauf gewartet, dass der Betrieb wieder losgeht“, erzählt Essendorfer, der selbst auch gern Gast im Bartewirt war. „Jedes Ende bedeutet einen Anfang, sogar ein Ende mit Schrecken.“