Vor dem Winter: Söder und Aiwanger schlagen Alarm und warnen vor Gas-Zitterpartie - nicht nur in Bayern


Stand: 01.09.2026, 22:34 Uhr

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Der Winter rückt näher – die deutschen Gasvorräte sind auf einem niedrigen Niveau. Markus Söder und Hubert Aiwanger fordern, der Bund solle jetzt einschreiten.

München – Auch wenn es noch kein Winter ist, so ist die kalte Jahreszeit nicht mehr weit entfernt. Deshalb machen sich der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und sein Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) Sorgen um die Gasversorgung in Deutschland: Die Gasspeicher seien nur zu etwa 50 Prozent gefüllt, und die Prognosen für die kommenden Monate sähen nicht gut aus. Ihre Forderung: Der Bund müsse sofort aktiv werden und eine Gasreserve anlegen.

Kabinett Bayern

Hubert Aiwanger (l.) und Markus Söder sorgen sich wegen unzureichend gefüllter Gasspeicher. Sie schlagen vor, eine nationale Gasreserve anzulegen. © Sven Hoppe/dpa

Wie die DPA mitteilt, verlangen Markus Söder und Hubert Aiwanger vom Bund, rasch für ausreichende Füllstände zu sorgen. Auch sollte künftig eine nationale Gasreserve angelegt werden. Aktuell bereiteten nämlich die Füllstände der Gasspeicher Sorgen, wie Söder nach einer Sitzung seines Kabinetts mitteilte.

Söder: Nationale Gasreserve anlegen – ähnlich wie bei den Ölreserven

In Bezug auf die Gasversorgung müsse der Bund jetzt etwas tun, sowohl für diesen Winter als auch für den darauffolgenden. „Im Moment ist es noch zu wenig, und es deutet sich wieder eine Zitterpartie an“, so Söder. Seine Forderung sei deshalb eine nationale Gasreserve, so ähnlich, wie sie bereits beim Öl existiert. „Denn wenn das nicht vorangeht, dann kann passieren, dass Rationierungen stattfinden, und das wäre das maximal Schlechte.“

Aiwanger berichtete, dass der Gasspeicherfüllstand in Deutschland aktuell rund 50 Prozent betrage. Ein Problem: Die Füllstände der rein bayerischen Gaslager lägen abermals „deutlich darunter“. Auf den Füllstand von 50 Prozent käme man in Bayern nur durch die Hilfe Österreichs, mit dem man eng zusammenarbeite. Dazu komme, dass das Ziel zum 1. November ein durchschnittlicher deutschlandweiter Speicherstand von 70 Prozent sei. „Und wenn die Einspeicherung von Gas nicht deutlich schneller geht, dann werden wir diese 70 Prozent nicht erreichen“, so Aiwanger. So hält auch der Deutsche Verein des Gas- und Wasserfaches (DVGW) bis Anfang November lediglich einen Füllstand von rund 60 Prozent für realistisch.

Aiwanger: Gasknappheit nicht auszuschließen

Eine Gasknappheit könne Aiwanger nach jetzigem Stand nicht ausschließen: „Sollte ein kalter Winter kommen, sollten irgendwelche Lieferverzögerungen über das LNG-Gas und so weiter erfolgen, sollte sich eine internationale Krisensituation weiter zuspitzen, dann könnte aus heutiger Sicht sein, dass Gas knapp wird.“

Deshalb sollte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) dieses Thema jetzt zur Chefsache erklären und sofort damit beginnen, Gas einzukaufen und einzulagern. Es gehe Aiwanger nicht darum, Panik zu verbreiten. „Trotzdem dürfen wir uns hier nicht darauf verlassen, nach dem Motto: Es wird schon gut gehen.“ Nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums seien Importe von Flüssiggas „zuverlässig auf hohem Niveau weiter verfügbar“, etwa aus Lieferländern wie Norwegen. Unter anderem sei dadurch die Versorgungssicherheit in Deutschland gewährleistet. Das Ministerium würde die aktuelle Lage aber „sehr genau“ beobachten.

Gasreserve soll helfen, Krisenzeiten zu überstehen

Aiwanger fordert die Einrichtung einer nationalen Gasreserve, um dennoch eine gewisse Zeit überbrücken zu können. „Wir wären bei der Gasreserve vielleicht schon mit drei Wochen ganz zufrieden.“ Wichtig sei ihm, dass Gas gelagert werden kann, das in Krisenzeiten – etwa bei extrem niedrigen Temperaturen – zum Abruf bereitsteht.

Nach Angaben der Bundesnetzagentur liegen die Füllstände in den Speichern aktuell niedriger als in den vergangenen Jahren, weshalb man diese Entwicklung „sehr ernst“ nehme. Generell sei es wichtig, ein Zusammenspiel von Pipelineimporten, Speichern, LNG-Importen, Infrastruktur und Nachfrage herzustellen. Diese Faktoren seien entscheidend für die Herstellung von Versorgungssicherheit. Als einen möglichen Partner, der Deutschland Gas liefern könnte, hat Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) derweil bei einem Besuch in Algier auf Algerien verwiesen. (Quellen: Bundesnetzagentur, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, DPA-Meldung) (jws)