50.000 Jobs weg, vier Werke auf der Kippe: Das sieht VWs gigantischer Sparplan vor


VW beschließt Sparkurs: Das sieht das Maßnahmenpaket vor

Stand: 04.09.2026, 13:53 Uhr

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Vier Werke wackeln, 50.000 Jobs sollen wegfallen: Volkswagen stellt Beschäftigte jetzt auf einen tiefgreifenden Konzernumbau ein. Was beschlossen wurde.

Wolfsburg – Öffentlich waren Sparmaßnahmen bei Volkswagen schon länger im Gespräch. Nun steht der „Zukunftsplan 2030“ fest. Die Arbeitnehmerseite und das Land Niedersachsen schlossen sich überraschend dem Vorschlag des VW-Vorstands an: Der Aufsichtsrat stimmt dem „Zukunftsplan 2030“ einstimmig zu, wie der Konzern in einer Pressemitteilung am Donnerstagabend (3. September) bekannt gab. Zusätzlich zu dem ohnehin schon vereinbarten Abbau von 50.000 Stellen sollen demnach weitere 50.000 Jobs wegfallen. Es ist vom „tiefgreifendsten Transformationsprogramm in der Geschichte der Volkswagen Group“ die Rede.

Volkswagen

Bei Volkswagen gibt es überraschend eine Einigung über die Sanierungspläne des Vorstands. (Archivbild) © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Vom Stellenabbau betroffen sind auch Management-Positionen. Wo und wie genau die Stellen gestrichen werden, blieb zunächst offen. Als Ziel nannte der Konzern „schlankere Führungsstrukturen, klare Verantwortlichkeiten und kürzere Entscheidungswege.“ Die Konzernstrukturen sollen insgesamt vereinfacht werden, hieß es weiter. Neben dem Stellenabbau soll auch die Modellpalette um 50 Prozent gestrafft werden.

Volkswagen plant nur noch mit 9 Millionen Fahrzeugen

Bis 2035 halbiert die Volkswagen Group demnach die Zahl ihrer Modelle und reduziert die Zahl der angebotenen Varianten um rund 75 Prozent. Dadurch steigen die Stückzahlen je Modell, während Entwicklungs-, Produktions- und Beschaffungskosten sinken. Die WirtschaftsWoche hatte unter Berufung auf den Vorstandsbeschluss berichtet, VW wolle die Marke Seat bis 2029 komplett aus dem Programm nehmen. Der Autohersteller selbst bestätigte das jedoch zunächst nicht und auch in der Pressemitteilung blieb die Marke unerwähnt.

„In veränderten Marktumfeldern plant die Volkswagen Group mit einem Absatz von 9 Millionen Fahrzeugen pro Jahr“, hieß es in der Pressemitteilung weiter. Finanzielles Kernziel sei demnach eine operative Umsatzrendite von neun Prozent bis 2030. Zum Vergleich: Im ersten Halbjahr 2026 lag die operative Umsatzrendite laut Konzernangaben bei 3,8 Prozent. Gleichzeitig liegt die Zielgröße für Investitionen in Sachanlagen sowie Forschung und Entwicklung im Planungszeitraum 2027 bis 2031 bei 135 Milliarden Euro.

VW baut Exporte in den „globalen Süden“ aus

Der Konzern will außerdem sein Nordamerika- und China-Geschäft weiterentwickeln. „In Nordamerika konzentriert sich der Volkswagen-Konzern künftig auf die profitabelsten Segmente. Das China-Geschäft passt der Konzern an die veränderte Erwartung an das Gesamtwachstum des chinesischen Automobilmarkts an und baut das Exportgeschäft in Richtung ‚globaler Süden‘ aus“, hieß es dazu von VW. Mit globalem Süden gemeint sind vor allem Staaten, die im weltweiten gesellschaftlichen, wirtschaftlichen oder politischen Vergleich benachteiligt sind, definiert die Friedrich-Ebert-Stiftung den Begriff. Dazu zählen insbesondere viele Länder in Afrika, Amerika und Asien.

Ausgliederung der VW-Kernmarke ist vom Tisch

Die IG Metall bei Volkswagen betonte in einer Mitteilung, eine Ausgliederung der Kernmarke Volkswagen Pkw und der VW-Komponente sei vom Tisch, der Angriff auf die Mitbestimmungsstrukturen sei damit erfolgreich abgewehrt worden. „Der Konfrontationskurs und die Kommunikation des Vorstands in den vergangenen Wochen waren nicht zielführend“, hieß es zudem von den Gewerkschaftern. Beides habe konzernweit in der Belegschaft zu großer Verunsicherung geführt. „Die Arbeitnehmerseite hat gemeinsam mit dem Land Niedersachsen in dieser Situation einmal mehr Verantwortung übernommen, eine gefährliche Eskalation des Konflikts verhindert und den Weg für tragfähige Lösungen geebnet.“

Zukunft der Werke in Emden, Zwickau, Hannover und Neckarsulm bleibt offen

In Europa gibt es laut der Mitteilung eine Produktionsüberkapazität von 500.000 Fahrzeugen bei Volkswagen. Entsprechend sollen künftig weniger Fahrzeuge vom Band laufen. Betroffen sind in Deutschland demnach die Werke in Emden, Zwickau, Hannover sowie die Audi-Produktionsstätte in Neckarsulm, die „aktuell keine wettbewerbsfähige Folgebelegung“ hätten, wie es in der Mitteilung des Konzerns heißt. Die Werke werden demnach zu unterschiedlichen Zeitpunkten unprofitabel, je nach Standort zwischen 2031 und 2034.

Von der IG Metall hieß es: „Kein Werk wurde aufgegeben und entgegen mehreren Medienberichten ist keine Werksschließung besiegelt.“ Man prüfe derzeit „alternative Verwendungsmöglichkeiten“ für die betroffenen Standorte, teilte VW dazu mit. Konkreter wurde die Pressemitteilung nicht. Bereits zuvor waren aber verschiedene Optionen im Gespräch. Darunter etwa, Werke vorübergehend für die Rüstungsproduktion einzusetzen oder chinesische VW-Modelle künftig auch in Deutschland zu fertigen.

Der Branchenanalyst Ferdinand Dudenhöffer sagte indes der Nachrichtenagentur Reuters indes, in den kommenden zehn Monaten würden Gespräche über die Zukunft der Volkswagen-Werke in Emden, Zwickau, Neckarsulm und Hannover stattfinden, die alle ab 2031 schrittweise stillgelegt werden sollen. (Quellen: dpa, Pressemitteilung VW, WirtschaftsWoche, Friedrich-Ebert-Stiftung, Reuters) (bme)