„Direkt konfrontiert“: Königshaus trifft bei Marokko-Wahl auf Frust der Jugend – trotz Regionalmacht-Boom
Wahl in Marokko läuft: Jugend boykottiert – wann es erste Ergebnisse gibt
Stand: 23.09.2026, 14:10 Uhr
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Aufstrebende Regionalmacht und künftiger WM-Gastgeber: Marokko wählt. Doch egal, wie das Ergebnis ausfällt, viele Probleme bleiben.
Rabat – Marokko wählt ein neues Parlament – doch die Wählerschaft bleibt auf Distanz. Während sich das Königreich als aufstrebende afrikanische Industrienation und Mit-Gastgeber der WM 2030 positioniert, fehlt es im Land an demokratischer Aufbruchstimmung.
Rund 15,8 bis 16 Millionen registrierte Wählerinnen und Wähler sind aufgerufen, über die 395 Sitze der Abgeordnetenkammer abzustimmen. Erste vorläufige Ergebnisse zur heutigen Wahl werden für den späten Abend oder den morgigen 24. September erwartet. Unabhängig vom Wahlausgang der 27 Parteien steht die künftige Regierung vor enormen Hürden: Frust, Inflation und Misstrauen prägen die Ausgangslage.

Jugend in Marokko wendet sich ab: „Massiver Verlust an Vertrauen“
Trotz der enormen wirtschaftlichen Herausforderungen zeichnet sich ein deutliches Desinteresse der jungen Generation ab. Obwohl die 18- bis 24-Jährigen rund zwölf Prozent der Bevölkerung ausmachen, stellen sie laut einem Bericht der Deutschen Welle lediglich drei bis vier Prozent der registrierten Wählerschaft. Eine Umfrage der Organisation „Les Citoyens“ verdeutlicht die Resignation: 90 Prozent der Befragten glauben nicht daran, dass die Parteien ihre Wahlversprechen einhalten werden.
Die Frankfurter Rundschau zitierte Youssef Oukhallou, den Gründer des Youth Policy Center, mit einer klaren Einschätzung: „Wir sehen einen massiven Verlust an Vertrauen in das politische System bei der jungen Generation.“
Marokko wählt heute – doch das Management ist autoritär
Die politische Skepsis wurzelt in den strukturellen Grenzen des Parlaments. Zwar ist Marokko eine wachsende Regionalmacht, jedoch liegen strategische Schlüsselressorts wie Außenpolitik, Sicherheit, Militär und religiöse Angelegenheiten in der direkten Entscheidungsmacht von König Mohammed VI.
Der Politikwissenschaftler Abdeslam Maghraoui ordnete die Wahlen in der Frankfurter Rundschau entsprechend nüchtern ein: „Bei den Wahlen geht es nicht um echte politische Repräsentation der Wahlberechtigten.“ Es gehe vielmehr darum, wer das autoritäre System verwalte. Verschärft wird die Lage durch eine massive soziale Ungleichheit und eine Jugendarbeitslosigkeit, die in den marokkanischen Städten bei rund 40 Prozent liegt.
Marokko vor der Parlamentswahl: Korruption und politische Konfliktlinien
Die etablierten Parteien kämpfen mit einem eklatanten Glaubwürdigkeitsproblem. In der vergangenen Legislaturperiode wurde gegen fast ein Zehntel der Parlamentarier wegen Korruption oder finanzieller Delikte strafrechtlich ermittelt, wie die Deutsche Welle berichtet.
Die oppositionelle islamistische PJD versucht laut der Marokko-Expertin Annabelle Houdret (Frankfurter Rundschau), sich als legitime Kritikerin der Korruption zu positionieren. Allerdings vertrete die Partei ein extrem konservatives Familienbild, das junge Menschen mit anderen Lebenskonzepten abschrecke.
Marokko-Wahl: Das ist die Agenda der neuen Regierung
Unabhängig von der exakten Sitzverteilung stehen die großen politischen Linien bereits fest. Die neue Regierung muss folgende Kernaufgaben bewältigen:
- Arbeitsmarkt: Die bisherigen Regierungsparteien RNI und PAM versprechen die Schaffung von rund einer Million neuer Arbeitsplätze.
- Großprojekte: Im Vorfeld der Fußball-Weltmeisterschaft 2030 sind massive Infrastrukturinvestitionen geplant.
- Außenpolitik: In der fünfjährigen Amtszeit soll der Autonomieplan für die Westsahara weiter umgesetzt werden.
Ergebnisse der Marokko-Wahl erwartet – doch die Entscheidungen fallen im Palast
Am Ende ändert diese Wahl wohl nichts an der grundlegenden Machtarchitektur des Landes, da die strategischen Entscheidungen beim Monarchen liegen. Gelingt es der neuen Regierung nicht, messbare Ergebnisse gegen die soziale Ungleichheit und Perspektivlosigkeit zu liefern, könnte sich der gesellschaftliche Unmut bald außerhalb des Parlaments entladen.
Der US-Politikwissenschaftler Abdeslam Maghraoui formulierte in der Frankfurter Rundschau eine deutliche Warnung: „Wenn die Parteien nicht stark genug sind, um ihre Forderungen aufzunehmen, wird das Königshaus zunehmend direkt mit ihnen konfrontiert werden.“ (Quellen: Frankfurter Rundschau, Deutsche Welle) (frs)